Lokales

Gesucht: Ein Vollstrecker

Die äußeren Bedingungen für die Exkursion des Kirchheimer Fußball-Trosses ins Oberschwäbische waren perfekt. Was am Ende fehlte war einmal mehr das erhoffte Erfolgserlebnis der VfL-Kicker. Hoffnungsschimmer: heute Abend sollen die Entscheidungen über potenzielle offensive Neuzugänge fallen.

HELGE WAIDER

Anzeige

RAVENSBURG Fast 50 Kirchheimer Fans, darunter auch Ex-Abteilungsleiter Wolfgang Hamann sowie Ex-VfL-Kapitän Claus Maier hatten sich auf den 150-Kilometer-Weg nach Ravensburg gemacht und mit ein wenig Sightseeing am nur 20 Kilometer entfernten Bodensee oder der wunderschönen Ravensburger Altstadt die Zeit bis zum Anpfiff der Verbandsligapartie im Ebra-Stadion vertrieben. Einhelliger Tenor nach dem Ende des Spiels: "Der Vormittag war schöner."

Für den ein oder anderen Spieler und Funktionär war wohl schon die morgendliche Ankunft des Mannschaftsbusses auf dem Stadionparkplatz ein Omen: ein Bus holländischen (!) Fabrikats. Das muss ja schief gehen. Tat es ja dann auch wobei den Bus wohl die geringste Schuld traf. Abteilungsleiter Winfried Scholz: "Wir hätten hier einen Punkt mitnehmen müssen, sind aber an den vergebenen Chancen gescheitert. Ein Vollstrecker muss endlich her." In diesem Punkt wird sich, so Scholz, heute Abend etwas tun. Drei potenzielle Neuzugänge mit eindeutig offensiver Prägung seien dann aufgefordert Farbe zu bekennen und ein etwaiges Engagement unter der Teck per Vertragsunterschrift zu manifestieren.

Eine Hoffnung von der auch VfL-Spielertrainer Michael Rentschler derzeit lebt. Die Partie in Ravensburg hatte der Coach äußerlich bald abgehakt. Innerlich war wohl das sehr kurze Statement nach der Partie anlässlich der Pressekonferenz unter freiem Himmel bezeichnend: "Ich gratuliere zum Sieg, der etwas zu hoch ausgefallen ist weil der VfL in den ersten 30 Minuten spielbestimmend war, es aber versäumt hat, Tore zu erzielen", konstatierte der Trainer knapp, sichtlich genervt auch ob des sehr unruhigen, bierseeligen Umfelds rund um den Kiosk des Stadions. Wenn das Auslassen von bislang gepflegten Trainer-Floskeln aber einen Beleg darstellt, war Rentschler offenbar richtig sauer. Am Samstag verlor der Coach im Gegensatz zu den letzten Partien kein Wort darüber, dass er sich nahezu bedingungslos vor die Mannschaft stelle.

Rentschlers gewichtiges Ravensburger Pendant Michael Wohlfarth hatte indes einen klaren Sieg gesehen, der in seinen Augen noch deutlicher hätte ausfallen können. "Wir haben zum richtigen Zeitpunkt die Tore erzielt", war sich der FVR-Coach im XXL-Format sicher. Sicher war auch, dass es bei der Auswahl etwaiger Elfmeterschützen in Kirchheimer Reihen offenbar keine Sicherheit gibt. Wie sonst hätte der gefoulte Cem Korkmaz sich flugs den Ball nehmen und den Strafstoß selbst verschießen können, obwohl Coskun Isci und Mario Grimm als die sichereren Schützen gelten. Die ordnende Hand des (mitspielenden) Trainers wäre hier vermutlich angebracht gewesen.

Für unfreiwillige Komik sorgte nach einer knappen Stunde der Schiedsrichterassistent auf der Tribünenseite, der seine Fahne so heftig schwenkte, dass der Schaft brach. Schiedsrichter David Paulat unterbrach die Partie, spurtete flugs in die Kabine und brachte eine neue Fahne mit, die sogleich den Besitzer wechselte und bis zum Ende hielt. Durch das laue Lüftchen des Kirchheimer Sturms wäre sie am Samstag auch kaum gefährdet gewesen.