Lokales

Genetische Veranlagung und Umwelteinflüsse

Die AOK Baden-Württemberg führt derzeit unter dem Motto "Gesunde Haut für mein Kind Vorbeugen gegen Neurodermitis" eine Aufklärungskampagne zum Thema Neurodermitis durch. Ziel der Gesundheitsaktion ist es, darüber zu informieren, wie Eltern ihr Kind vor dieser Erkrankung schützen können. Darüber hinaus gibt es Tipps für die Eltern von Kindern, die bereits erkrankt sind.

KIRCHHEIM Die AOK Nürtingen-Kirchheim beteiligt sich mit einer Reihe von Vorträgen an der landesweiten Aktion "Gesunde Haut für mein Kind Vorbeugen gegen Neurodermitis". Zudem können sich Eltern auch von der Kirchheimer AOK-Ernährungsberaterin Anneliese Albrecht individuell zum Thema Neurodermitis beraten lassen.

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Wie viele andere Krankheiten, entsteht auch Neurodermitis durch ein Wechselspiel von genetischer Veranlagung und Umwelteinflüssen. Dabei zeigt sich der Einfluss der genetischen Komponente bei dieser Erkrankung recht deutlich: So bekommen etwa 30 Prozent der Kinder eine Neurodermitis, wenn ein Elternteil oder eines der Geschwister an einer Allergie leidet. Leiden beide Eltern an einer unterschiedlichen Allergie, steigt das Neurodermitis-Risiko auf bis zu 50 Prozent. Leiden beide Eltern an einer Neurodermitis, kann das Risiko auf 60 bis 80 Prozent ansteigen.

Andererseits erkranken aber, leichtere Fälle von Neurodermitis mit eingerechnet, immerhin auch zehn Prozent der Kinder von Eltern, die nicht an Allergien oder Neurodermitis leiden. Diese Kinder sind somit nicht erkennbar erblich vorbelastet.

Professor Dr. Karl E. Bergmann, Kinderarzt und Allergieexperte an der Charité in Berlin: "Bei der Entstehung einer Neurodermitis wirken verschiedene Faktoren zusammen. Auf der einen Seite haben wir die anlagebedingte Neigung zur Entwicklung von Asthma, Heuschnupfen und Neurodermitis, die eine Bereitschaft des Immunsystems, auf bestimmte Stoffe, die so gennanten Allergene, ,überschießend' zu reagieren, voraussetzt. Auf der anderen Seite muss der Organismus, damit es zu dieser ,überschießenden' Reaktion kommt, gegenüber diesen Stoffen, zum Beispiel Hausstaubmilben, irgendwann zuvor allergisch sensibilisiert worden sein. Das bedeutet, der Organismus muss den von diesen Allergenen ausgehenden Reizen wiederholt und sehr stark ausgesetzt worden sein."

Oft müssen aber auch noch unspezifische Reize wie hohe oder niedrige Umgebungstemperaturen, niedrige Luftfeuchtigkeit oder eine stark mit Schadstoffen, etwa durch Zigarettenrauch belastete Umwelt hinzukommen, damit sich eine Allergie entwickelt. Was die Wirksamkeit der Allergene betrifft, spielt es auch eine Rolle, ob die Haut besonders zart, besonders trocken oder anderweitig überempfindlich ist.

Im Gegensatz zu den "Hauptangriffszielen" des Immunsystems wie Bakterien, Viren oder Pilzen handelt es sich bei den Allergenen um an sich harmlose, in der Natur vorkommende Substanzen und Stoffe wie zum Beispiel Blütenpollen oder Tierhaare. Obwohl von diesen Stoffen gar keine wirkliche Bedrohung ausgeht, reagiert das Immunsystem "überschießend" mit der Bildung übermäßig vieler spezieller Abwehrstoffe, die sich mit dem Allergen verbinden und es den Immunzellen vorführen. Diese erkennen das Allergen und setzen sofort Botenstoffe, etwa Histamin frei, die zu Schwellung, Rötung und Juckreiz führen. Auch Reaktionen allgemeinerer Art wie Husten oder Fieber sind möglich. Die allergische Reaktion kann aber auch verspätet, zum Beispiel erst nach Tagen, einsetzen, so dass der eigentliche Auslöser dann nur noch schlecht erkennbar ist.

Ob ein Kind möglicherweise eine Neurodermitis entwickeln wird, kann sich neben der allergischen Erkrankung eines Elternteils oder Geschwisters oft frühzeitig durch typische Hauterscheinungen wie Milchschorf an den Wangen in der Säuglingszeit oder einer sehr trockenen Haut ankündigen. Wichtige Anzeichen sind auch Ekzeme in Ellenbeugen und Kniekehlen, Juckreiz der Haut beim Schwitzen, Wollunverträglichkeit, Hautrisse hinter den Ohrläppchen und an den Mundwinkeln. Werden solche Anzeichen beobachtet, besteht aber immer noch die reelle Chance, die Entwicklung einer Neurodermitis durch geeignete Vorbeugemaßnahmen zu verhindern.

pm

TERMINEAm Montag, 22. November, um 19.30 Uhr informiert Dr. Eva Piche von der Universitäts-Hautklinik Tübingen im kleinen Saal der Kirchheimer Stadthalle über "Diagnose und Behandlung von Neurodermitis"Am Mittwoch, 24. November, um 19.30 Uhr spricht die Diplom-Ernährungswissenschaftlerin Dr. Eveline Schwarz in der Kantine der AOK Kirchheim über das Thema "Ernährung bei Neurodermitis"Internet-Nutzer finden unter www.aok.de/bw "Aktionen" alles über die Aktion. Fragen zum Thema Neurodermitis können am AOK-care-Telefon gestellt werden. Diese exklusiv für AOK-Versicherte eingerichtete Medizin-Hotline ist täglich von 7 bis 22 Uhr zum Ortstarif unter der Rufnummer 0180/10 50 500 erreichbar.