Lokales

Gott lässt sich nicht spotten

Im Frühjahr 1912 läuft ein riesiger Luxusdampfer vom Stapel, der für England das "blaue Band" des Ozeans erobern soll, jene höchste und begehrteste Auszeichnung für die schnellste Dampferfahrt über den Atlantik. Das größte, schnellste und sicherste Passagierschiff das je gebaut wurde, macht sich auf dem Weg. Es ist die Titanic. 2 224 Menschen wollen miterleben, wie dieser Koloss in Rekordzeit den Atlantik überquert.

Es fehlt der Reederei weder an Hochmut noch an Übermut, als es auf dem Rumpf des Ozeanriesen die beiden Worte anbringt: "No God" (wir brauchen keinen Gott). An Bord soll ein Vergnügen das andere ablösen. 25 Millionäre befinden sich an Bord. Da muss man schon was bieten. Alle sind in erwartungsvoller Stimmung.

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In der Nacht zum 15. April 1912 kommt der Luxusdampfer in die Gewässer von Neufundland, wo man in der Frühjahrszeit mit treibenden Eisbergen rechnen muss. In dieser Nacht wird die "Titanic" unablässig von einem anderen Schiff gewarnt, denn das Schiff fuhr viel zu schnell. Doch alle Warnungen werden ignoriert. Man ist sich seiner Sache völlig sicher. No God. Plötzlich geht eine gewaltige Erschütterung durch den Riesenleib des Schiffes. Alle fragen sich, was wohl passiert sei. Die Titanic hat mit Rekordgeschwindigkeit einen Eisberg gerammt.

Die Wassermassen ergießen sich ins Schiff und es entsteht eine Panik. Alle Menschen laufen wild umher und wissen nicht, was passiert ist. Der Kapitän befiehlt Ruhe zu bewahren und in die Rettungsboote zu steigen. Aber wer kann schon Ruhe bewahren, wenn die Rettungsboote nur für einen Bruchteil der Passagiere ausreichen? So beginnt ein bitterer Kampf aller gegen alle um einen Platz im Rettungsboot.

Pausenlos funkt die Titanic nun SOS, aber das einzige Schiff, das vorher gewarnt hat, gibt keine Antwort. Nur Schweigen, trostloses Schweigen. Wo bleibt das stolze: No God? Wieso meldete sich drüben niemand? Der Funker des anderen Schiffes hatte sich zur Ruhe gelegt, weil von der Titanic keine Reaktion kam. No God. Ob man immer noch zu dieser Aussage stand? Dann plötzlich: Lichter. Ein ganz anderes Schiff kommt in Sichtweite. Vielleicht gibt es ja doch noch Rettung. Sofort werden von der Titanic Raketensignale in die Luft geschossen. Aber erst jetzt merkt man, dass nur weiße Leuchtraketen an Bord sind, die man als Begrüßungszeichen für andere Schiffe und für die Ankunft im Hafen verwendet. Rote Leuchtraketen für Notsignale sind nicht an Bord. Man war zu stolz gewesen, sie auf dieser Rekordfahrt mitzunehmen.

So ahnt man auf dem anderen Schiff nichts von dem Todeskampf des Riesen. Es grüßt mit gleichen Raketen freundlich zurück und fährt vorbei. Nun sind die Minuten der "Titanic" gezählt. Menschen springen vom Schiff ins eiskalte Wasser und finden den Tod. Nach kurzer Zeit bäumt sich das Schiff noch einmal auf und verschwindet in der Tiefe und mit ihm 1563 Menschen. Ein schrecklicher Rekord. Ob man Gott wirklich nicht gebraucht hat? Das frage ich mich. Gott lässt sich nicht spotten.

Auch, wenn ich der Meinung bin, dass er nichts mit dem Unglück zu tun hatte. Immer, wenn wir Menschen Gott außen vor lassen, stehen wir in der Gefahr, Schiffbruch in unserem Leben zu erleiden. Gott möchte aber bei all unseren Vorhaben mit einbezogen werden. Er möchte, dass wir ihm die Ehre geben und nicht selbst Gott spielen. Wir haben es mit einem heiligen Gott zu tun, wie immer wir auch über ihn denken mögen.

Irrt euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten, was der Mensch sät, das wird er ernten (Galater 6,7).

Michael Schwarz

Pastor der Evangelisch-

Freikirchlichen Gemeinde

Kirchheim