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"Gesamtgesellschaftliche Aufgabe"

Die Gemeinde Lenningen beteiligt sich begrenzt auf die beiden kommenden Jahre an der Finanzierung der Schuldnerberatungsstelle für die Raumschaft Kirchheim. Dies beschloss der Gemeinderat während seiner jüngsten Sitzung.

IRIS HÄFNER

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LENNINGEN "Mir war nicht wohl, ein neues Zuschussfass aufzumachen, doch wir Bürgermeister in der Raumschaft waren uns einig, dass sich die Umliegergemeinden zwingend an der Finanzierung der Schuldnerberatungsstelle beteiligen sollten, damit dieses Angebot aufrechterhalten werden kann", warb Lenningens Bürgermeister Schlecht für den Beschluss. Diese Stelle gibt es in Kirchheim, ein Drittel der Rat Suchenden kommt aus dem Umland. Zurzeit stehen elf Lenninger auf der Liste, die Hilfe bei der Bewältigung ihrer Schulden benötigen. Immer mehr Menschen, die noch nie staatliche Unterstützung beansprucht haben, geraten beispielsweise durch Arbeitslosigkeit oder Scheidung in die Schuldenfalle.

Träger der Schuldnerberatung in der Raumschaft mit 1,5 Stellen sind die Stadt Kirchheim, der Landkreis und der Kreisdiakonieverband. Der Kirchheimer Gemeinderat hat beschlossen, nur noch eine Stelle zu finanzieren. "Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, dieses Angebot mit eineinhalb Stellen aufrechtzuerhalten. Es ist wichtig, die Betroffenen wieder integrieren zu können, denn über die Sozialhilfe müssten wir das doppelt und dreifach bezahlen", erklärte Michael Schlecht.

Der Anteil der Umlandgemeinden beträgt jährlich rund 5500 Euro, Lenningen müsste anteilig an den Einwohnern rund 1100 Euro überweisen. Die Umlandgemeinden fordern allerdings, dass Landkreis, die Großen Kreisstädte und die Kommunen eine neue Vereinbarung über die Schuldnerberatungsstellen treffen müssen. Deshalb ist die Finanzierung für die Jahre 2007 und 2008 begrenzt.

"Es ist unser eigener Nutzen, wenn wir die Beratungsstelle unterstützen. Viele Leute sind überfordert, weil sie vieles haben wollen, was ihnen die Werbung vorführt", sagte Inge Kodera. Auch für Wolfgang Tröscher ist es eine sinnvolle Stelle: "Das ist gut angelegtes Geld und ein kleiner Betrag verglichen damit, was an Sozialhilfe zu bezahlen wäre. Wenn nur einer pro Jahr aus der Schuldenfalle kommt, hat es sich ausbezahlt." Georg Zwingmann machte ebenfalls eine Rechnung auf: "Bei elf Rat Suchenden aus Lenningen müssten wir gerade mal 100 Euro zuschießen da ist alles gesagt." Karl Sigel ging sogar noch einen Schritt weiter. "Eineinhalb Stellen sind zu gering. Der Trend zeigt klar, dass immer mehr Menschen davon betroffen sind", sagte er.

Einstimmig sprach sich der Lenninger Gemeinderat dafür aus, die Arbeit der Schuldnerberatungsstellen für die Raumschaft Kirchheim mit einem Personalkostenzuschuss in Höhe rund 1100 Euro für die beiden kommenden Jahre zu unterstützen.

Bei seiner Internet-Recherche zum Thema Schuldnerberatung ist Michael Schlecht auf eine interessante Seite gestoßen. Der Sparkassen- und Giroverband Rheinland-Pfalz hat eine Million Euro zur finanziellen Unterstützung der Schuldnerberatungsstellen zur Verfügung gestellt. "Ist das, um das schlechte Gewissen zu beruhigen", konnte er sich nicht verkneifen zu fragen. Der Schultes versprach, diesbezüglich bei den Kreditinstituten nachzufassen.