Lokales

Gemeinsamer Kampf gegen Brustkrebs

Seit Mai 2004 gibt es das gemeinsame zertifizierte Brustzentrum Nürtingen-Ruit. Diese Meldung löste damals vielerorts große Freude und Erwartungen aus. Jetzt ist ein Jahr vergangen, und die erste Überprüfung wurde erfolgreich bestanden.

HORST DIENING

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NÜRTINGEN Experten sprechen mit leuchtenden Augen vom "Überwachungsaudit". Die Deutsche Krebsgesellschaft und der TÜV Süd nehmen die entsprechende Überprüfung jährlich vor. Die Zertifizierung ab 2004 gilt für drei Jahre. Grundsätzlich, das wurde gestern neben anderen von den Chefärzten Dr. Friedrich Sommer und Professor Dr. Andreas Funk mitgeteilt, sei man bemüht, das "hohe Qualitätsniveau zu sichern und möglichst noch zu vertiefen". Die Gynäkologen: Man habe hier "Modellcharakter" für andere Krankenhäuser. Der Brustkrebs bei Frauen könne in 70 Prozent der Fälle brusterhaltend operiert werden.

In einem Pressegespräch gestern im Nürtinger Krankenhaus auf dem Säer, das seit Anfang 2005 zum Klinikum Kirchheim-Nürtingen gehört, wurde besonders die zurückliegende erfolgreiche Zusammenarbeit der Kreiskrankenhäuser Ruit (Paracelsus-Krankenhaus) und Nürtingen gewürdigt. Der Leiter des gemeinsamen zertifizierten Brustzentrums, Dr. Friedrich Sommer, Ruit: "Diese Kooperation ist modellhaft." Es sei ihm kein weiteres ähnliches Beispiel bekannt, dass ein Haus an zwei Standorten so eng und verzahnt zusammen tätig ist, damit ganz an einem Strang zieht.

Grundsätzlich weiß sich das Brustzentrum im Wettbewerb mit anderen zertifizierten Häusern, aber speziell Professor Dr. Funk betonte, besonders mit dem Zentrum in der Stadt Esslingen sei man in keiner Konkurrenzsituation. Man sehe sich dagegen im Blick auf die Stadt Esslingen vorrangig in Ruit in einer guten Zusammenarbeit mit den Krankenanstalten. In Esslingen sei die Zertifizierung des Zentrums übrigens erst zeitlich nach Nürtingen-Ruit erfolgt. Zur Zertifizierung seien 150 Brustkrebsoperationen nötig. Im Zentrum Nürtingen-Ruit seien seit Mai 2004 183 Operationen erfolgt. Das Überwachungsaudit erfolgte in Ruit am 21. Juli, in Nürtingen am 22. Juli. Brustkrebserkrankungen gebe es neu jährlich im Land rund 6000. Im Kreis Esslingen verzeichne man statistisch jährlich über 300 Frauen, die an Krebs erkranken. Einige der Frauen, die im Zentrum Nürtingen-Ruit bei ganzheitlichem Ansatz behandelt wurden, stammten auch aus dem Raum Stuttgart, den man weiterhin mit bedienen will. Mittels modernster Diagnose- und Therapieverfahren, bestens geschultem Personal (von 50 Kräften im Brustzentrum sind allein etwa ein Dutzend Ärzte) und fachübergreifendem Arbeiten (auch niedergelassene Ärzte sind mit beteiligt am Erfolg des Zentrums) will man auch künftig möglichst noch Verbesserungen auch bei der Nachsorge erreichen. Speziell die Tatsache, dass in Nürtingen im Klinikum auch die Plastische Chirurgie vertreten ist, wird weiterhin zur Qualität beitragen. Das Qualitätsmanagement sorgt mit für strukturierte Vorgehensweisen, und flächendeckend will man zudem Vorsorge betreiben. Im Zentrum Nürtingen-Ruit will man zu einer Verbesserung beitragen: Ob bösartige Tumore oder gutartige, allen betroffenen Frauen will man Mut machen und Hilfe geben. Man dokumentiert die Fälle, bespricht alle gemeinsam, sucht vereint nach Lösungen und ist bemüht, den Frauen auch psychisch beste Hilfestellung zu geben. Im Vergleich mit anderen Zentren lassen sich neue Bewertungen erzielen, bundesweit wird Dokumentation angestrebt. Man experimentiere nicht, sondern suche das Beste in der Kooperation, im Austausch. Laut Dr. Sommer müsse die Chemotherapie stationär bleiben; alles andere sei nicht so gut. Bundesweit gebe es 99 Brustzentren, die alle die Qualitätsnormen erfüllen, davon im Land 30, in der Region sieben.

Krebs sei heilbar; Früherkennung und Vorsorge seien nötig. Informationstage 15. Oktober in Ruit und am 22. Oktober in Nürtingen sollen darüber näher Auskunft geben.