Lokales

"Global denken lokal handeln"

Seit mehr als einem Jahrzehnt trägt der in unserem Bundesland größte Frauenverband über verschiedene Projekte auf nationaler und internationaler Ebene zur Völkerverständigung zwischen Landfrauen und Frauen in anderen Ländern bei.

KIRCHHEIM/NÜRTINGEN Bei allen oft gegebenen kulturellen Unterschieden ist das Wissen um anders gelebte Frauen-Leben, vor allem auch Arbeitssituationen, enorm wichtig, um sich gegenseitig zu verstehen. Dr. Waltraud Fleischle-Jaudas, Lenningen-Schlattstall, ist für den Bezirkslandfrauenverein Nürtingen dessen Vertreterin im Arbeitskreis "Entwicklungspolitik" in Stuttgart, dem vierten und letzten Arbeitskreis in Folge, dessen Aufgaben und Ziele vorgestellt werden sollen.

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Eine Bildungs- und Begegnungsreise nach Ghana hat 1989 Anlass für die Gründung dieses Arbeitskreises gegeben und beim Gegenbesuch Ghanaischer Frauen 1991 beim Landesverband vertiefte sich diese Begegnung. Neben Ghana gibt es heute zu Frauenverbänden in Litauen und Katalonien freundschaftliche und praxisorientierte Kontakte. Herausragendes und angestrebtes Ziel auch in 2005 ist es, durch aktuelle Informationen und vor allem Bewusstseinsarbeit ein Verständnis zwischen Menschen und Familien aus verschiedenen Kulturkreisen zu schaffen. Unter dem Leitsatz "Global denken lokal handeln" ist es den Mitgliedern des Arbeitskreises mit ihrer Vorsitzenden Gerda Weiss wichtig, im Rahmen der "Lokalen Agenda" sowohl auf die weltweite Verantwortung, wie die Bedeutung für den eigenen Lebensraum hinzuweisen. Bildungsreferentin Christel Heß, selbst lange Jahre mit Familie in Afrika lebend, ist als Geschäftsführerin die erfahrene Frau am richtigen Platz.

Die Landfrauen sind gefordert, sich an lokalen und internationalen Aktionen auf politischer Ebene zu engagieren. So hat sich der Arbeitskreis am internationalen Landfrauenkongress in Stuttgart im April diesen Jahres in Zusammenarbeit mit "Brot für die Welt" und der "Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft" beteiligt. Ebenfalls präsent waren die AK-Mitglieder beim Umwelttag im Juni 2005 zum Thema "Klimawandel Global-lokal" im Rahmen der Heimattage Baden-Württemberg in Schorndorf mit einem viel bestaunten "Agenda-Tisch", wobei treffsichere Argumente für die Besucherinnen neben gut gestalteten Informationsbroschüren beeindruckten.

In diesen Tagen werden AK-Mitglieder nach Kenia reisen. Die dort erwarteten hautnahen Eindrücke sollen ab 2006 in die Landfrauen-Bildungsarbeit einfließen. Zusammen mit Spenden aus Ortsvereinen hat der Landesverband bisher zur Förderung der Gesundheits- und Ernährungsberatung in der Dominikanischen Republik sowie in Lesotho einen Beitrag geleistet. Ein Programm zur Verbesserung der Trinkwasserversorgung in Äthiopien wurde zusammen mit dem deutschen Landfrauenverband in Berlin und der "Welthungerhilfe" gestartet.

"Wege entstehen dadurch, dass wir sie begehen", lautet eine afrikanische Weisheit, und diese ist Motiv für den Landfrauenverband, internationale Kontakte auszubauen. Konkret geht es um ein Frauenprojekt in Indien, das ebenfalls gemeinschaftlich mit den beiden vorgenannten Institutionen läuft und einen wichtigen Beitrag zur Friedenssicherung sowie zur Verwirklichung der Menschenrechte bedeutet.

Informationen zur sozialen und politischen Situation von Frauen weltweit lassen aufhorchen: "Frauen der Welt" sind 50 Prozent der Bevölkerung, stellen 46 Prozent der Alphabetisierten, verfügen über 34 Prozent des Reichtums und haben nur 14 Prozent der Parlamentssitze inne. So ist die soziale und politische Benachteiligung von Frauen auch heute noch gegeben. Und dies gilt für reiche wie für arme Länder gleichermaßen, wobei das Ausmaß der Benachteiligung von Land zu Land sehr unterschiedlich ist. Frauen stellen zwar die Hälfte der Weltbevölkerung, ihre Bildungschancen, ihr Anteil an den Gütern der Welt oder die Möglichkeiten der politischen Mitbestimmung bleiben aber weit hinter dem zahlenmäßigen Anteil zurück.

Mit den drei gleichberechtigten Grundsäulen in der Agenda 21 von Rio de Janeiro, nämlich Ökologie, Ökonomie und Soziale Gerechtigkeit befassen sich die Mitglieder des Arbeitskreises ebenso, wie mit der Welthandelspolitik und drängen auf einen fairen Handel von Produkten nach dem Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung. Dem Motto "Wir erben die Erde nicht von unseren Vorfahren, sondern borgen sie von unseren Kindern", weiß sich Dr. Waltraud Fleischle-Jaudas verantwortungsvoll verpflichtet.

rr