Lokales

Getreideernte übertrifft Erwartungen

Große regionale Unterschiede sind zu verzeichnen – Vorfreude bei den Mosterzeugern

Die Getreideernte 2008 übertrifft die Erwartungen, so eine Verlautbarung des Informationszentrums für die Landwirtschaft in Stuttgart-Hohenheim. Und sie ist weitgehend abgeschlossen. Obwohl die Prognosen der Ernteergebnisse noch kurz vor Beginn der Getreideernte eher verhalten waren, schätzt der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) die Erträge nun auf 6,84 Tonnen pro Hektar und damit knapp elf Prozent über dem Durchschnitt.

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Rudolf stäbler

Kirchheim. Dr. Jörg Mertens vom Informationszentrum der Landwirtschaft in Hohenheim prognostiziert, dass die gesamte Erntemenge von rund 47,7 Millionen Tonnen Getreide voraussichtlich das Vorjahresergebnis um rund 18 Prozent (7,3 Millionen Tonnen) übertreffen wird. Diese Steigerung resultiert allerdings nicht nur auf höheren Hektarerträgen, sondern auch auf einer Erweiterung der Anbauflächen. Dies betrifft besonders den Winterweizen, dessen Aussaatfläche nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 2008 um 6,6 Prozent auf einen neuen Höchststand von über 3,1 Millionen Hektar gestiegen ist. Durch das unbeständige Sommerwetter musste und muss die Ernte in diesem Jahr mehrfach unterbrochen werden.

So weiß auch der Bissinger Siegfried Nägele, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Esslingen, dass in manchen Gegenden des Kreises noch einiges zu ernten ist. Alle Felder „geleert“ sind auf den Fildern. Am Albtrauf sind, örtlich bedingt, noch manche Felder nicht abgeerntet und auf der Alb werden, sollte sich das Wetter bessern, demnächst die Mähdrescher zu sehen sein. Dabei ist der Ertrag im hiesigen Raum sehr unterschiedlich, berichtet Siegfried Nägele. Vor allem der Hagel hat im Gebiet Weilheim, Bissingen und Neuffen zu größeren Ernteausfällen geführt.

Regional sind große Schwankungen in Erntemenge und Qualität zu verzeichnen, stellten die Hohenheimer Fachleute fest. Von Einbußen bis zu einem Fünftel mancherorts sprach der Deutsche Bauernverband. Insbesondere auf den trockenen Standorten im Land wie in Franken sorgten Schmachtkörner und abgeknickte Ähren für Mindererträge und schlechtere Qualitäten.

Die Erzeugerpreise hatten in letzter Zeit spürbar nachgegeben, sodass viele Landwirte die Ernte zunächst einlagern und auf eine Erholung hoffen. In der ersten Augustwoche lagen nach Angaben aus Hohenheim die Preise für Futtergerste bei 160,82 Euro pro Tonne und damit rund 60 Euro niedriger als Ende Januar. „Letztes Jahr hat die Lagerung etwas gebracht“, erzählt Siegfried Nägele, aber das ändert sich von Jahr zu Jahr“, zeigen seine Erfahrungen. Zu großen Schwankungen tragen auch Meldungen im Internet bei, kann er berichten. „Steht im Internet, es gibt viel Getreide, liegt sofort ein Druck auf dem Preis, steht aber zu lesen, dass es zu wenig gibt, ja dann geht der Preis eben nach oben.“

Auch weltweit wird nach Angaben der UN-Ernährungs-Organisation (FAO) mit einer Rekordgetreideernte gerechnet. Trotz der erwarteten 2,18 Milliarden Tonnen Getreide dürfte sich die Versorgungssituation auf den Märkten jedoch nicht entspannen, befürchtet man in Hohenheim. Die steigende Nachfrage aus großen Schwellenländern wie China und Indien wird die Lebensmittelpreise weiter in die Höhe treiben, was in den Entwicklungsländern die Gefahr von Hungersnöten erheblich steigert.

Hohe Erntemengen an Mostobst erwartet

„Die diesjährige Situation bei Äpfeln zur Saftproduktion ist gut“, so der Vorsitzende des Verbandes der Baden-Württembergischen Fruchtsaft-Industrie, Dieter Burkhardt, anlässlich der Mitgliederversammlung des Verbandes, die vor wenigen Tagen in Esslingen stattfand. Er erwartet hohe Erntemengen im Ländle. In Deutschland werden nach Schätzungen des Verbandes etwa 800 000 Tonnen erwartet. Hiervon werden 50 Prozent in Baden-Württemberg verarbeitet. Bedingt durch die sogenannte Alternanz, das heißt des Wechsels einer schwächeren mit einer guten Ernte, wird in Baden-Württemberg die Vorjahresmenge im Streuobst übertroffen werden.

Deshalb rief der Vorsitzende alle Obsterzeuger auf, ihre Bäume abzuernten, dabei aber auf jeden Fall die Reife der Äpfel abzuwarten. Angesichts der großen Menge sagt Burkhardt zu Beginn der Kampagne einen geringen Einstiegspreis für Äpfel voraus. Dagegen rechnet er im Oktober mit steigenden Preisen, da die Qualität der Äpfel witterungsbedingt im Lauf der Saison ansteigt. Die Äpfel sind durch die ausreichende Wasserversorgung sehr groß und wachsen weiter. Jeder Millimeter an Zuwachs pro Durchmesser erhöht die Ernte um vier Prozent. „Es lohnt sich zu warten“, schreibt der Vorsitzende den Besitzern der Streuobstwiesen ins Stammbuch.