Lokales

Geübt in schwierigen Gratwanderungen

Doppelt hält besser. Zum zweiten Mal stand die Besetzung der neuen Stabsstelle Wirtschaftsförderung im Kirchheimer Gemeinderat auf der Tagesordnung. Die Entscheidung fiel im ersten Wahlgang: Die wichtige Aufgabe der Wirtschaftsförderung wird ab Juli in den Händen von Piroska Csösz liegen.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM Die Frau mit dem ungarischen Namen und den schwäbischen Wurzeln überzeugte das Gremium durch ihre kurze, kompetente Analyse der Situation in Kirchheim und erste Ideen zu neuen Arbeitsansätzen. Im Rahmen der Bestandspflege will sie immer ein offenes Ohr für die Unternehmen haben und auch bei der planerischen Aufgabe der Flächenentwicklung gehört werden, sei doch die Vermarktbarkeit von Flächen ein wesentliches Kriterium. Im Rahmen der konzeptionellen Standortentwicklung will sie eine Stärken-Schwächen-Analyse erstellen und sich auch unter dem Stichwort der Verbindung von Arbeit und Wohnen intensiv um Freiberufler kümmern. "Wenn diese Hausaufgaben gemacht sind, geht's verstärkt ans Standortmarketing", kündigte sie an. Die gezielte Ansprache von Unternehmen strebt sie ebenso an wie die Kooperation mit Nachbarn oder Kommunen mit gleichen Interessen. Bei alldem betonte die gebürtige Leonbergerin, die in Stuttgart zur Schule ging: "Kirchheim ist nicht nur Wirtschafts-, sondern auch Tourismusstandort!"

Als Geschäftsführerin einer Standortinitiative in Hamburg hatte sich Piroska Csösz, die in Berlin ein Studium in Volkswirtschaftslehre und Nordamerika-Studien absolviert hat, bereits intensiv mit Stadtmarketing befasst. Danach war sie drei Jahre Projektleiterin bei der Lübecker Wirtschaftsförderung, die ähnlich der in Kirchheim geplanten Vorgehensweise nach ihrer Etablierung als GmbH-Modell geführt wurde. Aus dieser Zeit sei ihr auch die gelegentlich schwierige Gratwanderung zwischen den Forderungen der Wirtschaft und den Ansprüchen der Verwaltung vertraut, die diplomatisches Geschick erfordere.

Derzeit ist die 40-jährige Leiterin des Kompetenzzentrums Gründung und Management an der FH Lübeck. Mit Lübeck hatte sie denn auch Kirchheim bei ihren Besuchen verglichen und eine Reihe positiver Seiten wie etwa einen guten Branchenmix in der Stadt ausgemacht, aber auch "Pferdefüße" entdeckt wie die hohen Quadratmeterpreise.

Mit 19 Stimmen votierte das Gremium gestern in geheimer Wahl nach kurzer Sitzungsunterbrechung für Piroska Csösz. 13 Räte sprachen sich für den 35-jährigen selbstständigen Marketingberater Wolfgang Panzer aus dem Remstal aus, der sich ebenfalls mit einer überzeugenden Vorstellung als geeigneter Bewerber empfohlen hatte. Nachdem sich die Kandidatenlage im November nicht vergleichbar positiv präsentiert hatte, war die Stelle leicht modifiziert erneut ausgeschrieben worden. Bislang hatte Dr. Stefan Leuninger vom Institut Imakomm aus Friedrichshafen als Wirtschaftsförderer in Kirchheim gewirkt. Nach langen Diskussionen hatte der Gemeinderat jedoch trotz knapper Kassen im September vergangenen Jahres den Weg frei gemacht für die Einrichtung der neuen Stabsstelle. Sie umfasst neben der Wirtschaftsförderung auch Stadtmarketing und Tourismus.