Lokales

Gerwin Harand bleibt an der Spitze

Es gibt keinen Grund, das beste und dazu fast jüngste Pferd im Stall zu wechseln. Das dachte sich auch die Hauptversammlung der Kirchheimer Arbeiterwohlfahrt (AWO) und bestätigte ihren langjährigen Vorsitzenden Gerwin Harand (55) einstimmig in seinem Amt. Der alte und neue AWO-Chef konnte in seinem Rechenschaftsbericht auf ein Jahr mit vielen Aktivitäten zurückblicken.

KIRCHHEIM Trotz eines eher älteren Publikums waren die eingesetzten Medien durchaus modern. So vermittelte Gerwin Harand den gut 50 anwesenden Mitgliedern und Gästen mit einer Computerpräsentation die neuesten Zahlen zur Entwicklung der Mitglieder und der Finanzen. Eingeblendete Schnappschüsse riefen die gut besuchten, in bewährter Manier von Helga Mix organisierten Seniorenausflüge in Erinnerung. "An neun Ausfahrten mit Kultur und Unterhaltung nahmen insgesamt 330 Leute teil", resümierte Harand und bekannte sich augenzwinkernd zu sorgfältigster Planung: "Selbst die Speisekarten haben wir vorher ausprobiert."

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Bei den so genannten "Mutter-Kind-Kuren", welche die AWO für Familien in Notsituationen anbietet, beklagte Harand einen zu hohen bürokratischen Aufwand: "Wir haben leider wenig Plätze, aber sehr viele Anfragen und noch mehr Papierkrieg mit den Krankenkassen." Als Lichtblick auch im vergangenen Jahr wertete Harand die von Seyhun Taskesen und Gundhard Racki durchgeführte Sozialberatung für ausländische, vor allem türkische Mitbürger. Das Angebot werde zwar zu 90 Prozent von der Stadt finanziert, wofür sich der AWO-Chef ausdrücklich bedankte, bedeute indes auch für die Kommune unter dem Strich eine Entlastung. "Wir haben im Jahr 2004 an 49 Nachmittagen rund 380 Einzelberatungen in Rechtsfragen und bei Antragstellungen durchgeführt und dabei Service auch während der Ferien angeboten", verkündete Harand nicht ohne Stolz.

Finanzreferentin Heiderose Benk würdigte ein gutes Kassenjahr, in dem man "sehr gut über die Runden" gekommen sei und sogar Rücklagen gebildet habe. Revisor Dr. Rolf Röhm bescheinigte dem AWO-Vorstand denn auch eine "ordnungsgemäße Wirtschaftsführung im Ehrenamt" und hatte die Lacher gleich auf seiner Seite: "Selbst kleine Unterschlagungen habe ich nicht gefunden." So stand der Entlastung des Führungsgremiums nichts im Wege.

Wie ältere Menschen bei Krankheit und Pflegebedürftigkeit Vorsorge für ein selbst bestimmtes Leben treffen können, stand im Mittelpunkt eines Vortrags von Elisabeth Einselen von der Esslinger Initiative. "Die einzig gesicherte Zahl ist, dass wir alle zu einhundert Prozent sterben müssen", machte die frühere Richterin scherzend Lust auf das Thema "Patientenverfügung und Gesundheitsvollmacht". Einselen empfahl dringend, bereits in gesunden Tagen Vorsorge zu treffen. "Wenn die Geschäfts- und Zustimmungsfähigkeit eingeschränkt ist, hilft nur eine Vollmacht für einen Betreuer", appellierte die Expertin und warnte vor dem folgenschweren Irrtum, dass Selbstbestimmungsrechte automatisch an den Partner oder an die eigenen Kinder fielen. Patientenverfügungen bewegten sich manchmal auf einem schmalen Grat, so Einselen, "denn es ist natürlich unzulässig, die eigene Tötung zu verlangen, aber nur Dahinvegetieren muss niemand zulassen." In der regen Diskussion konnte Elisabeth Einselen viele Einzelfragen klären. Unterstützt wurde sie dabei von Friedgard Wunsch vom Kirchheimer Bürgerbüro und dem Facharzt Dr. Walter Parth.

Zuvor gingen die Neuwahlen in fast beängstigender Harmonie über die Bühne. Alle Bewerber wurden einstimmig in ihre neuen Funktionen gewählt. Helga Mix bleibt 2. Vorsitzende der AWO und Heiderose Benk führt weiter die Kasse. Hildegart Göhrt erhielt erneut das Vertrauen als Schriftführerin. Dem Ausschuss der AWO gehören ferner an: Hildegart Babinger, Elmar Brummer, Wilhelm Schmidt, Monika Seel, Pauline Wagner und Gundhard Racki.

Zwei Mitglieder wurden schließlich für ihre langjährige Zugehörigkeit zur AWO geehrt. Die Urkunde für zehnjährige Mitgliedschaft konnte Karin Thiel in Empfang nehmen. Jürgen Becker bekam den Dank für 25 Jahre Mitgliedschaft in der AWO.

mm