Lokales

Geschlagen, bespuckt und bedroht

Volle nervenärztliche Überwachung für einen 25-jährigen Holzmadener

Es bleibt dabei: Der 25-jährige rauschgift- und drogensüchtige Mann aus Holzmaden, der mit Fäusten wahllos andere Menschen verletzte, anspuckte und bedrohte, konnte nach den endgültigen Feststellungen des Stuttgarter Landgerichts das Unrechte dieser Taten nur eingeschränkt einsehen. Wegen Körperverletzung gab es vier Monate Bewährungshaft und volle nervenärztliche Überwachung.

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BERND WINCKLER

Stuttgart/Holzmaden. Mit dem gestern verkündeten Richterspruch beendeten die Juristen der siebten Großen Strafkammer ein Verfahren, das in Holzmaden und auch in der psychiatrischen Abteilung der Kliniken Nürtingen-Kirchheim für Aufsehen gesorgt hatte. In dem Klinikum hatte der 25-Jährige nämlich am 25. März vergangenen Jahres in einem psychischen Ausnahmezustand einem Patienten Faustschläge auf den Kopf versetzt und ihm gedroht, die Kehle durchzuschneiden. Nur durch schnelles Eingreifen des Klinikpersonals konnte der 25-Jährige schließlich aufgehalten werden.

Wochen zuvor war der Mann bereits in Holzmaden auf Passanten losgegangen, hatte auch sie mit Fäusten verletzt und schließlich einem Mann in dessen Gartengrundstück drei wuchtige Fausthiebe ins Gesicht versetzt.

Die Richter der siebten Strafkammer hatten nunmehr zu entscheiden, ob der Mann wegen seiner wahnkrankhaft bedingten psychischen Störung für die Allgemeinheit eine Gefahr darstellt und ob er deshalb in einer geschlossenen Anstalt untergebracht werden muss. Letztlich stellte das Gericht nach Anhörung eines Sachverständigen fest, dass die Gefährlichkeit zwar besteht, doch sie könne durch regelmäßiges Einnehmen gezielter Medikamente gedämpft werden. Nur wenn der 25-Jährige diese Medikamente eigenmächtig absetzt, bestünde eine Rückfallgefahr.

Da der Beschuldigte den Richtern versprach, mit der Hilfe von Ärzten und einem Bewährungshelfer die Medikamente einzunehmen, konnten die Psychiatrie-Einweisung und die verhängten vier Monate Haft jeweils zur Bewährung ausgesetzt werden. Der Vorsitzende Richter der siebten Strafkammer wollte mit dieser Entscheidung vor allem erreichen, dass der junge Mann nach Heilung seiner derzeitigen Persönlichkeitsstörung wieder in das Berufsleben einsteigen kann. Denn mit 25 Jahren sei es ein Unding, den Rest des Lebens in der Psychiatrie zu verbringen.