Lokales

Geschichten aus dem gescheiten Kreis

Zum 40. Geburtstag des Landkreises präsentiert eine Ausstellung im Landratsamt Fakten und Beiwerk

Der Gymnasiast Heinz Eininger aus Großbettlingen protestierte 1973 mit einem Aufkleber „NT muss bleiben“ gegen den Zusammenschluss mit dem Kreis Esslingen. Das hat der Landrat Heinz Eininger gestanden, als er am Montagabend im Landratsamt die Ausstellung „40 Jahre – mehr als gescheit“ eröffnete. Ein unbescheidenes Motto zum runden Geburtstag des Landkreises, befand der Hausherr, aber gerechtfertigt.

Landrat Heinz Eininger (links) hat am Montagabend die von Kreisarchivar Manfred Waßner und Kunsthistorikerin Stefanie Schwarzenb
Landrat Heinz Eininger (links) hat am Montagabend die von Kreisarchivar Manfred Waßner und Kunsthistorikerin Stefanie Schwarzenbeck zusammengestellte Ausstellung zum 40. Geburtstag des Landkreises eröffnet.Foto: Roberto Bulgrin

Kreis Esslingen. „Wir feiern einen Landkreis, der wie kaum ein anderer bei seiner Geburtsstunde umstritten war, dem man nichts zugetraut hat“, blickte Eininger zurück. Aber die Kreisreform von 1973 habe sich bewährt. Als Ebene der Selbstverwaltung sei der Kreis „unverzichtbar“. Entscheidend sei, dass Verwaltung vom Bürger her gedacht und nie als Selbstzweck gesehen werde.

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Wie stellt man eine Verwaltungseinheit und ihre Geschichte aus? Er habe sich am Kreistag orientiert, flachste Kreisarchivar Manfred Waßner und deshalb gebe es einen Kompromiss: ein Teil Geografie, ein bisschen Verkehr, Wirtschaft, Kultur, Freizeit und eben die Menschen im Kreis. Einige Stellwände sind klaren Fakten gewidmet: dem deutlich gestiegenen Bruttosozialprodukt des Landkreises, den Ergebnissen der Kreistagswahlen, dem Berufsschulsystem, dem Gesundheitswesen. Archivar Waßner und Kunsthistorikerin Stefanie Schwarzenbeck werfen aber mit kleinen Exponaten ungewöhnliche Blicke auf den Kreis. Das sitzt ein Halsbandschnäpper in der Glasvitrine, um an die Kämpfe um den Naturschutz im Voralbgebiet zu erinnern. Kurios ist das Kfz-Kennzeichen ES – AA 6566 mit bayerischem Stempel. Ein Autofahrer hatte sein Schild unterwegs verloren und bekam unbürokratisch vom Landratsamt Augsburg ein neues. Ein bestimmtes Verkehrszeichen vermisst die Kreisverwaltung offenbar seit langem und hat es sich nun zum Geburtstag geschenkt: die Bushaltestelle „Landratsamt“. Der reale Bus hält jedoch noch am „Neckarfreibad“.

An der Haltestelle „Landratsamt“ sollte der Besucher auf jeden Fall den Hörer ergreifen, der einen Beitrag des treuesten und oft einzigen Besuchers von Kreistagsdebatten dokumentiert. Robert Bauer schildert in breitem Schwäbisch, wie er an einem Sonntag versucht hat, mit dem Bus von Reudern nach Erkenbrechtsweiler zu kommen und warum er die letzte Etappe zu Fuß gegangen ist.

An einer weiteren Station kann man Stilblüten des früheren Landrats Hans-Peter Braun abhören, beispielsweise als er das Paarungsverhalten des Raubwürgers kommentierte. Daneben hängt die alternative Kreisflagge, die Braun 1988 von der Fraktion der Grünen erhalten hatte: ein Adler brütet Müll aus.

Die Ausstellung ist bis 16. August zu sehen, auch am Freitag und Samstag, 28. und 29. Juni, wenn rund ums Landratsamt der Spezialitätenmarkt zum 40. Geburtstag abgehalten wird.