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Gepachtete Halle in Dettingen angezündet

Gegen einen 36-jährigen Mann aus Lenningen hat das Stuttgarter Landgericht nach einer Woche Prozessdauer eine Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren verhängt. Der Mann stand wegen Anstiftung zur Brandstiftung und versuchten Betrugs vor Gericht. Im vergangenen Jahr hatte er gemeinsam mit drei Komplizen eine gepachtete Halle in Dettingen angezündet.

BERND S. WINCKLER

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DETTINGEN Die Helfershelfer des 36-Jährigen aus Lenningen, zwei Italiener aus Köngen und Nürtingen müssen ebenfalls jeweils viereinhalb Jahre hinter Gitter. Der vierte Angeklagte, ein Grieche, kam wegen Brandstiftung und mehrfachen Diebstahls mit drei Jahren Haft glimpflicher davon.

In dem Fall ging es um eine gepachtete Halle in Dettingen. Dort, so die Feststellungen der Fünften Großen Strafkammer des Landgerichts Stuttgart, hatte der Hauptbeschuldigte und "Tatinitiator" eine Art "Verein kultureller Begegnungsstätte" ins Leben rufen wollen, bekam aber keine Schankerlaubnis. Der Verein begann dennoch seine Arbeit, die Einnahmen jedoch deckten in keinem Fall die Aufwendungen.

Dann sei auf einmal die Idee geboren gewesen: Mitte 2004, als bereits Mietrückstände bei der Halle bestanden, hätten die Angeklagten gemeinsam den Entschluss gefasst, die Halle samt Inventar "warm abzubrechen". Sie schlossen einen Versicherungsvertrag ab und zwar Mitte Juli, der das Inventar in Höhe von 165 000 Euro abdecken sollte.

Was der Versicherung verschwiegen wurde, war der Umstand, dass man vor dem Brand das Inventar ausgelagert hatte. In der Nacht zum 18. August vergangenen Jahres brannte die Halle nieder. Die von dem Hauptangeklagten angestifteten Helfer hatten große Mengen Benzin in dem Gebäude verteilt und dann mit einem kleinen Kanister Benzin als eine so genannte "Brandspur" nach draußen gelegt, durch ein offenstehendes Tor.

Von hier aus wurde dann das Feuer gelegt, wobei nach den Ausführungen eines Brandsachverständigen eine sehr große Gefahr einer Explosion im Halleninnern bestand. In solch einem Fall "wären die Brandstifter durch den Druck nach außen durch die Luft geflogen". Doch dazu kam es nicht. Dafür brannte die Halle, die teilweise aus Holz und mit Blechwänden bestand, nieder. Die Feuerwehr konnte nur noch dafür sorgen, dass ein benachbartes Autohaus nicht von den Flammen erfasst wurde. Und die Versicherung weigerte sich aus naheliegenden Gründen natürlich, den Inventarschaden zu begleichen. Lediglich die Hallenbesitzerin und Vermieterin erhielt von ihrer Versicherung den Gebäudeschaden ersetzt.

Vorzeitiges EndeDrei der vier Angeklagten hatten bereits am ersten Verhandlungstag den Vorgang nicht bestritten, gaben aber sonst keinerlei Auskünfte über Einzelheiten. Lediglich einer bezeichnete sich als "unschuldig", änderte diese Meinung jetzt aber, nachdem das Gericht sie nochmals erneut über mögliche Strafrabatte aufklärte. Damit war dann ein vorzeitiges Ende des Verfahrens per Urteil möglich. Ansonsten hätte die Stuttgarter Strafkammer viele Wochen lang verhandeln müssen und es hätte die Notwendigkeit bestanden, zahlreiche Zeugen und Gutachter einzuschalten.

Die verhängten viereinhalb Jahre Haft gegen den 36-jährigen Hauptangeklagten beinhalten noch eine frühere Verurteilung des Amtsgerichts Kirchheim. Ebenso wurde auch bei dem 27-Jährigen einem Italiener aus Köngen ein früheres Urteil mit in die jetzt ausgesprochenen vier Jahre, fünf Monate und zwei Wochen Haft einbezogen. Dessen 36-jähriger Bruder, der ebenfalls an der Brandlegung beteiligt war, muss gleichfalls viereinhalb Jahre hinter Gitter.

Der Letzte im Bunde, ein 31-jähriger Nürtinger, war neben seiner Brandlegungs-Beteiligung als Schmiere-Steher noch wegen mehrerer Einbruchdiebstähle in der Zeit zwischen April und Juni 2003 schuldig gesprochen worden. Unter anderem hatte er beim Einbruch in ein Sportgeschäft in Kirchheim Fahrräder im Gesamtwert von 4 900 Euro erbeutet. Nach seinem letzten Einbruch am 1. März dieses Jahres in einer Nürtinger Boutique, bei der er Beute von knapp 5 000 Euro machte, wurde er festgenommen.

Dabei legte der 31-Jährige ein umfassendes Geständnis auch hinsichtlich der Brandstiftung in Dettingen ab und kam daher mir drei Jahren Haft relativ milde aus der Sache heraus. Schließlich hätte man diesen "Warmen Abbruch" wahrscheinlich bis heute nicht aufklären können, so der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung gestern.