Lokales

Gemeinderat macht 760 000 Euro locker

Jetzt sprach sich auch der Wendlinger Gemeinderat für die S-Bahn nach Kirchheim aus. Nach dem Willen des Gremiums sollen sich aber benachbarte Gemeinden an den Kosten für die Pendlerparkplätze am Bahnhof beteiligen.

SABINE FÖRSTERLINGWENDLINGEN

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Es sei die letzte Möglichkeit, die S-Bahn bis Kirchheim zu realisieren, warb Wendlingens Bürgermeister Frank Ziegler im Gemeinderat. Einigen Ratsmitgliedern fiel es nämlich schwer, einem Vertrag über die Beteiligung an der Finanzierung zuzustimmen. Immerhin sollen ab 2010 werktags nahezu 20 und am Wochenende 75 Prozent mehr Züge durch Wendlingen rollen. Darüber hinaus drängte die Ratsrunde auf eine Beteiligung der Nachbarkommunen an den Kosten für die Infrastruktur wie die Bereitstellung von Parkplätzen. Mit drei Gegenstimmen aus der Fraktion der Freien Wähler rangen sich die Stadträte schließlich zu einem Ja für die S-Bahn durch.

Zurzeit liegt in 15 Kommunen, die von der schnellen Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr profitieren werden, ein Vertrag über die Mitfinanzierung des 32,5 Millionen Euro teuren Projekts zur Unterzeichnung auf dem Tisch. Auf Wendlingen kommen Kosten in Höhe von 763 300 Euro zu, die aber in drei Raten bezahlt werden können.

Nach Jahrzehnte langem Ringen um die Verlängerung der S-Bahn-Strecke von Plochingen nach Kirchheim ist dies für den Bürgermeister ein einmaliges Angebot für eine zeitnahe Realisierung. Immerhin übernehme der Verband Region Stuttgart das Finanzierungsrisiko. Die früheren Planungen wurden aber erheblich abgespeckt. So überlegte man einst, die bestehende Strecke von Wendlingen nach Kirchheim zweigleisig auszubauen. Außerdem sollte die S-Bahn die Stadt in einem Tunnel südlich umfahren. Damit sollten die bestehenden Bahnübergänge beseitigt werden. Zwar gibt es laut Ziegler immer noch eine Option auf diese Tunnel-Lösung. Doch auf Grund der finanziellen Situation hatte der Bürgermeister erhebliche Bedenken, ob sie jemals kommt.

Nun soll die S-Bahn auf der eingleisigen bestehenden Strecke durch Wendlingen rollen. Der Bahnhof wird zum Kreuzungspunkt ausgebaut. Hier begegnen sich die Züge aus Plochingen und Kirchheim alle halbe und volle Stunde. Der Schienenverkehr wird um fast 20 und am Wochenende um 75 Prozent zunehmen. "Das grüne S zieht an", wies Ziegler auf die Standortvorteile hin.

An eine solche Aufwertung glaubt Stadtrat Rainer Geissler (FWV) nicht. Die Bahnschranken wären nur noch häufiger geschlossen. "Die Schließzeiten werden verringert und die Züge werden leiser", versuchte Ziegler die Bedenken zu zerstreuen. Trotz der Nachteile habe man sich in der Fraktion mehrheitlich im Interesse der Erreichbarkeit von Arbeitsplätzen zu einer Zustimmung durchgerungen, so der FWV-Vorsitzende Werner Kinkelin. An eine Süd-Umfahrung glaube er nie und nimmer. "Warum so viel Geld in die Hand nehmen, wenn Wendlingen doch über eine gute Anbindung verfügt?" fragten sich auch die Grünen. Doch Marianne Erdrich-Sommer rechnet ebenfalls mit Vorteilen für die Bürger der Stadt. Die Fraktionen waren sich einig, dass die Nachbarkommunen an den Kosten für die geplanten Parkplätze für Pendler am Bahnhof beteiligt werden müssen. "Jetzt kommt es auf ihr Verhandlungsgeschick an", nahm Erdrich-Sommer den Bürgermeister in die Pflicht.

ez