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"Genehmigungsunterlagen sagen nichts über Einschränkungen"

Die BUND-Ortsgruppe Kirchheim hat für Montag eine Informationsveranstaltung zum Thema Sonderlandeplatz organisiert, zu der die Interessengemeinschaft Fluglärm einlädt.

KIRCHHEIM Die Interessengemeinschaft Fluglärm Hahnweide hat sich intensiv mit der Frage beschäftigt, welche Art von Landeplatz die Hahnweide nach der geplanten Umwandlung in einen Sonderlandeplatz sein wird. Deshalb begrüßt die Interessengemeinschaft das Gesprächsangebot der Fliegergruppe Wolf-Hirth und freut sich auf einen offenen und sachlichen Austausch von Fakten. Die mehrfach geäußerte Aussage der Hahnweidbenutzergruppen, dass sich durch die geplante Umwandlung nichts ändern wird, hinterfragt die Interessengemeinschaft allerdings. Das Segelfluggelände Hahnweide soll in einen Sonderlandeplatz umgewidmet werden. Damit ändere sich vieles. Auf einem Segelfluggelände dürfe Motorflug nur zum Zwecke des Segelflugsports betrieben werden. Alle anderen Motorflüge benötigten auf Segelfluggeländen einer befristeten Außenlandeerlaubnis durch das Regierungspräsidium. Dieses Regulativ entfalle bei einem Sonderlandeplatz. Auf solchen Plätzen sei Motorflug für Vereinsmitglieder und nach Anfrage beim Platzbetreiber auch für Dritte möglich. Somit stehe auf Sonderlandeplätzen nicht mehr der Segelflug im Vordergrund, sondern der Motorflug.

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Um eine Zunahme des Motorfluglärms auf einem künftigen Sonderlandeplatz zu verhindern, seien sehr viel mehr Regelungen und Einschränkungen notwendig, als bei einem Segelfluggelände, so die Interessengemeinschaft. "Genau über diesen wichtigen Bereich schweigen sich die Genehmigungsunterlagen, die derzeit öffentlich ausliegen, aber aus".

Die vom Flugplatzbetreiber BWLV (Baden-Württembergischer Luftfahrtverband) beantragte Umwidmung des Segelfluggeländes zum Sonderlandeplatz sehe keinerlei Beschränkungen hinsichtlich der Zahl der Flugbewegungen, der Zahl der auf der Hahnweide stationierten Motorflugzeuge, der Berechtigung von platzfremden Flugzeugen für Starts und Landungen, der Zulassung der für Starts und Landungen zugelassenen Flugzeugtypen, der nutzungsberechtigten Personen und Firmen sowie der Betriebszeiten für den Motorflug, die Schulungen und die Übungsflüge mit Platzrunden vor. Der Antrag beinhalte auch keine Befreiung von der Betriebspflicht. Noch nicht einmal Zweck und Nutzung des künftigen Sonderlandeplatzes seien angegeben.

"Wenn es den Benutzergruppen so wichtig ist, dass alles beim Alten bleiben soll, wie sie wiederholt öffentlich versichern, dann haben sie sicher kein Problem damit, wenn die entsprechenden Regelungen und die oben genannten Beschränkungen in der Genehmigung detailliert aufgeführt werden", meint die Interessengemeinschaft, die Bedenken hat, ob der zivilrechtliche Nutzungsvertrag zwischen dem BWLV und der Stadt Kirchheim die Bürger wirklich ausreichend vor zunehmendem Fluglärm schütze.

Besonders beunruhigt ist die Interessengemeinschaft über die Aussage der Hahnweidbenutzergruppen, dass die geplante Umwidmung vom Innenministerium Baden- Württemberg vorgegeben wurde. Zumal in den Genehmigungsunterlagen zu lesen ist, dass "die Sonderlandeplätze der Region und das Segelfluggelände Kirchheim unter Teck Hahnweide neben dem Sportflugverkehr teilweise auch dem Werk-, Geschäfts- und Schulflugsverkehr dienen". Ist dies nicht ein Hinweis auf die mögliche Stationierung des Werks- und Geschäftsflugverkehrs auf der Hahnweide und das öffentliche Interesse der Landesregierung von Baden-Württemberg an der weiteren Nutzung des Segelfluggeländes für die allgemeine Luftfahrt zum Beispiel durch Auslagerung der Kleinflugzeuge aus Stuttgart-Echterdingen? fragt sich die Interessengemeinschaft und verweist auf das Verkehrsaufkommen auf dem Stuttgarter Flughafen. "Hier finden pro Jahr über 160 000 Flugbewegungen statt, davon 20 000 im nichtgewerblichen Verkehr (Privat- und Geschäftsflüge). Die Kapazitätsgrenze für Verkehrsflughäfen mit einer Start- und Landebahn liegt unter 200 000 Flugbewegungen pro Jahr. Möglicherweise ist in naher Zukunft die Steigerung der Kapazität für Linien- und Charterflüge in Echterdingen nur dann möglich, wenn der nichtgewerbliche Flugverkehr mit kleinen Flugzeugen ausgelagert wird". Vergleichbares sei in Frankfurt mit Egelsbach und München mit Jesenwang passiert. Auf diesen beiden Plätzen finde heute der Verkehr der früher auf den Verkehrsflughäfen stationierten Kleinflugzeuge statt. Das Segelfluggelände Hahnweide liege nur 20 Kilometer von Echterdingen entfernt und sei hervorragend an die Autobahn A8 angebunden. "Mit einer möglichen Länge der Landebahn 13/31 von rund 900 Meter wäre dieser Landeplatz für Geschäftsflüge gut geeignet". Die Interessengemeinschaft appelliert an die Entscheidungsträger bei der Stadt Kirchheim, die Umwidmung abzulehnen. "Wenn ein Sonderlandeplatz erst einmal genehmigt ist, kann die Entwicklung nicht mehr zurückgedreht werden. In unserem, von hohen Vorbelastungen an Lärm schon sehr gebeutelten Raum gibt es ein hohes öffentliches Interesse an einer Beschränkung des Lärms. Die hier wohnende Bevölkerung und die Naherholungssuchenden müssen vor weiterem Lärm geschützt werden", ist die Interessengemeinschaft überzeugt.

Die Interessengemeinschaft lädt die Bevölkerung und die Hahnweidbenutzergruppen zu einer von der BUND-Ortsgruppe Kirchheim organisierten Informationsveranstaltung ein. Ein Fachmann von der bundesweit tätigen Bürgervereinigung Fluglärm wird am Montag, 11. Dezember, um 19.30 Uhr in der Gemeindehalle Jesingen über das derzeit laufende Genehmigungsverfahren und die möglichen Risiken für die Raumschaft Kirchheim informieren. Auskünfte zum derzeitigen Genehmigungsverfahren erhalten die Bürger unter der Internetadresse www.fluglaerm-hahnweide.de oder beim BUND-Umweltzentrum in der Kirchheimer Max-Eyth-Straße.

pm