Lokales

Gewaltige Wasserwand zum Jubiläum

Feuerwehren retten, löschen, bergen und schützen. In Nürtingen schon seit 150 Jahren. Wer zu den Floriansjüngern gehört, der wird oft hart gefordert. Manchmal macht es aber auch schlichtweg Spaß, Feuerwehrmann oder -frau zu sein. Zum Beispiel am Wochenende: Über 500 junge Leute gestalteten eine gewaltige Wasserwand, die vom Salemer Hof bis zur Flößerstube am anderen Neckarufer reichte.

JÜRGEN GERRMANN

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NÜRTINGEN 42 Jugendfeuerwehren aus dem ganzen Landkreis Esslingen (nur acht mussten wegen anderer Verpflichtungen passen) erwiesen dabei ihren Nürtinger Kameraden mit 229 Stahlrohren die Reverenz. Die angepeilte Zahl wurde dabei mithin sogar massiv übertroffen: Man wollte mit 200 Rohren gen Himmel spritzen, um damit die beiden großen Jubiläen der Nürtinger Feuerwehr zu symbolisieren. Heuer vor 50 Jahren wurde die Jugendfeuerwehr aus der Taufe gehoben, und die Abteilung Stadtmitte besteht nächstes Jahr sogar eineinhalb Jahrhunderte. 50 plus 150: So lautete die Wasser-Zauber-Formel vom Samstag.

Einen Weltrekord stellte man zwar vor der Schokoladenseite der Stadt Nürtingen nicht auf (das Guiness-Buch verzeichnet da über 800 Rohre), aber auch die größte Aktion dieser Art, die jemals zwischen Alb und Fildern stattfand, war begeisternd und beeindruckend genug. Proben konnte man die Sache natürlich nicht, und wenn ein halbes Tausend Menschen quasi Hand in Hand arbeiten muss, dann bedeutet das nicht zuletzt eine große logistische Herausforderung und Leistung. Und die forderte alle Achtung ab.

Es war toll, zu erleben, wie sich eine solch große Zahl Jugendlicher für ein gemeinsames Ziel begeisterte: "Eine solch große Sache im Miteinander umsetzen zu können, das ist toll für unseren Nachwuchs und begeistert die", schwärmte denn auch Stadtbrandmeister Jürgen Burkhardt von denen, die sich da in einem Schlangengewirr von Schläuchen zurechtfinden mussten und diesem insgesamt zwölf Kilometer langen Labyrinth dann auch ein wahres Kunstwerk entlockten. Und so sprach nicht nur Hans Müller, der Pressesprecher der Feuerwehren im Kreis, von einem denkwürdigen Ereignis. Auch Kreisbrandmeister Bernhard Dittrich klopfte den jungen Leuten immer wieder strahlend auf die Schulter.

Uwe Steck, Sohn des legendären Nürtinger Stadtbrandmeisters, war Fuchs und Has zugleich, wie der Schwabe zu sagen pflegte, und düste als für diesen Spezialeinsatz zuständiger Kreisjugendfeuerwehrchef mit dem Fahrrädle stetig zwischen dem ersten Rohr, das die Naberner am Salemer Hof in den Neckar richteten, über die katholisch Neuhausener in der Mitte bis zu den Kirchheimern am anderen Ende, hielt stetigen Kontakt zu Ulrich Schumayer, Oliver Knott, Uwe Eisinger und Rainer Pfeiffer, die die einzelnen Abschnitte unter sich hatten, und den Pumpenführern Wolfgang Müller, Ralph Müller, Bernd Burr, Manfred Bauer und Oliver Färber, hin und her.

Punkt 15.54 Uhr war es dann so weit: Aus allen 229 Rohren schoss das Wasser gen Himmel, wozu bei mittlerer Leistung über 40 000 Liter pro Minute nötig waren. Wer sich nun Sorge um das Nürtinger Grundwasser macht, kann beruhigt sein: Alles Nass wurde dem Neckar entnommen und floss auch wieder dorthin zurück.

Da riss es auch die Hunderten von Menschen, die das faszinierende Wasserschauspiel zumeist von der Wiese vor der Flößerstube aus verfolgten, regelrecht mit: Als sich vor der Silhouette von Stadtbrücke und Schlossberg ein Regenbogen von einem Ufer zum anderen spannte (quasi als Symbol der Vielfalt unter den jungen Feuerwehrleuten aus dem ganzen Landkreis) und die Altstadt hinter einem geheimnisvollen Schleier aus dem Wasser des Neckars, der seit Urzeiten das Lebenselixier dieser Stadt ist, da entwickelte sich am (Nürtinger) Wasen regelrecht Volksfeststimmung, brandete spontan riesiger Beifall auf, konnte man doch einen Moment miterleben, der nicht nur das Auge erfreute, sondern einen auch mitten in der Seele ansprach.