Lokales

Gentechnikfreie Zone

In vielen Bereichen des Lebens hat die Gentechnik bereits Einzug gehalten. Unter deutschen Landwirten stößt die Aussaat genveränderter Pflanzen jedoch bisher auf große Ablehnung. Nun ist es quasi "amtlich": Die Äcker am Rande der Filder sind gentechnikfrei.

WOLFSCHLUGEN Weil es in Wolfschlugen keinen Ortsobmann des Bauernverbandes gibt, ist der Wolfschlugener Bürger Helmut Gundert, Doktor der Agrarwissenschaft, um Verbrauchern zumindest in ihrem Wohnort einen gewissen Schutz vor der neuen Art genmanipulierten Pflanzengutes zu geben, auf die Landwirte im Dorf zugegangen. Sie alle, und das sind neun an der Zahl, rechnet man Hauptberufliche und Nebenerwerbstätige zusammen, haben nunmehr eine Selbstverpflichtungserklärung unterschrieben, kein gentechnisch verändertes Saat- und Pflanzengut zu verwenden.

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Viele ihrer Berufsgenossen in anderen Städten und Gemeinden haben es ihnen bereits vorgemacht, wie Helmut Gundert weiß: "Die Stadt Überlingen war eine der ersten, die eine solche Verpflichtungserklärung bei ihren Bauern einholte. Übers Internet, aber auch aus Gesprächen mit der Stadtverwaltung habe ich deren Vertragsvereinbarungen angefordert und auf Wolfschlugen hin umgeschrieben."

Die Wolfschlugener Erklärung der Landwirte, die ab November in Kraft tritt, sieht nun wie folgt aus: Über eine Laufzeit von einem Jahr haben sich die Bauern verpflichtet, kein gentechnisch verändertes Saat- und Pflanzengut zu verwenden; wird dieses Schriftstück nicht bis spätestens drei Monate vor Ablauf der Jahresfrist schriftlich seitens der Landwirte gekündigt, verlängert sich diese automatisch immer um ein weiteres Jahr.

Vorteil einer solchen Erklärung ist sicherlich, neben der Erhaltung bestehender Absatzmärkte, die Erschließung eines ganz neuen Verbraucherkreises: Die Produkte zeichnen sich durch ein gentechnikfreies Qualitätsmerkmal aus, das immerhin laut Untersuchungen über 70 Prozent der Verbraucher schätzen.

Befürworter genmanipulierter Nahrungsmittel behaupten und argumentieren, dass durch die Gen-produkte Länder der Dritten Welt aus ihrer Hungersnot befreit würden, was von Fachleuten der Entwicklungshilfe vehement bestritten wird, weil Hunger nicht die Folge mangelnder Nahrungsmittelproduktion sei. Er werde also verursacht durch Dinge wie ungerechte Verteilung, fehlenden Zugang zu Land, Raubbau und so weiter.

Ein Passus, der zusätzlich beinhalte, nur gentechnisch unveränderte Futtermittel zu verwenden, konnte in Wolfschlugen in der Erklärung nicht mit aufgenommen werden: dies wäre für die Landwirte unter ökonomischen Gesichtspunkten nicht realisierbar, weil die Verbraucher nicht bereit seien, höhere Preise zu bezahlen, hieß es. Damit stellt die Verzichtserklärung nur einen kleinen Schritt im Anti-Gentechnik-Programm dar, Fakt ist nach wie vor: Bei den Wolfschlugener Landwirten bleibt erst einmal alles beim Alten, denn schließlich kamen sie bisher noch nicht mit gentechnisch manipuliertem Saat- und Pflanzengut in Berührung.

nz