Lokales

Gibt es für den Knoten ein Leben vor der Schnur?

Klaus Birk kalauerte sich bei seinem Gastspiel in der Kirchheimer Stadthalle erfolgreich über die Runden

Kirchheim. Für einen bewusst inszenierten „Aufreger“ sorgte Klaus Birk gleich zu Beginn seines Auftritts und konnte die erwarteten Reaktionen und damit die intensive Mitarbeit des Publikums von Anfang an

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wecken. Auch wenn er nicht minutenlang ausgebuht wurde – wie zuletzt in Ludwigsburg – deckte er dennoch schon bald den provozierenden KSC-Schal mit dem erkennbar mehrheitsfähigeren VfB-Schal ab.

Klaus Birk, Autor der „Komedescheuer Mäulesmühle“ und aus zahllosen Fernsehauftritten bestens bekannter „Zwischenrufer“, befasste sich nicht allzu lange mit der philosophische Tiefen und analytische Ernsthaftigkeit befürchten lassenden Frage „Gibt es für den Knoten ein Leben vor der Schnur?“, sondern kalauerte sich in gewohnter Weise durch die Tücken des Alltags, die Probleme der Menschheit und spottete vor allem immer wieder über die fast schon sprichwörtliche natürliche Schönheit der Schwaben.

Im Durchschnitt gelte der Italiener als besonders gut aussehend, der Deutsche dagegen vorwiegend als hässlich, wobei er in dieser Kategorie vom Schwaben noch um Lägen geschlagen wird, lautete Klaus Birks schmerzhafte Erkenntnis. Mitleid mit seinem vorwiegend schwäbischen Publikum hatte er dabei nicht. Die Zuschauer müssten schließlich nur einen schlecht aussehenden Mann auf der Bühne ertragen, stellte er fest. „Kommt mal rauf und schaut da runter“ lautete seine dann aber von niemand wahrgenommene Einladung, sein noch viel größeres Elend zu teilen . . .

Ihm ist es daher auch gar nicht so unrecht, dass die Schwaben zu begriffsstutzig und zu lendenlahm seien, um sich überdurchschnittlich intensiv fortzupflanzen und die eigene defizitäre „Schönheit und Intelligenz“ auch noch weiterzuvererben. Die Kinder könnten ja schließlich noch blöder werden als der Partner und schon an die „Qualitäten“ eines Österreichers heranreichen, lautet seine Furcht.

Dass die Gefahr ungeplanter Schwangerschaften im Schwabenland relativ gering ist, rechnete Klaus Birk ausgerechnet am Beispiel von Spitzensportlern hoch. Mit 51 Kondomen für die 17 Tage währenden Olympischen Spiele wäre den Athleten ein Kontingent zugestanden worden, das Schwaben locker für die vier Jahre zwischen den Spielen genügen würde, spottete der Kabarettist.

Dass es nicht gelungen ist, die Olympischen Spiele nach Stuttgart zu holen, bedauert er dennoch zutiefst. Dabei geht es ihm weniger um die Wettkämpfe selbst, sondern vor allem um die Eröffnungsfeier. Um die Welt gehende Bilder nackter schwäbischer Ureinwohner, die ihre Blößen mit einem Maultaschenröckchen verdecken und auf dem stolzen Haupt eine Butterbrezel im Haar tragen, hätten ihm schon ganz gut gefallen.

Dass das einst ernsthaft angedachte spektakuläre Hochhaus auf dem Pragsattel nicht wegen der nicht unerheblichen Höhe von 220 Metern wieder verworfen wurde, sondern vor allem, weil es genau in der Flugschneise von Südschweden nach Südafrika fliegenden Zugvögeln liegt, ist für ihn schwer nachvollziehbar. Mit je einem geöffneten Fenster an der Vorder- und Rückseite könne dieses Problem doch durchaus bewältigt werden. Die grundsätzlich ja gar nicht so schlechte Geschäftsidee, unter dem Motto „Gegessen wird, was von oben kommt“, unterhalb des Hochhauses in Anflugrichtung eine Vogelbraterei einzurichten, die für den Rückreiseverkehr auf die diametral gegenüberliegende Seite verlegt wird, ist damit schließlich auch vom Tisch.

Fast schon leitmotivisch zog sich durch sein Programm die ungeheure Bedeutung, die einer beschleunigten Zugverbindung von Paris nach Bratislava zukommt, die nicht unerheblichen Einfluss auf das viel diskutierte Projekt „Stuttgart 21“ hat. Bei einem geplanten Bahnhof unter der Erde sieht er vor allem das Problem voraus, dass diese Station eigentlich nur dann zu finden ist, wenn ein oberirdisches Bahnhofsgebäude auf den ungefähren Standort der modernen Gleisanlage hinweist. Das jetzige Gebäude als Art Wegweiser zu behalten würde aber bedeuten, dass die leer stehenden Büroflächen an den Weinbergen nicht ins Zentrum verlagert werden könnten.

Feinstaubplaketten, knuddelige Bären und Tagesabschnittsgefährtinnen pflasterten seinen oft verworrenen und knotenreichen Weg, der schließlich – jahreszeitlich bedingt – direkt zu der Problematik des richtigen Weihnachtsgeschenks führte. Auch hier konnte Birk die kaum überwindbaren Unterschiede im Verständnis von Männern und Frauen verdeutlichen. Wie ein selbst gekaufter Akkuschrauber zum absolut begeisternden Überraschungsgeschenk werden kann, zeigte er genauso auf wie die mutwillig verspielte Chance, sich mit extrem teuren Ohrringen friedliche Weihnachtsfeiertage zu erkaufen.

Das über Zugaben angesteuerte Finale bestritt er dann mit seiner Variante der Schöpfungsgeschichte, in der Adams allergrößter Wunsch dadurch erfüllt wird, dass der Schöpfer aus der zur Verfügung gestellten Rippe einen Hund schafft. Bei stundenlangen Spaziergängen kann ihn dieser treue Gefährte darüber hinwegtrösten, dass die aus der zweiten Rippe geschaffene, wunderschöne Eva ganz andere Berührungswünsche hat, als der längst zum Hundenarr mutierte Adam.

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