Lokales

Gerechte Teilhabe

"Gerechte Teilhabe" So ist die kürzlich erschienene Denkschrift des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland zum Thema "Armut in unserem Land" überschrieben. Man findet in ihr wichtige Gesichtspunkte für die in diesen Tagen vehement geführte politische Debatte über eine "neue Unterschicht" und die Ursachen der wachsenden Armut in Deutschland. Und sie verweist Christen mit Nachdruck an den Platz an der Seite der von Armut Betroffenen und Bedrohten.

Dieser Auftrag muss sich im praktischen Handeln bewähren. Die sich immer mehr öffnende Schere zwischen Gewinnern und Verlierern verlangt, politisch und ethisch für eine gerechtere Verteilung der Güter einzutreten. Doch reicht es nicht, wenn wir uns dafür stark machen, dass Menschen in materieller Hinsicht so gestellt werden, dass ihnen ein Leben in Würde ermöglicht wird.

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Armut bedeutet oft auch mangelnde Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, Ausgrenzung, Entmündigung und Entrechtung. Es ist ein Skandal, wie unsozial unser Bildungssystem ist, das die Kinder aus sozial schwachen Familien und die Migrantenkinder benachteiligt. Kein Wunder, dass sich Armut ver-erbt!

Doch welche Lösungsansätze lassen sich für diese komplizierte Gemengelage finden? Für Jesus ist die Barmherzigkeit die höchste Form der Gerechtigkeit. Aus der Option für die Armen muss eine Optik für die Armen entstehen.

Die Ausgrenzung der Ärmeren kann gemindert werden, indem man sich auf Augenhöhe begegnet. Sie darf den Hilfebedürftigen nicht abwerten, sondern sollte seine immer vorhandenen Eigenkräfte stärken. Mich beeindruckt besonders die Spontaneität, die Fähigkeit zu überleben, sich durch all die Widrigkeiten nicht unterkriegen zu lassen, der Humor und die durchaus lustbetonten Gemeinschaftsformen der Ärmeren.

"Herz und Mund und Tat und Leben muss von Christo Zeugnis geben", hat Johann Sebastian Bach seine 147. Kantate überschrieben. Jesus gehört keinem von uns allein, der Glaube an ihn stellt uns in die Gemeinschaft mit anderen. Christus steht uns verlässlich zur Seite das öffnet uns Herz und Mund zum Gotteslob; zugleich wird unser Blick geschärft für die, die mit uns unterwegs sind.

So ist alles zu tun, damit jeder und jede mit ihren und seinen Ga-ben und Fähigkeiten in der Gesellschaft Anerkennung findet und zur eigenen Versorgung sowie zum Wohl aller das ihm und ihr Mögliche beitragen kann.

Margret Oberle,

Pfarrerin in Lenningen-Brucken und

Diakoniepfarrerin im Kirchenbezirk