Lokales

Gold wert: "Gelbe Engel" leisten schnelle Hilfe

"Tag der Straßenwacht" das heißt für den ADAC Bilanz zu ziehen und aufzuzeigen, wie die Autofahrer noch mehr für ihre Sicherheit tun könnten. Deshalb der Appell der "Gelben Engel": Einmal im Monat den Luftdruck der Reifen prüfen und vor dem Wechsel der Pneus sorgsam auf Schäden und Profiltiefe der "Schlappen" achten.

ANKE KIRSAMMER

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DENKENDORF 30 Verkehrstote gab es im Jahr 2006 in Deutschland aufgrund von Reifenschäden, sieben mehr als im Vorjahr. "Ein geplatzter Reifen ist der Supergau", betonte Reimund Elbe, Pressesprecher des ADAC Württemberg, gestern in einem Pressegespräch in der Autobahnraststätte Denkendorf. Landesweit wurden die "Gelben Engel" der Straßenwacht 22 726 Mal wegen Reifenpannen gerufen. Der Anstieg im Vergleich zum Vorjahr betrug 14,8 Prozent. Der Automobilclub empfiehlt deshalb dringend, speziell die Pneus in regelmäßigen Abständen unter die Lupe zu nehmen sowie besonders vor und während Urlaubsreisen den Luftdruck zu prüfen. Über die Gründe für die Zunahme an geplatzten Reifen kann Elbe lediglich spekulieren: "Das Durchschnittsalter der Autos ist auf 8,2 Jahre gestiegen. Wahrscheinlich ist damit auch die Bereifung älter als früher." Das Problembewusstsein habe offenkundig nachgelassen. Anders kann sich der Pressesprecher nicht erklären, dass manch Autofahrer mit "Slicks" unterwegs sei. Bei Winterreifen rät der ADAC zu einem Profil von vier Millimetern, bei Sommerreifen genügten drei Millimeter. Mit Sorge beobachtet der Automobilclub auch, dass ein Ersatzrad in immer weniger Fahrzeugen zur Grundausstattung gehört.

Bundesweit rückten die "Gelben Engel" im vergangenen Jahr 3,81 Millionen Mal aus. Das ist nach 2006 die zweithöchste Zahl an Pannen. Spitzentag war der 21. Dezember. Kälte, Eis und Schnee machten an diesem Tag 17 549 Einsätze notwendig. In 83,5 Prozent der Fälle gelang es den Kfz-Experten, die Fahrzeuge an Ort und Stelle wieder flott zu machen. Eine regelrechte "Pannenhochburg" ist erwartungsgemäß die Region Stuttgart: 102 704 Mal wurde die Straßenwacht hier gerufen. Das entspricht mehr als einem Viertel aller Einsätze in Baden-Württemberg. Haupteinsatzgebiet ist die A 8.

Mit knapp 52 Prozent wird der weitaus größte Teil der Pannen durch eine defekte Elektrik verursacht. Dazu gehören beispielsweise Probleme mit der Zündanlage, dem Generator, dem Anlasser oder der Beleuchtung. "Sorgenkind" ist die Batterie geworden. Allein 119 585 Mal mussten die 184 Fahrer der Straßenwacht landesweit Starthilfe geben oder eine defekte Batterie austauschen der häufigste Einsatzgrund im vergangenen Jahr. Der Leiter Kfz-Technik des ADAC Württemberg, Harry Kellner, begrüßte deshalb, dass die Autoindustrie die Pannenstatistik nutze, um gegenzusteuern: "Die Tendenz geht dahin, neue Fahrzeuge mit einer zweiten Batterie auszustatten." Bereits ausgezahlt habe sich, dass die Industrie inzwischen stabilere Keilriemen fertige als früher. Rückläufig ist deshalb die durch gerissene Keilriemen verursachte Zahl der Motorschäden. Nichtsdestotrotz wurden 13,84 Prozent der Einsätze der "Gelben Engel" notwendig aufgrund von Defekten an Motor und Kühlung, in 12,85 Prozent funktionierte die Kraftstoffanlage nicht mehr.

Eher kurios, aber für die Betroffenen ärgerlich: Bundesweit setzten 110 497 Fahrzeughalter auf die Fähigkeiten der "Gelben Engel" als "Autoknacker", weil sie sich selbst ausgeschlossen hatten und 38 419 Mal mussten die Fahrer der Straßenwacht mit dem Benzinkanister anrücken den Fahrern war schlicht der Sprit ausgegangen.

Gute Nachrichten hatte Michael Prelop, Bereichsleiter Württemberg der ADAC-Straßenwacht, für Urlaubsreisende im Gepäck. Der Automobilclub wird sein zwei Jahre getestetes Pilotprojekt ausbauen und in Italien am Gardasee, in der Toskana und an der Adria sowie in Frankreich in einzelne Regionen von Pfingsten bis Anfang September "Gelbe Engel" entsenden. Bereits die Ersatzteilbeschaffung gestaltet sich im Ausland oft schwierig. "Da stehen unsere Mitarbeiter regelmäßig vor Herausforderungen", so Prelop. Der Dank seien Erleichterung und die Freude darüber, dass der Urlaub nicht abgebrochen werden müsse. "Das ist ein Feeling wie in den 50er-Jahren, als wir in Deutschland angefangen haben."