Lokales

Geschichte und Geschichten rund ums Harpprechthaus

Gestern feierte die Sektion Schwaben des Deutschen Alpenvereins das 75-jährige Bestehen ihres Domizils auf der Alb

Die Sektion Schwaben des Deutschen Alpenvereins hat gestern auf dem Harpprecht­haus bei Schopfloch Jubiläum gefeiert: 2010 wird das Haus 75 Jahre alt. Es ist so beliebt wie eh und je, wenn sich auch so manche Gewohnheiten der Gäste geändert haben seit 1935.

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Andreas Volz

Lenningen. Für Bergsteiger nicht ungewöhnlich war das ungünstige Wetter, und so ließen sich die vielen Gäste auch nicht davon abhalten, auf die Schopflocher Alb zu kommen. Allerdings kamen sie nicht mehr, wie einst, mit dem „Bähnle“ bis Oberlenningen und anschließend zu Fuß bis zu ihrem hochgelegenen Ziel. Sie kamen zeitgemäß mit ihren Autos und parkten möglichst direkt vor dem Harpprechthaus. An die einstige erschwerte Anreise erinnerte Dr. Wilhelm Schloz, der Vorsitzende der Sektion Schwaben, ebenso wie an den Namengeber des Hauses: Theodor Harpprecht. Dieser war nicht nur ein herausragender Alpinist, sondern auch der Mitbegründer der Sektion Schwaben im Jahre 1869. Weil er 1885 starb – also 50 Jahre vor dem Bau des nach ihm benannten Hauses –, sei jedes Jubiläumsjahr auf der Schopflocher Alb zugleich ein besonderes Erinnerungsjahr an den Namengeber, sagte Wilhelm Schloz.

Wie sich das Bergsteigen in den Alpen seit Theodor Harpprechts Zeiten geändert hat, so hat sich auch die touristische Nutzung der Alb seit 1935 geändert: Die „Altvorderen“ seien seinerzeit auf die Alb gekommen, weil sie dort ein geeignetes „Ski- und Klettergebiet“ vorfanden und eine günstige Übernachtungsmöglichkeit brauchten. Das Klettern sei vor 20 Jahren schließlich aus Gründen des Naturschutzes an vielen Felsen untersagt worden, erinnerte der Sektionsvorsitzende an heftige Auseinandersetzungen zwischen Klettersportlern und Behörden. Dabei habe sich der Alpenverein durchaus auch dem Naturschutz als einem wichtigen Ziel verschrieben. Heute sieht Wilhelm Schloz keine Probleme mehr: „Viele Felsen, um die wir heftig gekämpft haben, wären bei den jungen Kletterern mittlerweile vielleicht gar nicht mehr so beliebt und gefragt.“

Als Stellvertreter des Landrats war Matthias Berg gestern aufs Harpprechthaus gekommen. Als Kenner lobte er zunächst die erstklassige Musik der „Stuttgarter Saloniker“, bevor auch er auf die früheren Streitigkeiten zwischen Sportkletterern und Naturschutzbehörden einging. Beide Seiten hätten ihre Egoismen aufgegeben und zu einer vernünftigen Kompromisslösung gefunden. Inzwischen liege das Harpprechthaus im Biosphärengebiet, und auch dabei gehe es um ein Nebeneinander von Naturschutz, Menschen und der wirtschaftlichen Entwicklung – „in gegenseitiger Achtung“.

Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht lobte das Harpprecht-haus, weil es der Sektion und den Menschen aus der gesamten Umgebung ein Stück Heimat gebe. Das gelte auch wechselseitig für den Eigentümer und das Pächterehepaar Ei­sele. Die Sektion Schwaben des DAV unterhalte das Haus zeitgemäß, sodass es sich für die Besucher auch nach 75 Jahren jederzeit lohne, nach Schopfloch zu kommen – selbst wenn die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln und die Kosten für ein Mittagessen inzwischen teurer seien als am Eröffnungstag im Jahre 1935: Damals hatte die Anfahrt zwei Reichsmark gekostet, und das Essen war für eine Reichsmark erhältlich, wusste der Bürgermeister aus zeitgenössischen Quellen zu berichten.

Weitere Grußworte sprachen Heinz Dangel als Ehren-Gauobmann des Schwäbischen Albvereins, Dieter Porsche vom DAV-Landesverband Baden-Württemberg und Edgar Balzer von der Bergwacht, Bereitschaft Stuttgart. Die Bergwacht sei vor 73 Jahren von Mitgliedern der Sektionen Schwaben und Stuttgart gegründet worden, als Folge der zunehmenden touristischen Nutzung der Schwäbischen Alb: Je mehr Skifahrer, Wanderer und Kletterer sich dort aufhalten, desto häufiger kommen auch Notfälle vor. Für die Sektion Stuttgart des DAV erinnerte Gerhard Lorch daran, dass er seit 47 Jahren Hausverbot auf dem Harpprechthaus habe: Damals habe er mit der Jungmannschaft im Haus genächtigt, sei aber mit seiner Truppe zu spät vom Tanz zurückgekommen. Als geübte Kletterer gelangten sie zwar über ein offenes Fenster hinein, wurden aber umgehend aus dem Haus gewiesen. So informell das Hausverbot einst ausgesprochen worden war, wurde es gestern in aller Öffentlichkeit wieder aufgehoben.