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Gesicht und Innenleben des Instruments aufpoliert

KIRCHHEIM Die Kirchheimer Auferstehungskirche glich in den vergangenen beiden Wochen eher einer Werkstatt als einem Gotteshaus: Der Boden übersät mit Hobelspänen; Schraubenzieher, Bohrer, Pinsel, Hammer, Schmirgelpapier

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ANKE KIRSAMMER

und Stimmhorn liegen griffbereit neben Farben, Beize und Alkohollösungen. Nach 20 Jahren wird die Garnier-Orgel in der drei Jahrzehnte alten Kirche zum ersten Mal generalüberholt. Ausgebeint und mit unverhüllter Mechanik präsentiert sich das 1986 eingebaute Instrument. Blasebalg, Windlade und kleinste Ledermuttern sind freigelegt beziehungsweise zur Reinigung ausgebaut. Register für Register liegen die Orgelpfeifen in Kisten oder lehnen auf der Empore an der Wand. Auffallend ist die sehr dunkle Färbung der Pfeifen. "Das liegt am hohen Blei-Anteil", erklärt Restaurator Peter Meier. Nein, die gehämmerte Oberfläche sei keine optische Finesse, sondern diene der Stabilität. Der Schwiegersohn des berühmten Orgelbauers Marc Garnier erledigt zusammen mit Ehefrau Illianna Meier-Garnier und einem Angestellten den Auftrag, das Herzstück der Auferstehungskirche wieder auf Vordermann und auf Hochglanz zu bringen.

Insgesamt benötigt das Trio für die Überholung drei Wochen. Die äußerst weichen Orgelpfeifen wurden mit Druckluft vom Staub befreit, geputzt und wo nötig ausgebeult, damit Klangfarbe und Tonhöhe wieder stimmen. Auch die Tasten aus Buchsbaum beziehungsweise aus Mooreiche präsentieren sich wieder im ursprünglichen hell-dunklen Kontrast. Weil der Pfeifenstock nicht mehr zu retten war, fertigten die Restauratoren einen neuen an. Das Können eines Schreiners ist auch beim Abschleifen und Beizen des Podests gefragt. Unverkennbar hat das Schuhwerk der Organisten im Laufe von zwei Jahrzehnten seine Spuren in Form tiefer Furchen in dem weichen Holz hinterlassen.

"Die Orgel zeichnet sich durch einen kräftigen, grundtonigen Klang aus", sagt Peter Meier. Seit einem Jahr ist der Schweizer selbstständig. Der Bau einer kompletten Orgel zählt bislang zwar noch nicht zu seinem Repertoire, doch arbeitet er an der Fertigstellung seines ersten Truhenpositivs, das für Orchester- beziehungsweise Chorprojekte vermietet werden soll. Beteiligt war der Schweizer auch an der Überholung der ebenfalls von Garnier gebauten bedeutendsten japanischen Konzertorgel in der Grand Hall des Tokyo Metropolitan Art Space ein um 180 Grad drehbares Instrument mit doppeltem Prospekt mit ingesamt 126 Registern und über 9000 Pfeifen. Zum Vergleich: Die durch ihre längliche, an einen Tropfen erinnernde Orgel der Auferstehungskirche besitzt zwölf Register und 822 Pfeifen.

Zur Unterstützung der dreiköpfigen Restauratoren-Crew machte sich Marc Garnier einen Vormittag lang persönlich ein Bild vom Zustand "seiner" Orgel. Er gab unter anderem den Tipp, links und rechts des Pfeifenmundes so genannte "Bärte" aus Metall anzulöten, um die Ansprache der Pfeifen zu verbessern.

Derzeit ist das Team um Peter Meier mit der Feinstimmung des Instruments beschäftigt. Allerdings müssen sich die Gottesdienstbesucher am kommenden Sonntag noch mit dem Anblick des herausgeputzten Instruments begnügen. Wie Pfarrer Stefan Kost verriet, wird ein Brautpaar samt Gästen am 26. August wohl als erstes die Klangschönheit der instandgesetzten Orgel genießen dürfen.

Alles in allem kostet die Überholung des Instruments rund 13 000 Euro. Einen Teil des Geldes hat die Kirchengemeinde bereits über Spenden gesammelt.