Lokales

Gott und der Fußball

Nun ist es endlich geschafft: Die mehr oder weniger informativen Vorberichte zur Fußballweltmeisterschaft werden durch topaktuelle Ergebnisse und Spielberichte ersetzt. Und doch ist zu befürchten, dass es nach wie vor Lückenfüller geben wird, die im Grunde niemanden interessieren. So las ich neulich irgendwo, Fußball sei die einzig wirkliche Weltreligion. Und auch in dieser Religion glaube man an Gott. Während die einen ihm huldigen "Gott ist ein Bayer" oder um seinen Beistand flehen: "Fußballgott, zieh die Lederhosen an", wenden sich andere, wie zum Beispiel Rudi Assauer von ihm ab: "Ich glaube nicht mehr an den Fußballgott!"

Zwar wird man immer von dem Glück der einen und dem Pech der anderen reden, in den Ausgang eines Spiels oder Wettkampfes mischt sich Gott nicht ein. Das Spannende und Fesselnde sportlicher Wettkämpfe würde sonst verschwinden, das doch gerade darin besteht, dass ihr Ausgang trotz allem Training und aller Vorbereitung letztlich nicht vorhersehbar ist. Über Sieg oder Niederlage entscheidet nicht Gott, sondern die Leistung, die Taktik, die Motivation durch den Trainer oder die Form der einzelnen Spieler. Es ist und bleibt die Leistung des Menschen im Sport, die wir bewundern, seine Kreativität und seine Eleganz, die sich im Sport zeigen.

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Und genau diese Leistung wird geschmälert, wenn sie einem "Gott""oder wie auch immer man ihn nennt, in die Schuhe geschoben wird und Spiele entscheiden lässt. Wenn dies gar durch den Betrug einzelner geschieht, rückt die Redewendung mit Gott in den Bereich des Blasphemischen. Wenn beispielsweise nach einem offensichtlichen und absichtlichen Handspiel durch Diego Maradonna, einem Weltklassespieler und Vorbild von "der Hand Gottes" die Rede ist. Eine Unverfrorenheit, die meines Wissens und zu meinem Erstaunen bis heute nicht geahndet wurde, obwohl die Fernsehbilder den Betrug schnell und eindeutig festhielten. So bleibt es ein Betrug an sich selbst, den Gegenspielern, den Zuschauern und der Geschichte der Weltmeisterschaft damals.

Im Sport gibt es viele gläubige Christen, die sich und ihre Sportlerkarriere unter den Schutz Gottes stellen. Aber dieser Glaube ist geprägt von der Überzeugung, dass der Körper, seine Fähigkeiten und die Möglichkeit, Sport zu treiben, ein Geschenk Gottes sind, dass Gott Kraft schenkt für ein Leben mit Siegen und Niederlagen und dass der Wert des einzelnen Menschen nicht an seinen sportlichen Siegen oder Niederlagen hängt, auch wenn es uns gerade in den Tagen der Weltmeisterschaft gerne so übermittelt wird.

Welches Trugbild hier teilweise und ganz bewusst durch die Medien aufgebaut wird, lässt aufhorchen und sämtliche Warnlämpchen aufleuchten, wenn man sieht, welchen Stellenwert Sieg und Niederlage im Sport auch schon bei Kindern und Jugendlichen einnimmt, die ihren Vorbildern in Aussehen und Verhalten nacheifern. Das Spielerische und die Leichtigkeit geht meines Erachtens verloren und es wird schnell, zu schnell ernst.

Die Aktion "Fußball ein starkes Stück Leben" nimmt in seinem Motto mit auf, um was es bei jedem Spiel gehen sollte. Vom spielerischen Umgang im Sport eine Parallele zum Leben ziehen, die Fairness und die Regeln vom Spiel zu übernehmen, in den Alltag hinein. Dann wäre dem Sport, uns Menschen und Gott geholfen.

Eine sachgemäße Regel wäre in Abwandlung eines Bibelwortes: "Gebt dem Sport, was des Sportes ist, und Gott, was Gottes ist."Stefan U. KostPfarrer an der Evangelischen Auferstehungskirche Kirchheim