Lokales

Geschenkte Zeit als nicht hoch genug einzuschätzender Faktor

KIRCHHEIM In ihrer Beweglichkeit eingeschränkten Menschen zu helfen, das ist für Maya Knauß eine Selbstverständlichkeit. Die 68-jährige Kirchheimerin hat aber auch oft

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BARBARA IBSCH

genug erstaunt erlebt, "wie viele mit dem Thema nicht umgehen können". Etwas Gutes zu tun und "nicht alles unter dem finanziellen Faktor zu sehen", ist für Margret Zander ein besonderes Anliegen. Ihre freie Zeit widmet die 56-jährige Berufstätige daher dem Einsatz bei buefet, zu deren Ehrenamtlichen auch Maya Knauß gehört. Beide Frauen bringen Kontinuität und Freude in das Leben anderer, die Hilfe brauchen beziehungsweise sich auf diesen Abschnitt vorbereiten.

Es ist ein Netzwerk, das dazu geknüpft ist, mit Betreutem Wohnen

O:STERN.TI_möglichst viele aufzufangen, die ein selbstbestimmtes Leben im Alter anstreben. Und das sind bekanntlich viele. Um sinnvoll eingreifen zu können, brauchen die Helfenden selbst Unterstützung. Die 28. Weihnachtsaktion des Teckboten verspricht diese Hilfestellung gleich drei Vereinen im Verbreitungsgebiet: dem "Lenninger Netz", dem Verein "Soziales Netz Raum Weilheim" und "buefet" in Kirchheim, hinter dessen Kürzel Beratung und Experteninformation für eine selbstständige Lebensführung steht. In allen drei Vereinen gehören Ehrenamtliche zu den verlässlichen Stützen dieser wichtigen Arbeit. Maya Knauß und Margret Zander sind nur zwei davon, stehen aber ebenso wie buefet exemplarisch für den so dringend benötigten Einsatz.

Es ist die Kombination von Haupt- und Ehrenamt, die professionelle Kompetenz mit dem Faktor geschenkte Zeit verbindet. Eine hauptamtliche Fachkraft organisiert und koordiniert übergreifend, der ehrenamtlich tätige Besuchsdienst sorgt für den engen Kontakt, stellt die persönliche Beziehung in den Mittelpunkt. Beides mündet in menschliche Zuwendung, schafft Vertrauen.

Maya Knauß ist "so hineingewachsen". Als Masseurin und Medizinische Bademeisterin hat sie zuerst mit ihrem Vater Martin Bez und dann allein eine Sauna in Kirchheim geführt. 49 Jahre Selbstständigkeit sind daraus geworden. Danach nur noch das Notwendigste zu tun, wäre Maya Knauß nie in den Sinn gekommen, auch wenn sie nach Jahren der Pflege innerhalb der Familie es etwas geruhsamer angehen könnte. "Meine Frau hat ihr Leben lang viel zu tun gehabt, sie braucht das", lacht Ehemann Heinz Knauß und fühlt sich nicht benachteiligt, wenn der Terminkalender seiner Frau die Woche über reichlich gefüllt ist. Bis jetzt gibt es ja auch noch Platz für Gemeinsames.

Auf buefet ist Maya Knauß durch einen Artikel im Teckboten aufmerksam geworden. "Die Thematik hat mir gut gefallen, das war breit gefächert", stellt sie fest und sieht das noch immer so. Einmal von der Notwendigkeit überzeugt, ließ sie auch dann nicht locker, als der geplante Besuchsdienst zunächst etwas schleppend anlief. Heute sind die Ehrenamtlichen gut ausgelastet und könnten durchaus Verstärkung brauchen. Zum festen Bestandteil der Woche ist der Besuch bei Ursula Plischke geworden. Sie geht zwar bewundernswert mit den Folgen eines Schlaganfalls um, ist aber auf den Rollstuhl angewiesen. Das Leben dennoch zu Hause zu meistern, ist nur mit großer Willensanstrengung möglich und mit der Hilfe von buefet auch in der Person von Maya Knauß. "Jedes Mal gehen wir raus und laufen", schildert sie die Begegnung und ihr Anliegen, Ursula Plischke dabei zu unterstützen, trotz der körperlichen Behinderung zu Bewegung zu kommen. Wenn es jetzt im Winter nass und rutschig wird, muss der Ausgang leider ausfallen, aber Maya Knauß sucht bereits nach Spielen, die mit einer Hand bewerkstelligt werden können. Und zum Besuch gehört auch, den Kalender abzureißen und Ursula Plischke die Brille zu putzen. "Da wird mir bewusst, was ich alles noch kann."

Zuhören, miteinander reden und während des Besuchs sich auf den anderen einlassen, all das wird zur gegenseitigen Bereicherung. Maya Knauß zehrt selbst von der Freude, die sie anderen ins Haus bringt, so auch einer demnächst 80-jährigen Frau, deren beide Töchter wenig Zeit für die Mutter haben und die beim ersten Treffen mit der Ehrenamtlichen ihrem Glück darüber, besucht zu werden, freien Lauf gelassen hat.

Es bleibt nicht bei der einen vorgesehenen Stunde, das reicht vermutlich bei keinem Gespann aus. Auch nicht bei Margret Zander, die Ursula Ihlefeld besucht. Kennengelernt haben sie sich bei einem Besuchsdiensttreffen von buefet im Café. Der Funke zwischen ihr und der 86-Jährigen ist sofort übergesprungen und seitdem wird auch miteinander telefoniert. "Wir haben immer so viel zu erzählen", bestätigt Margret Zander das, was ihre Klientin schon Tage zuvor mit einem Augenzwinkern ausgeplaudert hatte: "Wir beide trinken Kaffee miteinander und unterhalten uns fürchterlich viel." Davon profitiert wird offensichtlich von beiden Seiten.

"Wir kommen unentgeltlich und wir kommen gern", fasst Margret Zander die Gesamtlage zusammen. Sie selbst steht noch im Berufsleben, arbeitet beim Sozialamt der Stadt Kirchheim und hat dabei mit vielen Schicksalen zu tun, die sie berühren. Sich in der gewonnenen freien Zeit davon nicht loszusagen, sondern sich auch weiter anderen zuzuwenden, ist ihr ein besonderes Anliegen. Margret Zander ist froh, in das Projekt eingestiegen zu sein: "Da kommt ganz viel zurück." Und es ist interessant, mit Zeitzeugen zu sprechen. Ebenso wichtig ist für sie, sich bei den regelmäßigen Treffen mit den anderen Ehrenamtlichen des Besuchsdienstes zwanglos austauschen zu können. Einigkeit herrscht vermutlich darin, dass es gut ist, die zu betreuenden Menschen bereits dann kennenzulernen, wenn es ihnen einigermaßen gut geht. Dann ist es möglich, Vertrauen aufzubauen und gezielt weiterhelfen zu können. Auf diese Weise wird auch gesehen, ob alles in Ordnung ist oder ob es Veränderungen gibt, die es notwendig machen, öfter nach jemandem zu schauen und mehr Hilfestellung anzubieten.

Bei Margret Zander und Maya Knauß sind die Intensität und die Freude zu spüren, mit der sie bei der guten Sache sind, die in diesem Jahr von der Weihnachtsaktion des Teckboten unterstützt wird. Es berührt, wenn Maya Knauß ihren Heimweg schildert: "Jedes Mal schicke ich ein Dank- und Bittgebet zum Himmel, dass ich auch einmal nicht allein gelassen werde."