Lokales

Gestank geht wohl vom Boden aus

An der Raunerschule gibt es Klagen über Gerüche in den Containerklassenzimmern

Die beiden Container-Klassenzimmer an der Raunerschule sorgen für großen Wirbel: Seit Beginn des Schuljahrs haben Schüler und Lehrer über den üblen Geruch in den Containern geklagt. Deshalb soll nun in den Herbstferien der PVC-Boden durch einen Linoleumboden ersetzt werden.

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Andreas Volz

Kirchheim. Als „skandalös“ bezeichnen Unbekannte die Zustände in den Containern an der Raunerschule. In anonymen Schreiben, die sie der Zeitung und der Stadtverwaltung zukommen ließen, machen sie „stark giftige Substanzen“ dafür verantwortlich, dass „Schüler und Lehrer Symptome wie Kopfschmerzen, Atemwegsbeschwerden und brennende Augen“ aufweisen. Weiter heißt es: „Die Verantwortlichen beraten, messen und beraten wieder . . . aber der Unterricht mit den klagenden und gesundheitsbeeinträchtigten Kindern geht weiter“. Das Schreiben endet mit dem reißerischen Aufruf: „Stoppt den Unterricht in den Giftcontainern – sofort“.

Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker ist über diese Vorgehensweise empört: „Das ist nicht die richtige Art, einfach anonym draufloszuschießen und keinen Namen zu nennen. Das finde ich nicht gut.“ Vor allem aber hat sie sich aus einem ganz anderen Grund über den anonymen Brief geärgert – weil nämlich alles schon geregelt war, bevor das Schreiben überhaupt erst bei ihr eingegangen ist. „Wir handeln selbstverständlich. Ich hatte schon vorher entschieden, dass der PVC-Boden entfernt wird. Das Linoleum ist bereits bestellt und wird in den Herbstferien eingesetzt.“

Bei einer Grundfläche von 160 Quadratmetern fallen dafür rund 2 500 Euro an. Die Stadt Kirchheim übernimmt diese Kosten zunächst einmal, möchte aber nach Möglichkeit den Lieferanten in Regress nehmen. Dass die unangenehmen Gerüche vom Boden oder auch von dessen Verklebung herrühren, scheint so gut wie sicher zu sein. „Ich bin froh, dass es nicht die Möbel sind“, sagte Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker gestern auf telefonische Nachfrage. Verglichen mit dem Preis für die Möbel, dürften sich die Kosten für den neuen Boden nämlich noch halbwegs in Grenzen halten.

Von der Problematik hatte sich die Verwaltungschefin bereits persönlich überzeugt, als sie zur Einweihung der Mensa an die Raunerschule gekommen war. Den unangenehmen Geruch hat sie dabei selbst wahrgenommen. Die Schlussfolgerung weicht aber von derjenigen der anonymen Briefschreiber ab: „Es riecht, aber deshalb muss es nicht gleich giftig sein.“ Bei einer Messung sei allerdings eine Formaldehyd-Konzentration von 1,29 Milligramm pro Kubikmeter festgestellt worden. Diese Konzentration liege um 0,05 Milligramm über dem zulässigen Grenzwert.

Daraufhin habe die Stadtverwaltung so schnell wie möglich reagiert, versicherte Angelika Matt-Heidecker gestern, wobei sie auch das weitere Vorgehen rechtfertigte: „Wir konnten uns nicht auf das Ergebnis einer einzigen Messung verlassen und mussten deshalb noch auf eine zweite Messung warten.“ Auch wenn der Grenzwert nur minimal überschritten werde, was bei einer Messunschärferelation von zehn Prozent immer noch innerhalb der gesetzlichen Vorgaben liege, sei die Entscheidung für einen neuen Boden eindeutig gewesen: „Man sollte vorsichtig damit umgehen, und deshalb haben wir schnell gehandelt.“

Schulleiter Gerhard Klinger lobt ausdrücklich die Zusammenarbeit von Stadt und Schule. Auch im Elternbeirat sei das Thema sachlich diskutiert worden. Die Eltern hätten ihrerseits Kontakt zur Stadtverwaltung aufgenommen – ohne jede Stimmungsmache: „Die Eltern waren sehr kooperativ.“ Weil alle Seiten informiert waren und weil sich bereits eine Lösung abzeichnete, wundert sich auch der Rektor über die Vorgehensweise der anonymen Briefschreiber.

„Kinder und Lehrer sagen, der Geruch in den Klassenzimmern sei unangenehm“, berichtete Rektor Klinger gestern. Die zuständige Firma habe darauf verwiesen, dass der Geruch nach 14 Tagen Auslüften verschwinden werde. Inzwischen sind aber seit der Fertigstellung der Container am Sonntag vor Schulbeginn schon mehr als fünf Wochen vergangen, und der Geruch habe nicht nachgelassen.

Was die gesundheitlichen Beeinträchtigungen betrifft, sagte der Schulleiter: „Einige wenige Kinder haben Kopfweh bekommen. Teilweise haben sie auch über Unwohlsein geklagt. Anderen hat es nichts ausgemacht.“ Inwieweit die körperlichen Reaktionen auf tatsächlich vorhandene Gifte zurückzuführen sind, kann Gerhard Klinger nicht sagen. Zum einen meint er, dass bei so unangenehmen Gerüchen auch die Psychologie eine Rolle spiele. Zum anderen verweist er auf Fachleute, die sagen würden: „Es muss nicht alles giftig sein, was Unwohlsein hervorruft.“

Trotz allem ist der Rektor froh, wenn der Spuk mit dem Gestank nach den letzten beiden Schultagen, die heute und morgen vor den Herbstferien noch anstehen, endgültig überstanden ist: Ab 2. November dürften die betroffenen Dritt- und Viertklässler samt ihren Lehrern von einem Boden in ihren Klassenzimmern profitieren können, der weder die Geruchsempfindung noch die Gesundheit beeinträchtigen sollte.