Lokales

Gespräch nicht erwünscht

Auf wenig Widerhall stieß ein Aufruf der "Arbeiter Partei Türkei", gegen eine Tagung der Evangelischen Akademie Bad Boll zu protestieren. Rund 20 türkische Demonstranten versammelten sich am Freitagnachmittag vor der Boller Reha-Klinik. Über Megafon erklärten sie den Passanten, die Akademie wolle der Spaltung des türkischen Volkes Vorschub leisten.

BAD BOLL "Kommen Sie in die Akademie, trinken Sie mit uns Kaffee und diskutieren Sie mit uns", entgegnete Studienleiter Wolfgang Wagner den Teilnehmern der Kundgebung. Darauf wollten sich diese aber nicht einlassen und packten stattdessen nach einer Viertelstunde ihre Transparente und Fahnen zusammen.

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Eine Tagung über den "Minderheitenschutz in Europa am Beispiel Türkei" veranstaltet von der Akademie, dem Europa-Zentrum und dem Stuttgarter "Deutsch-Türkischen Forum" war der offensichtliche Stein des Anstoßes. Die Absicht, über die Situation der Minderheiten zu informieren und zu diskutieren, verstanden die Demonstranten als Versuch, ethnische und religiöse Konflikte anzuheizen und "einen Keil in das türkische Volk zu treiben".

Ganz anders sieht Studienleiter Wolfgang Wagner das Ziel der Tagung, die noch bis zum gestrigen Sonntag andauerte. "Wir wollen prüfen, ob die Kopenhagener Kriterien der EU zum Minderheitenschutz schon eingehalten werden oder ob da noch etwas getan werden muss." Dass die Türkei im Rahmen des EU-Beitrittsprozesses in dieser Hinsicht schon ein Stück vorangekommen sei, meint Jale Yoldas vom mitveranstal-tenden Deutsch-Türkischen Forum. Aber sie sagt auch: "Erfüllt sind die Kopenhagener Kriterien noch nicht."

Studienleiter Wagner bedauert, dass die Demonstranten die Einladung zur Diskussion nicht angenommen haben. "Offenbar gibt es da eine erhebliche Fehleinschätzung über die Arbeitsweise der Akademie." Ein Teilnehmer der Kundgebung erklärte dagegen: "Wenn wir die Einladung annehmen, akzeptieren wir, was die da machen".

Dass die Aktion praktisch vor einer menschenleeren Wendeplatte stattfand, war für ihn kein Grund zur Unzufriedenheit. "Das war eine Erklärung für die Presse" , erläuterte er. Tatsächlich hatte ein Team des im Kabel empfangbaren TV-Senders "Ulusal Kanal" die Demonstranten mit ihren Transparenten und Atatürk-Plakaten gefilmt. Der Privatsender "Ulusal Kanal" steht der "Arbeiter Partei - Türkei" nahe, jener Partei also, die zu der Kundgebung aufgerufen hatte.

pm