Lokales

Geschichte des Albaufstiegs dokumentiert

Jens Glaßer hat die fast 70-jährige Geschichte des Autobahn-Albaufstiegs bei Aichelberg dokumentiert. Der Wendlinger durchstöberte dabei Archive, wälzte alte Zeitungsartikel und bereitete die Informationen für das Internet auf.

WENDLINGEN Jens Glaßer (25) liebt Autobahnen. Schon in jungen Jahren bewunderte er die Bauwerke mit ihren Brücken, Kreuzen und Tunnels. "Es ist beeindruckend, wie das alles von Menschenhand erschaffen wurde." Der gebürtige Sachse lebt seit der Wende im Ländle, erst in Weilheim und jetzt in Wendlingen. Mit zwölf Jahren radelte er oft zur großen Baustelle und beobachtete gespannt die Arbeiten am Albaufstieg.

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Der Wunsch, mehr über die Geschichte des Autobahnbaus zu erfahren, speziell über den Albaufstieg bei Aichelberg, führte Glaßer Ende der 1990er-Jahre in Zeitungsarchive. Er kopierte jeden Artikel, der ihm zwischen die Finger kam. Als Goldgriff entpuppte sich die Anfrage beim Straßenbauamt in Stuttgart, das ihm ein komplettes Paket mit Texten, Bildern, Videos und Architektenplänen über die Entstehung der A8 in die Hand drückte. Jetzt hatte Glaßer genug Material für eine Dokumentation beisammen.

Die Ergebnisse seiner Arbeit finden sich auf der Internetseite www.albaufstieg-aichelberg.de. Herausgekommen ist eine einfache, aber dafür umso übersichtlichere Seite ohne Animationen und ähnliche Spielereien. "Mir ist die Information wichtig", betont Glaßer. Der Autor spannt den Bogen vom ersten Spatenstich im Jahr 1935 bis heute.

Mit dem Bau des Aichelberg-Viadukts wurde 1936 begonnen. Im Oktober 1937 wurde die Fahrtrichtung Stuttgart-Ulm fertig gestellt, die Fahrbahn bergab folgte im Juli 1938. Kurz vor Kriegsende sprengten deutsche Truppen den Aichelberg-Viadukt und die Franzosenschlucht-Brücke. Der Wiederaufbau des Viadukts erfolgte in den Jahren 1947 bis 1951. Mit dem Wirtschaftswunder nahm der Verkehr erheblich zu, so dass bereits in den Siebzigern der Ausbau als unumgänglich erschien.

Was mit dem Bau des Abschnitts Kirchheim-Aichelberg in den Achtziger-Jahren begann, fand mit dem neuen Albaufstieg im Jahr 1990 seinen Abschluss. Der Verkehr konnte jetzt endlich von der alten auf die neue Autobahn überführt werden. Glaßer fährt gerne Auto und er schätzt die Leistungen, die für die Mobilität aufgebracht werden. Ihn fasziniert, wenn Millionen Kubikmeter Erdreich für den Bau eines Tunnels oder einer Röhre bewegt werden müssen oder wenn eine Fahrbahn mitten in den Berg zementiert wird, wie etwa am Drackensteiner Hang.

Damit ist Glaßer nicht allein: In speziellen Internet-Foren trifft er sich mit anderen Autobahnfreaks, um über das gemeinsame Hobby zu klönen. Auf seiner eigenen Website registrierte er bis jetzt 400 Besucher. "Das Feedback ist positiv", sagt er. Kürzlich erhielt Glaßer elektronische Post aus Aichelberg: Der E-Mail-Schreiber fühlte sich beim Lesen der Dokumentation an seine Kindheit erinnert, als er unter dem alten Viadukt spielte. Glaßer wünscht sich eine Zusammenarbeit mit Aichelberg und möchte seine eigene Homepage mit der Gemeinde-Website verknüpfen. "Das wäre sicher im Interesse der Gemeinde", meint der Zollbeamte im gehobenen Dienst.

nz