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"Gemüse aus der Region ist besonders wertvoll"

Kraut und Kohl da denkt man an miefige Küchendünste. Ganz zu Unrecht: Knackig-frisches Gemüse, üppige Herbstfarben und raffiniert gewürzte Leckereien hatten beim Aktionstag Filderkraut ihren Auftritt. In der Krauthalle in Bernhausen, auf den umliegenden Feldern und Bauernhöfen waren eine Menge Informationen und Programm geboten.

KARIN AIT ATMANE

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FILDERSTADT "Sauerkraut ist Pflicht beim Hot Dog." Diese Behauptung, auf einem Schild an Peter Braitmaiers rotem Vesper-Wagen aufgehängt, verblüfft. Schließlich kennt man Hot Dogs als Gummibrötchen mit Wurst. "Schauen Sie im Gourmet-Lexikon nach", forderte der Snackverkäufer auf und erzählte die Geschichte des "heißen Hundes", der von einem deutschen Einwohner in den USA erfunden worden sei: Neben dem Frankfurter Würstchen gehörten auf jeden Fall Hot-Pepper-Soße, Sauerkraut, Zwiebeln, Gurkenrelish und Ketchup oder Dip rein. Das ergibt eine fein süß-saure Mischung, ernährungsphysiologisch ausgewogen. Überhaupt gab es an allen Ecken was zu verkosten auf diesem "Krautfest". Leckere Rohkost-Spieße lagen aus, Krautwickel und Krautburger standen beim Partyservice auf dem Speiseplan.

Die Stände mit frischem Gemüse ähnelten Altären beim Erntedankfest, in allen Farben türmten sich Karotten, Kürbisse, Kohl und Salat. Beim Stand des Keltenhofs war eine große Schüssel voll kleiner Blättchen die Attraktion: "Baby Leafs" nennen Angela und Gerhard Daumüller die ganz jung geernteten Blätter von Spinat, Roter Bete, Senf und asiatischen Gemüsen, zu zartem Salat mit vielen Geschmacksnuancen komponiert. Verwendet wird die Kreation in erster Linie in der gehobenen Gastronomie: "Das ist ein Premium-Produkt."

Landwirte brauchen beides, Klasse und Masse, sie müssen immer wieder Neues ausprobieren. Die strengen Reihen und Farben von Salat- und Krautköpfen auf den Fildern ergäben eine eigene Ästhetik der Landwirtschaft, sagte Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch in ihrem Grußwort zum Aktionstag. Sie nahm sich Zeit für einen Rundgang auf den Feldern, bei dem auch Neuzüchtungen zu sehen waren: zum Beispiel Salanova, eine Salatsorte, die wie eine Rosette wächst und mit einem Schnitt in ihre Blätter zerfällt. Das erspart das Zerpflücken des Kopfes. Wenig bekannt sind auch grüner Blumenkohl, Romanescu oder "Türkenkohl". Letztere Sorte mit etwas lockererem Wuchs werde als ganzer Kopf eingelegt, erklärte Klaus Schumacher vom Landwirtschaftlichen Ortsverein: "Das nimmt bei uns in der Krautfabrik schon die Hälfte der Silobelegung ein". Türkische Imbissbuden und Geschäfte sind übrigens wichtige Abnehmer für die Krautbauern, im Gegensatz zu deutschen Hausfrauen.

Gurr-Hirsch rief dazu auf, Krautsalat, Selleriesalat, Karottensalat neu zu entdecken und saisonal zu kochen. "Gemüse aus der Region ist besonders wertvoll", sagte sie, denn es habe weder weiten Transport noch lange Lagerung hinter sich.

Beim Entdecken regionaler Produkte half auch Meisterkoch Martin Öxle. Der Inhaber und Chefkoch der Speisemeisterei in Hohenheim kauft oft und vieles direkt beim Bauern ein, berichtete er. Selbst in der Landwirtschaft aufgewachsen, suche er beim Kochen immer "nach dem Geschmack aus meiner Kindheit". Er zeigte beim unterhaltsamen Schaukochen, wie sich Heimisches mit Fremdem verbindet oder auch ganz allein gut dasteht.

Von Blattspinatsalat und gebackenen Garnelen durfte das Publikum ebenso probieren wie vom glasierten Spanferkelrücken auf geschmortem Filderkraut.

INFODer Aktionstag Filderkraut war eine Veranstaltung der Initiative "Blickpunkt Ernährung" des Landes in Zusammenarbeit mit örtlichen Landwirten. Auf den Internetseiten des Ministeriums für Ernährung und ländlichen Raum (www.mlr.baden-wuerttemberg) kann man auch Untersuchungsergebnisse für Lebensmittel nachlesen. Auch landwirtschaftliche Produkte von den Fildern wurden auf Schadstoffe überprüft.