Lokales

Geplante Umsetzung im Landkreis

Über 50 Vertreterinnen und Vertreter aus der Sozialpsychiatrie, der Behindertenhilfe und der Angehörigen kamen kürzlich zu einem Informationsaustausch zum persönlichen Budget in die Nürtinger Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie.

NÜRTINGEN Menschen mit seelischen, geistigen oder körperlichen Behinderungen haben ab dem 1. Januar 2008 einen Rechtsanspruch auf Leistungen zum persönlichen Budget. Darauf wies Sozialdezernent Dieter Krug in seiner Begrüßung zur Veranstaltung der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft im Landkreis Esslingen hin.

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Schritte zur Selbstständigkeit und die verantwortliche Gestaltung der eigenen Lebensbedingungen sind wesentliche Bausteine der gesellschaftlichen Teilhabe von Menschen mit Behinderungen. Dem Trend zur Stärkung einer gemeindenahen ambulanten Versorgung folgt der Gesetzgeber mit der Einführung des persönlichen Budgets.

Gastreferentin Dr. Heidrun Metzler von der Universität Tübingen schilderte die Grundlagen und Erfahrungen mit den Modellprojekten zum persönlichen Budget auf Bundes- und Landesebene. Nach Angaben von Dr. Metzler sind in den Modellregionen auf Bundesebene Erfahrungen mit über 500 bewilligten Budgets vorhanden. So handelt es sich im Gegensatz zu der bisher gewährten Sachleistung um eine Geldleistung, die nach dem individuellen Bedarf bemessen wird und auch trägerübergreifend als Komplexleistung, also beispielsweise aus einer Kombination von Leistungen des Sozialhilfeträgers, der Pflegeversicherung oder des Integrationsamtes in Anspruch genommen werden kann. Ein monatliches Gesamtbudget wird festgelegt, dieses kann in der Höhe variieren und beträgt durchschnittlich etwa 600 Euro.

Sieben Schritte seien, so Dr. Metzler, von der Antragstellung über die Bedarfsfeststellung bis zur Auszahlung eines Budgets an den sogenannten Budgetnehmer erforderlich. Der Abschluss einer Zielvereinbarung zwischen dem Antragsteller und dem Leistungsträger ist dabei der zentrale Bestandteil im Verfahren. Mit den finanziellen Mitteln an der Hand können Menschen mit Behinderung auch selbst für weitere, bedarfsgerechte Unterstützung im Alltag sorgen.

"Suche eine Dame oder einen Herren ab sofort für die Begleitung zu Behörden, Ärzten, für Hilfen in der Alltagsbewältigung, im Haushalt und bei der Korrespondenz, habe eine seelische Behinderung, Kenntnisse im sozialen Beruf wären vorteilhaft...", so ähnlich könnte eine Anzeige lauten, in der ein Budgetnehmer zum Auftraggeber wird.

Im zweiten Teil der Veranstaltung ging Andrea Leuthe vom Sachgebiet Eingliederungshilfe des Landratsamtes Esslingen auf die konkrete Umsetzung im Landkreis Esslingen ein. Bereits im Vorfeld des gesetzlichen Rechtsanspruches erhalten im Landkreis derzeit sechs Personen Leistungen über das persönliche Budget. Voraussetzung für die Gewährung durch den Sozialhilfeträger ist aber eine wesentliche Behinderung und eine Bedürftigkeit, die Hilfen nicht aus eigenen finanziellen Mitteln bestreiten zu können. Andrea Leuthe wies in ihrem Vortrag auf die Erarbeitung einer Hilfeplanung, das Wunsch- und Wahlrecht und die Stärkung der Eigenverantwortung für die Betroffenen hin.

Beide Referentinnen betonten auch in Bezug auf die Modellauswertungen, dass sich für eine deutlich überwiegende Zahl der Menschen mit Behinderungen durch das persönliche Budget eine positiv wahrnehmbare Veränderung in ihrem Leben ergab.

Nach der Diskussion der Beiträge und dem Wunsch der Stärkung von trägerübergreifenden Budgets ermunterte Sozialdezernent Dieter Krug abschließend, die Möglichkeit des persönlichen Budgets verstärkt zu nutzen, wenn dieses entscheidend zur Verbesserung der persönlichen Lebensführung und der Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beiträgt.

pm

INFOSWeitere Informationen: www.budget-tour.de; Ansprechperson für die Antragsbearbeitung im Landratsamt Esslingen: Andrea Leuthe, telefonisch montags und dienstags 07 11/39 02-2901 oder E-Mail leuthe.andrea@landkreis-esslingen.de; grundsätzliche Fragen: Michael Köber, Behindertenhilfe- und Psychiatrieplaner, Telefon 07 11/39 02-26 34 oder E-Mail koeber.michael@landkreis-esslingen.de.