Lokales

Gepflügt mit Kühen und Motorrad

Karl Kapp aus Nabern feiert morgen seinen 90. Geburtstag

Kirchheim. Am morgigen Donnerstag feiert Karl Kapp in Nabern seinen 90. Geburtstag. Fast das gesamte Leben hat er in seinem Heimatort verbracht: „Außer in der Kriegszeit bin

Andreas Volz

ich immer in Nabern gewesen“, erzählt der rüstige Jubilar. Ausgerechnet sein Geburtstag hatte damals dafür gesorgt, dass er ein Jahr früher einrücken musste als seine Freunde, die nur wenige Tage jünger waren. Geboren am 30. Dezember – als ältestes von vier Kindern –, gehörte er gerade noch zum Jahrgang 1920. Den Stellungsbefehl erhielt er am 3. Oktober 1940, als er noch keine 20 Jahre alt war.

Dass er den Krieg überlebt hat, im Gegensatz zu einem seiner Brüder, ist für Karl Kapp heute noch „ein kleines Wunder“. Kurz vor seinem 24. Geburtstag, am 20. Dezember 1944, war er nämlich in der Eifel unter Beschuss geraten. Den anderen vier Soldaten im Auto ist nicht viel passiert, Karl Kapp dagegen, der am Steuer saß, wurde schwer verwundet. Nur seinem eigenen energischen Eingreifen

hat er es zu verdanken, dass ihm damals im Lazarett nicht die Finger amputiert wurden. Ein Arzt hat nach seinem erfolgreichen Protest die Kollegen angewiesen: „Lasst die Finger dran. Mit seinen übrigen Verletzungen bleibt der sowieso mindes­tens ein halbes Jahr im Lazarett.“

Natürlich wollte der junge Soldat seiner Verlobten in Schopfloch einen Weihnachtsgruß zukommen lassen. Das ist ihm auch gelungen, mit freundlicher Unterstützung einer Rot-Kreuz-Schwester. Allerdings fiel die Nachricht für seine Marie nicht ganz so erfreulich weihnachtlich aus, wie sie es erwartet hätte. Bis zum 19. April 1945 lag Karl Kapp im Lazarett in Miltenberg am Main. Dann wurde allen Kranken und Verwundeten freigestellt, nach Hause zu gehen, um sich dort im „Heimlazarett“ wieder zu melden. Karl Kapp schlug sich über Nürnberg und Cannstatt nach Nabern durch.

Der Krieg war für ihn zwar zu Ende. Aber der Neuanfang war alles andere als einfach. Lange Zeit musste er ganz besonders auf der Hut sein, um nicht nachträglich noch in Kriegsgefangenschaft zu geraten. Nach Schopfloch beispielsweise traute er sich nicht. „Ich wollte nichts riskieren“, sagt er rückblickend. Da musste dann jedes Mal seine Marie den Weg auf sich nehmen und ihn in Nabern besuchen, wenn sich die beiden sehen wollten. Kennengelernt hatten sie sich noch vor dem Krieg, über die Landjugend und die jährlichen Berufswettkämpfe. „Zwei Mal war ich in meiner Berufsgruppe Kreissieger“, erinnert sich Karl Kapp mit Stolz.

Nach der Hochzeit im Jahr 1948 hat er übrigens noch einen weiteren Erfolg errungen: Mit der Kuh „Bärbel“, die seine Frau in die Ehe eingebracht hatte, bekam er einen Staatspreis. Verewigt sind die beiden – also Karl Kapp und seine Kuh – auf einem Foto im Heimatbuch des Kreises Nürtingen. Die Landwirtschaft hat Karl Kapp nach dem Krieg aber nur noch nebenher „umgetrieben“. Vor allem war seine Frau Marie im Stall und auf den Feldern tätig. „Die Landwirtschaft war meine Arbeit“, erzählt sie, „er hat dabei halt fuhrwerken müssen.“ Zum Geldverdienen war Karl Kapp in den unterschiedlichsten Firmen in Nabern und Kirchheim tätig. Noch ein Jahr vor dem Ruhestand musste er sich eine neue Arbeitsstelle suchen, und dort wollten sie ihn als guten Arbeiter sogar noch länger behalten.

Was Karl Kapp für besonders erwähnenswert hält, das ist der Wandel in der Landwirtschaft: „Wie primitiv wir damals gearbeitet haben. Wir haben mit der Sense gemäht und keinerlei Maschinen gehabt.“ Beim Pflügen seien damals Milchkühe eingespannt worden. „Man hat keine anderen Zugmittel gehabt. Die erste Maschine, die wir hatten, war eine gemeinsame Sämaschine, die wir mit vier oder fünf anderen gekauft haben.“ Nach dem Krieg hat Karl Kapp auch einmal an einem Motorrad gebastelt und einen Pflug daran befes­tigt: „Man hat halt alles probiert, was irgendwie ging.“

Handarbeit war indessen nicht nur in der Landwirtschaft angesagt. Als Karl Kapp in den 50er-Jahren sein Haus in der Gartenstraße baute, in dem er heute noch wohnt, da musste er die Baugrube noch von Hand ausheben. Und bis heute braucht er etwas zu tun. Den Holzofen zu schüren, das ist seine Arbeit. Und Äpfel aufklauben oder „radoa“, das macht er auch im hohen Alter noch gemeinsam mit seiner Frau Marie. Andere jahrelange Beschäftigungen hat Karl Kapp inzwischen aufgegeben: So war er lange Zeit Gemeinderat in Nabern und Aufsichtsratsvorsitzender der Raiffeisenbank. Im Gesangverein, dessen Gründungsmitglied er ist, und im Kirchenchor hat er über viele Jahre hinweg gesungen.

Wenn seine Nachkommen das musikalische Talent geerbt haben, dann wird auch morgen kräftig gesungen: Gefeiert wird mit 22 Personen, darunter drei Kinder, acht Enkel und drei Urenkel.

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