Lokales

Gesunde Zahlen, kranke Bäume

Einen Gewinn von 7 000 Euro spülte der Holzverkauf 2007 ins Bissinger Gemeindesäckel. Für Bürgermeister Kümmerle dennoch kein Grund, die Beine hochzulegen. Die kranken Kastanien an der Ochsenwanger Steige bereiten ihm Kopfzerbrechen.

RICHARD UMSTADT

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BISSINGEN Für den Neidlinger Revierförster Werner Nagel, zu dessen Arbeitsgebiet auch der Bissinger Gemeindewald gehörte, war es Routine. Angenehme Routine und Schlusspunkt zugleich, konnte er doch Bürgermeister Wolfgang Kümmerle und den Bürgervertretern, bevor er in den Ruhestand entschwand, ein Plus von 7 000 Euro bescheren. Eiche war gut verkauft worden, und auch der Run auf Brennholz spülte Geld in die Kasse. Aus den geplanten Einnahmen in Höhe von 50 000 Euro wurden schließlich zur Freude der Gemeinde 57 000 Euro.

Ob sich ein solcher Überschuss 2008 wiederholen oder gar steigern lässt, bleibt abzuwarten. Nagels Nachfolger aus Dettingen, Karl-Hans Sablowsky, peilt ebenfalls schwarze Zahlen an ein Plus von 3 000 Euro soll's werden. 1 350 Festmeter Holz will er einschlagen lassen. Die gleiche Menge Holz wie im vergangenen Jahr zum Einschlag geplant worden war. Tatsächlich wurden 2007 aber nur 1 200 Festmeter gefällt. Dies reichte dennoch für den genannten Gewinn, wobei die begehrte Eiche ausschlaggebend war, wie Nagel sagte.

Trotz gesunder Verkaufszahlen kam Kreisforstamtsleiter, Forstdirektor Felix Reining, nicht umhin, von kranken Bäumen zu sprechen. Vor allem die Laubbäume, wie Buchen und Eichen, ließen ihn die Stirn in Sorgenfalten legen. "Die Schäden dort sind höher als bei Fichte und Tanne", informierte der Waldspezialist. Auch der Klimawandel verändere das Gesicht des Waldes. Forstdirektor Reining plädierte deshalb für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung. Was den Bissinger Forst anbelangt, so bescheinigte Felix Reining der Seegemeinde, mit ihrem Wald auf gutem Weg zu sein. "Das bestätigte auch die Forstdirektion."

Kranke Bäume treiben nicht nur den Kreisforstamtsleiter um. Bissingens Bürgermeister sorgt sich um die rund 30 Kastanien links und rechts der Ochsenwanger Steige. Die Gemeinde würde die alten, kranken Recken gerne erhalten, ist sich aber unsicher, ob sie bei Sturm eventuell den Verkehr gefährden könnten. Felix Reining schlug deshalb vor, den größten Teil der alten Laubbäume von einem Fachmann sanieren zu lassen. "Bei sechs bis acht allerdings reicht dies nicht aus", bedauerte Reining. Nach eingehender Diskussion beauftragten die Bürgervertreter schließlich die Forstleute, die sechs sterbenskranken Kastanien zu fällen und in einem sicheren Abstand zur Straße nachzupflanzen.

Wolfgang Kümmerle bedankte sich in einer kurzen Würdigung bei dem "trainierten Bergsteiger" und Revierförster Werner Nagel für dessen "kompetente Arbeit zum Wohl des Bissinger Waldes und des Gemeindesäckels" und begrüßte den gebürtigen Weilheimer, Karl-Hans Sablowsky, im Bissinger Ratsrund. Sablowsky ist seit 1981 Leiter des Forstreviers Dettingen. Sein Arbeitsgebiet, zu dem jetzt auch der Bissinger Gemeindewald zählt, ist mit einer Gesamtfläche von 1 350 Hektar das größte im Landkreis Esslingen.