Lokales

Gerechtigkeit zwischen den Generationen

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, einmal im Jahr steht die Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden groß in der Öffentlichkeit, dann wenn sie das Wort des Jahres aus tausenden von Vorschlägen kürt. Nach der "Fanmeile" im letzten Jahr ist 2007 ein weit weniger heiterer Begriff aufs Treppchen gekommen: die "Klimakatastrophe".

Nachdem der Weltklimarat IPPC im Frühjahr seinen neuesten Bericht über den menschengemachten Wandel des Klimas herausgegeben hatte, hat uns das Thema in diesem Jahr nicht mehr losgelassen. Die Botschaft war unmissverständlich: Der Klimawandel schreitet schneller voran als es bislang angenommen wurde. Gletscher gehen zurück, das Eis der Arktis schmilzt in dramatischem Tempo und auch in Deutschland haben wir mit der Dürre im April einen Vorgeschmack dessen bekommen, was Wissenschaftler für die Zukunft erwarten, wenn wir nicht handeln. Zeit zum Handeln bleibt, sagen die Klima-Experten. Zeit verstreichen lassen dürfen wir nicht mehr.

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Was ist zu tun? Die Welt steht vor einem globalen Problem. Die Ursachen haben vor allem die Industrienationen zu verantworten, sie produzieren mit Abstand die größte Menge an Treibhausgasen. Die Folgen tragen die Industrienationen dagegen nicht in gleicher Weise, mitunter trifft es die Entwicklungsländer, die weit weniger zum Klimawandel beitragen, viel härter. Den reichen Ländern erwächst dadurch und nicht nur weil die westliche Lebensweise das Klima verändert und die armen Ländern diesen Lebensstil zum Vorbild machen, eine ganz besondere Verantwortung.

Der Klimawandel stellt die globale Gerechtigkeitsfrage Gerechtigkeit zwischen den Generationen von heute und den kommenden, Gerechtigkeit zwischen arm und reich. Jetzt vor dem Hintergrund des Klimawandels den wachsenden Energiehunger von Ländern wie China oder Indien, die schon bald zu den größten Treibhausemittenten aufsteigen könnten, zu kritisieren, wäre der falsche Weg. Gerade weil wir hier in Deutschland nicht das Weltklima retten können, müssen wir aber diesen Ländern vormachen, wie man Wohlstand und Klimaschutz vereinen kann.

Wir müssen technologische Vorreiter werden, schon aus wirtschaftlichen Interessen für unseren Standort. Wir müssen es aber auch werden, um moderne Umweltschutztechnologie den Entwicklungsländern zur Verfügung stellen zu können. Wohlstand für alle ja, aber nicht mit der Technik von gestern. Für eine solche Entwicklung, für einen erfolgreichen Technologietransfer brauchen wir stabile Verhältnisse in den Ländern. Die Klimafrage ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern auch eine Frage der Sicherheit in der Welt. Wir können den Entwicklungsländern nur zu mehr Wohlstand und nachhaltigem Wirtschaften verhelfen, wenn wir für mehr Frieden und Sicherheit in der Welt sorgen. Länder, die von Krieg und Krisen betroffen sind, werden wir nicht dafür gewinnen können, auf das Weltklima zu achten.

Gleichsam lässt die Verknappung der Rohstoffe die Gefahr von Krisen und gewaltsamen Auseinandersetzungen weltweit wachsen. Die Klimakatastrophe, das Wort des Jahres 2007, ist ein markiger Begriff. Einer Katastrophe sehen wir aber nur dann entgegen, wenn die Länder der Erde nicht zueinander finden. Erst vor wenigen Tagen auf der Klimakonferenz in Bali haben die Staaten aber bewiesen, dass sie die gemeinsame Verantwortung sehen und handeln wollen. Der Erfolg auf Bali ist sicher nur ein kleiner Schritt und keineswegs ausreichend. Er ist eine Absichtserklärung der letztlich auch nur dann zu messbaren Ergebnissen führen wird, wenn eine neue US-Regierung ihren Beitrag dazu leistet.

Der Erfolg macht aber Mut und lässt mich zuversichtlicher in das nächste Jahr blicken. Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie einen guten Start ins neue Jahr und viel Glück, Gesundheit sowie Zufriedenheit für 2008.Ihr Rainer Arnold