Lokales

Gottes Wahlheimat ist der Mensch

"Im Pfingstgeschehen schäumte der dreieinige Gott über, wenn man so sagen darf. Sie teilte, verteilte sich . . . lieber als ein einsamer Herr zu sein, fließt sie über in Menschen hinein." Der Theologe Kurt Marti reizt mich mit diesen Worten zu einer neuen Wahrnehmung des Pfingstgeschehens. Die Menschen, die damals in Jerusalem Zeugen dieses Sprach- und Hörwunders wurden, waren wachgerüttelt. Sieöffneten ihre Herzen und Ohren und hörten Worte über das geisterfüllte Wirken Gottes in der Welt, in ihrer Welt.

Nicht die Vielsprachigkeit der predigenden Apostel ist das Wunder, sondern dass Gottes Geist die Botschaft von der Liebe Gottes zu uns Menschen für alle verständlich macht. Denn so geht es uns ja auch, wenn wir in einem fremden Land in der Sprache angesprochen werden, in die wir hineingeboren sind. Und in der wir gelernt haben, unserem Denken und Handeln Struktur zu geben.

Anzeige

Wir freuen uns, uns mit unbekannten Menschen austauschen zu können. Unser Erleben hängt ganz oft eng mit unserer Sprache zusammen. Wer von uns betet nicht am innigsten in seiner Muttersprache das Vaterunser. Darüber hinaus spricht uns der Heilige Geist sogar in der Sprache an, die allem unserem Denken und Handeln vorausgeht. Denn Gott hat uns mit seiner Sprache der Liebe ins Leben gerufen und uns zum Nachsprechen seiner Sprache der Liebe, des Friedens und der Gerechtigkeit befreit. Wo diese Sprache gesprochen wird, verstehen sich Menschen und teilen ihre Welt.

Pfingsten ist für mich ein Hinweis, dass meine Welt nicht unverbesserlich ist. Die Welt kann erneuert werden, denn Gottes Wahlheimat ist der Mensch. Ein frohes Pfingstfest mit Zeit zum Durchatmen und zum Spüren des liebenden Geistes wünscht Ihnen Brigitte Turnacker Pfarrerin zur Dienstaushilfe beim Dekan