Lokales

Gemeinsam Holzhackschnitzel verheizen

Die Stadt Kirchheim will mit einer Wohnungseigentümergemeinschaft gemeinsame Sache machen und auf dem Schafhof eine Holzhackschnitzelheizanlage bauen lassen. Die neue Heizung würde Wärme für 140 private Wohnungen liefern sowie für die Grundschule im Wieselweg und den Kindergarten im Dachsweg.

ANDREAS VOLZKIRCHHEIM Stadt und Eigentümergemeinschaft leiden unter demselben Problem: Die vorhandenen Heizungsanlagen sind mittlerweile veraltet und dringend sanierungsbedürftig. Wie Fachingenieur Andreas Kiefer im Technik- und Umweltausschuss des Kirchheimer Gemeinderats mitteilte, sei der Handlungsbedarf im Schulgebäude am Wieselweg akut und im Schulpavillon am Luchsweg "noch akuter". Einzig die Ölheizung im Kindergarten Dachsweg sei noch voll funktionstüchtig. Selbige stammt aber auch erst aus dem Jahr 2002. Eigentlich sei sie sogar etwas zu groß ausgelegt für den Kindergarten, befand Andreas Kiefer. Sie lasse sich aber ohne weiteres in einem anderen städtischen Gebäude wiederverwenden, wenn der Kindergarten an die Holzhackschnitzelheizanlage angeschlossen sei.

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Diese Anlage soll an der Böschung zwischen Bolzplatz und der Straße Zu den Schafhofäckern entstehen genauer gesagt in der Böschung. Andreas Kiefer zufolge wären von der unterirdischen Heizzentrale später von der Straße aus nur Fenster und Türen zu sehen. Hinzu kommt ein Kamin entweder gemauert oder aus Edelstahl , der über elf Meter hoch sein soll. Bedenken wegen der Abgasbelastung trat Kiefer mit dem Hinweis entgegen, dass außer dem vorgeschriebenen Grobabscheider für Staub auch ein Elektro-Feinfilter fest eingeplant sei. Bislang ist ein solcher Feinfilter gesetzlich noch nicht vorgeschrieben.

Andreas Kiefer nannte 930 000 Euro an reinen Investitionskosten. 85 Prozent davon würde die Wohnungseigentümergemeinschaft tragen, 15 Prozent die Stadt. Das ergibt sich aus dem anteiligen Nutzen, den die Beteiligten von der neuen Anlage einmal haben dürften. Als ideale Vorgehensweise empfiehlt der Fachmann ein Contracting-Verfahren. Das heißt, dass Stadt und Eigentümer einen privaten Unternehmer suchen, der die Anlage baut und betreibt und seine Kosten über den Verkauf von Wärme wieder hereinholt.

In einem solchen Fall gibt es einen Grundpreis und einen Arbeitspreis. Letzterer hängt vom jeweiligen Verbrauch ab. Andreas Kiefer rät deshalb zu einem Vertrag, der von einem vergleichsweise geringen Grundpreis und entsprechend höheren Arbeitspreis ausgeht. "Somit würde es sich für den Einzelnen weiterhin lohnen, Heizenergie zu sparen." Generell könnte die Stadt Kirchheim mit der neuen Heizanlage und dem Contracting-Modell Geld sparen, rechnete Andreas Kiefer im Technik- und Umweltausschuss vor: Der derzeitige Verbrauch in den beiden Schulgebäuden bringe jährliche Kosten in Höhe von 19 550 Euro mit sich. Demgegenüber wären dem Contractor für die Wärmelieferung aus der neu gebauten Anlage jährlich nur 17 580 Euro zu zahlen, wie Andreas Kiefer berechnet hat.

Weitere Bilanzen stellte der Ingenieur bezüglich des

CO2-Ausstoßes vor: Stadt und Wohnungseigentümergemeinschaft würden derzeit mit ihren Heizungsanlagen 424 Tonnen

CO2 produzieren. Davon ließen sich mit der neuen Hackschnitzelanlage ganze 353 Tonnen einsparen. Die Verbrennung von Holzhackschnitzeln sei nach augenblicklicher Gesetzeslage als "

CO2-neutral" zu betrachten. Der restliche Ausstoß komme von einer Ölheizung, die in diesem Fall unumgänglich ist, um die Wärmeversorgung auch für Ausfallzeiten der Hackschnitzelanlage etwa wegen Wartungsarbeiten garantieren zu können.

Wie der Gesetzgeber in einigen Jahren das Heizen mit brennbarem Material beurteilt, sei jetzt noch nicht abzusehen, meinte Andreas Kiefer. Für den Augenblick jedoch pries er die geplante Anlage als die beste Lösung, zumal die weltweiten Erdölvorkommen nach jetzigem Stand in 44 Jahren aufgebraucht sein sollen. Das Erdgas reiche noch für rund 58 Jahre aus. Bei den Holzhackschnitzeln dagegen handle es sich um Grünschnitt, der ohnehin als Abfall anfällt. Wichtig sei, dass der Grünschnitt nicht entlang von Straßen gesammelt wird und auch keinen Rasenschnitt enthält, weil sonst zu viel unbrauchbares Material in die Heizanlage gelange.

Bis jetzt gebe es in Kirchheim eine einzige vergleichbare Anlage. Das dazugehörige Unternehmen pflanze bereits schnell wachsende Pappeln, die sich bereits nach weniger als zehn Jahren zu Holzhackschnitzeln verarbeiten lassen. Im Übrigen sei nicht zu befürchten, dass das Heizmaterial aufgrund von zu großer Nachfrage im Preis extrem steigen werde. "Eine solche Anlage lohnt sich erst ab einer gewissen Größenordnung und wird deshalb die Ausnahme bleiben", meint Andreas Kiefer. An der geplanten Anlage auf dem Schafhof könnte sich außer den Wohnungseigentümern und der Stadt auch noch die Evangelische Kirchengemeinde beteiligen, deren Gemeindehaus ebenfalls eine neue Heizung benötigt.

Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker und Bürgermeister Günter Riemer zeigten sich in der Ausschusssitzung überzeugt davon, mit diesem Modell die ideale Lösung gefunden zu haben. Der nächste Schritt der Stadtverwaltung ist nun eine Änderung des Bebauungsplans. Für die Zeit nach der nächsten Sitzungsrunde des Gemeinderats im Januar ist außerdem eine umfassende Informationsveranstaltung für die Öffentlichkeit geplant.

Andreas Kiefer schätzt, dass die Hackschnitzelheizanlage auf dem Schafhof bereits im September 2008 in Betrieb gehen könnte. Die ersten Hürden sind immerhin genommen: Nach der Wohnungseigentümergemeinschaft hat nun auch der Technik- und Umweltausschuss des Gemeinderats der Planung zugestimmt. Obwohl die Ratsmitglieder kritisch nachgefragt und zu einzelnen Details Bedenken vorgetragen hatten, fiel die Abstimmung bei nur einer Enthaltung deutlich zugunsten der neuen Heizanlage aus.