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"Gesellenbrief ein unschätzbares Wertpapier"

Im Rahmen einer Feierstunde fand am Freitag in der Kirchheimer Stadthalle die Lossprechung der 88 Absolventen der Prüfung zum Landmaschinenmechaniker statt. Eingeladen hatte dazu der Verband des landtechnischen Handwerks Baden-Württemberg.

HEINZ BÖHLER

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KIRCHHEIM Nach der Begrüßung der Gäste durch Landesinnungsmeister Kurt Neuscheler überbrachte Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker den Gruß der Stadt. Im Namen der Max-Eyth-Schule wünschte deren Direktor Erich Zeh den erfolgreich Geprüften einen erfolgreichen Berufs- und Lebensweg. Die Grüße der Kreishandwerkerschaft überbrachte deren Vorsitzender Manfred Scharpf.

Nicht ohne Stolz verkündete Landesinnungsmeister Kurt Neuscheler, dass man in diesem Jahr für die Festansprache den Bundesinnungsmeister Alfred van den Berg, der die weite Anreise aus Vreden in Westfalen nicht gescheut habe, um die erfolgreiche Nachwuchsarbeit der hiesigen Landtechnikfirmen zu begutachten und würdigen, gewonnen habe. Den Schluss eines von Heidrun Dolde angemessen musikalisch umrahmten festlichen Nachmittags setzte eine Ansprache des stellvertretenen Landesinnungsmeisters und Obermeisters des Innungsbezirkes Ravensburg. Lorenz Riegger.

Die Lossprechung hatte zuvor, in Vertretung von Steffen Käßbohrer, Hermann Roth vorgenommen. Unisono betonten alle Redner des Nachmittags fast beschwörend die Notwendigkeit des lebenslangen Lernens, das die Absolventen erwarte. Nur wer sich stetig weiterbilde, sei immer auf der Höhe der Zeit, deren technische Entwicklung auch im Bereich der Landtechnik mit Riesenschritten voran eile.

"Ganz kommen wir auch heute daran nicht vorbei", ließ sich Bundesinnungsmeister Alfred van den Berg auf ein offensichtlich ungeliebtes Thema ein, "denn man muss sich fragen, warum wir, zumal in der Landwirtschaft, auf der Stelle treten, während es anderwärts schon bergauf geht." Das Handwerk jedenfalls, versicherte er, leiste mehr als gefordert für die Ausbildung Jugendlicher. Umso mehr freute er sich über die stattliche Anzahl der Jung-Gesellen aus den Innungsbezirken Reutlingen, Ravensburg, Ulm, Heilbronn und Stuttgart, zu deren Lossprechung er die Festrede beisteuerte. Von 89 Prüfungsteilnehmern hat nur einer das Ziel verfehlt.

Auch wenn die Fachleute ihre Enttäuschung über einige der gezeigten Gesellenstücke ihre Enttäuschung nicht verbergen konnten (viel Schweiß, aber wenig gute Schweißarbeit sei da eingeflossen, meinte Kurt Neuscheler, sein Stellvertreter befand einige der Ausstellungsstücke ironisch als "sehenswürdig"), so waren doch 72 Arbeiten mit befriedigend und besser bewertet worden. In den theoretischen Fächern lag der Notendurchschnitt in allen Bezirken besser als die Drei. Und drei Prüflinge verließen die Kirchheimer Stadthalle gar mit einem Landesinnungspreis: Tobias Heiner aus Schwäbisch-Hall hatte im praktischen Teil der Prüfung mit 1,8 zu glänzen gewusst und Christian Vöhringer aus Hohenstein lag ihm mit 1,9 dicht auf den Fersen. Den Vogel abgeschossen hatte jedoch Christoph Merz aus Neresheim, dessen Arbeit der Prüfungskommission 91,6 Punkte oder die Note 1,4 wert war.

Auch die Abschlüsse der nicht ganz so erfolgreichen Prüflinge, meinte Kirchheims Oberbürgermeisterin, wenn sie den handwerklichen Gesellenbrief als ein unschätzbares Wertpapier bezeichnete. Damit nahm sie auch Bezug auf den Namensgeber der in Kirchheim ansässigen Berufs- und Meisterschule für Landmaschinenmechaniker, Max Eyth, dessen 100. Todestag nächstes Jahr in Kirchheim gedacht werden wird, und bezeichnet die Geschichte der Landtechnik als "Erfolgsstory". In diesem Sinne appellierte sie an den Optimismus der jungen Männer, die an diesem Nachmittag vom Lehrlings- in das Gesellendasein traten. Gejammert und geklagt werde in dieser Gesellschaft schon zu viel.

In dasselbe Horn stieß letztlich auch der Bundesinnungsmeister, der seine Ansprache mit der Prophezeiung abschloss: "Sie werden Ihren Weg machen, mit all ihren Ecken und Kanten."