Lokales

Göppingen will schwere Laster vertreiben

"Wir haben nennenswert Mautausweichverkehr nachgewiesen", betont Claus Herzog, der Leiter des Rechts- und Ordnungsamtes im Landratsamt Göppingen. Doch mit seinem Plan, das gesamte Netz der Bundesstraßen und der Verbindungsstrecke L 1214 zwischen Göppingen und der A 8 für Lastwagen über 12 Tonnen zu sperren, ist der Nachbarlandkreis bisher nicht weiter gekommen.

HANS JOACHIM HIRRLINGER

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KREIS ESSLINGEN Im Regierungspräsidium Stuttgart werde nur die Teil-Sperrung der B 10 und der B 466 (Süßen Heidenheim) für möglich gehalten, sagt Herzog. Diese Ausweichstrecke zwischen A 8/Plochinger Dreieck und A 7 Ulm Würzburg wird pro Tag von bis zu 250 Lastern genutzt, um die Maut zu vermeiden. Das geht aus einer Modellsimulation im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums hervor. Zwischen Plochingen und Stuttgart ist die B 10 nach diesen Daten nur mit bis zu 150 Lastern pro Tag zusätzlich belastet.

Jörg-Michael Wienecke, der Verkehrsplaner im Landratsamt Göppingen, weiß jedoch, dass örtliche Zählungen entlang der Ausweichstrecken weit höhere Belastungen ergaben. Das gelte auch für B 297 Uhingen Kirchheim und die L 1214 von Göppingen nach Aichelberg. Die Stadt Göppingen hat beispielsweise auf der B 297 bei Bartenbach eine Verdopplung des Lkw-Verkehrs festgestellt. Diese Zählungen werden vom Land nicht anerkannt.

Isolierte Durchfahrtverbote lehnen die betroffenen Kommunen und der Landkreis Göppingen ab. Sonst fürchtet man noch höhere Belastungen der übrigen Durchgangsstraßen. Man wolle die Lasten nicht nur verlagern, betont Wienecke. Doch beim Land stoße diese Ansicht auf wenig Gegenliebe. Das Innenministerium erwarte zunächst eine Anhörung der Kommunen und der Nachbarlandkreise. In diesem Zusammenhang hat auch Plochingen den Göppinger Plänen zugestimmt. Dann müsse jedoch auch die Schurwaldquerung der L 1201 für Schwerlaster gesperrt werden, fordert die Stadt, um eine Verlagerung auf Plochingen zu verhindern. "Wir wollen das Problem nicht auf andere Landkreise verlagern", betont auch Wienecke, "sondern für ähnliche Lösungen werben."

Die belasteten Städte und Gemeinden beharren auf der Netzlösung. Die Belastung durch Schwerverkehr sei nach wie vor äußerst kritisch. Es sei höchste Zeit, dass endlich etwas geschehe. Der Vorschlag des Landratsamtes müsse rasch umgesetzt werden, erklären die Bürgermeister. Einwände der IHK Göppingen, Fahrverbote schadeten der örtlichen Wirtschaft, lassen sie nicht gelten. Örtliche Laster und der Regionalverkehr im Umkreis von 75 Kilometern wären von dem Verbot ohnehin ausgenommen. Für die Betriebe vor Ort sei freie Fahrt wichtig. Der wachsende Transitverkehr erweise sich aber immer mehr als Hindernis. Auch die Bevölkerung leide immer stärker unter Verkehr, Lärm und Abgasen. Das Land wird aufgefordert, den Lastern einen wirksamen Riegel vorzuschieben.

Stuttgart hat im Zusammenhang mit der Überschreitung der Feinstaubwerte bereits ein Transitverbot für Lastwagen verhängt. Davon ausgenommen sind nur Lkws, die auf der B 10 passieren wollen. Erste Kontrollen hatten Anfang des Jahres ergeben, dass jeder fünfte kontrollierte Laster gegen das Verbot verstößt. Auch das Land hat auf den Mautausweichverkehr reagiert und Nachtfahrverbote auf sechs Streckenabschnitten von Bundesstraßen angeordnet. In den Landkreisen Esslingen und Göppingen ist das nicht der Fall. "Wie sich der Mautausweichverkehr durch die Nachtfahrverbote verändert hat und ob gegebenenfalls weitere Maßnahmen erforderlich sind, kann erst nach weiteren Auswertungen an den Dauerzählstellen ermittelt werden", sagte am 7. August Staatssekretär Rudolf Köberle. "Dies wird in etwa einem Jahr der Fall sein."

INFODie Zählstelle Plochingen auf der B 10 passierten im April 2005 zum Jahresbeginn war die Lkw-Maut auf Autobahnen eingeführt worden 79 208 Fahrzeuge, unter ihnen 6867 Laster. Im April 2006 (eine neuere veröffentlichte Zählung liegt nicht vor) wurden 81 228 Fahrzeuge gezählt, darunter 7045 Lastwagen. In der Modellsimulation für mautbedingte Verkehrsverlagerungen wird der Mautausweichverkehr im Neckartal in einer Größenordnung von 50 bis 150 Lastern pro Tag angegeben.