Lokales

Göppinger Ärztestreiken seit gestern

Mit einem Marsch vom Krankenhaus aus zur Neuen Mitte haben gestern rund 100 Ärzte der Klinik am Eichert ihren angekündigten Streik begonnen. Er ist zunächst bis einschließlich kommenden Freitag befristet.

KARL-HEINZ STROHMAIER

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GÖPPINGEN Die Ärzte der Klinik am Eichert haben ihre Ankündigung wahr gemacht: Seit gestern wird am Göppinger Krankenhaus gestreikt. Rund 100 Mediziner waren zum Auftakt vor die Klinik gekommen und anschließend mit Transparenten wie "Vom Halbgott in Weiß zum Deppen der Nation" oder "Gute Arbeit gutes Geld" und Trillerpfeifen in die Göppinger Innenstadt zur Neuen Mitte gezogen. Mit einer deutlichen Mehrheit von 97,8 Prozent hatten sich am Freitag die Klinikärzte in der Urabstimmung für einen Streik entschieden. "Diese überwältigende Mehrheit zeigt", so sagte gestern morgen Steffen Strobel, Assistenzarzt der Klinik am Eichert und stellvertretender Vorsitzender des Bezirks Nordwürttembergs im Marburger Bund, "dass die Krankenhausärzte von katastrophalen Arbeitsbedingungen und Ausbeutung auch in kommunalen Krankenhäusern genug haben." Die hohe Zustimmung sei auch eine Quittung für die schier unerträgliche Arroganz der Arbeitgeber, die während fünf Verhandlungsrunden zu keinem Zeitpunkt ernsthafte Absichten gezeigt hätten, einen eigenen Tarifvertrag für Ärzte zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen abzuschließen.

"Wir sehen diese Aktion heute als Auftakt für die Streikaktivitäten in ganz Baden-Württemberg", so Strobel weiter.

In Göppingens Neuer Mitte suchten die Ärzte das Gespräch mit Passanten und verteilten Flugblätter. "Wir stoßen bei den Göppingern auf viel Verständnis", registrierte Christoph Grünwald, Internist an der Klinik am Eichert. Die Leute wissen meist aus eigener Erfahrung, mit welchen Arbeitsaufwand unsere Tätigkeit im Krankenhaus verbunden ist. Nach fünf gescheiterten Verhandlungsrunden hätten die Ärzte keine andere Möglichkeit mehr gesehen. "Wir wären jetzt auch lieber am Arbeitsplatz, um unsere Patienten zu versorgen." Die Aktion in Göppingen schlossen die Ärzte mit einem Aufruf zur Blutspende in der Stadthalle ab, zu der sie sich selbst auch als Spender zur Verfügung stellten.