Lokales

Gericht: Beil ohne Tötungsabsicht eingesetzt

Im Prozess gegen einen Mann aus Lenningen, der seine Freundin mit einem Beil attackiert und verletzt hat, hat das Stuttgarter Landgericht jetzt das Urteil gefällt. Statt Totschlagversuch nahmen die Richter nur vollendete gefährliche Körperverletzung, Beleidigung und Widerstand gegen Polizeibeamte an und schickten den 22-Jährigen gut drei Jahre hinter Gitter.

BERND WINCKLER

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LENNINGEN / STUTTGART Die Nacht auf den 24. Juli 2007 wird die damalige Lebensgefährtin des 22-jährigen Lackierers aus Lenningen nicht vergessen. Im Streit um Kleinigkeiten war sie laut Stuttgarter Schwurgerichtskammer nach einer Sonnwendfeier in Erkenbrechtsweiler in der gemeinsamen Wohnung auf wüste Weise misshandelt worden.

Als sich die Frau schließlich in die Toilette rettete und sich dort einschloss, um vor weiteren Schlägen des Angeklagten Schutz zu suchen, hatte dieser kurzerhand mit dem Beil die Toilettentüre geöffnet und weiter auf sie eingeschlagen. Dabei, so das Gericht gestern in der Urteilsverkündung, verwendete er auch das Beil, allerdings mit der stumpfen Seite, und schlug damit mehrmals in Richtung Kopf der jungen Frau.

Obwohl sie dabei erheblich verletzt wurde und ärztliche Hilfe benötigte, gehen die Richter nach insgesamt drei Prozesstagen davon aus, dass der Angeklagte diese Beilhiebe nicht in billigender Tötungsabsicht verabreichte. Sie rückten daher vom Vorwurf des versuchten Totschlags ab. Um nämlich diesen Tatbestand zu erfüllen, so die richterlichen Ausführungen in der Urteilsbegründung, hätte er viel wuchtiger zuschlagen müssen. Davon war allerdings noch der Staatsanwalt in seinem Plädoyer ausgegangen und hatte gegen den 22-Jährigen wegen Tötungsversuch eine Strafe von vier Jahren und acht Monaten beantragt.

Geblieben war nach Auffassung des Schwurgerichts eine gefährliche Körperverletzung, die allerdings mit der empfindlichen Freiheitsstrafe von drei Jahren und zwei Monaten gesühnt wurde, obwohl der Angeklagte im ganzen Prozess beteuerte, er habe mit dem Beil überhaupt nicht zugeschlagen. Er hätte der Frau lediglich mit den Händen auf den Kopf geschlagen, weil sie ihn beleidigt und auch misshandelt habe. Diese Version nahmen ihm die Juristen jedoch nicht ab. Noch während der Beil-Attacke war der Mann von einem Freund, der sich zu dieser Zeit ebenfalls in der Wohnung des Paares aufgehalten hatte, von der Verletzten weggezogen und bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten worden.

Mit in den Urteilsspruch zogen die Richter das sogenannte Nachtatverhalten des angeklagten Lenningers ein. Bei der Festnahme hatte er sich so heftig gegen die Polizeibeamten gesträubt, dass eine Beamtin dabei verletzt wurde. Er beleidigte die Ordnungshüter schwer und setzte diese Beleidigungen auch noch im Revier Nürtingen fort. Dabei verletzte er hier einen Polizisten am Arm erheblich und drohte ihm, er werde dessen Tochter umbringen. Dies rangierte im Urteil als mehrfache Beleidigung und Widerstand gegen Vollstreckungsorgane.

Bei der Urteilsfindung berücksichtigte das Gericht auch die aktenkundigen sieben Vorstrafen, einige davon einschlägig.