Lokales

Gremiumsarbeit als eine "großartige Chance zu lernen"



ANDREAS VOLZ

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DETTINGEN Bevor Dettingens Bürgermeister Rainer Haußmann die scheidenden Gemeinderäte Sabine Hummel, Erna Ulrich, Mathias Blankenhorn und Norbert Häuser einzeln verabschiedete, zog er die Bilanz der vergangenen fünf Jahre Arbeit im

Gemeinderat: Insgesamt habe die Gemeinde Dettingen rund zehn Millionen Euro investiert in Schule, Kindergarten, Hallen, Spielplätze, Ortskernsanierung oder in den Straßenbau. Als Höhepunkt der zurückliegenden Gemeinderatsperiode nannte Bürgermeister Haußmann die Feierlichkeiten zum 750-Jahr-Jubiläum der Schlossberggemeinde. Dauerthemen seien dagegen die Haushaltskonsolidierung oder Energiesparmaßnahmen.



Gerade in einer finanziell schwierigen Phase sei es besonders zu loben, welche Verantwortung die Ratsmitglieder auf sich nehmen und mit welchem Engagement sie sich ihrer Aufgabe stellen. Dafür bedankte sich Rainer Haußmann ausdrücklich bei den 14 amtierenden Gemeinderäten sowie bei allen 42 Kandidaten, die sich am 13. Juni zur Wahl gestellt hatten. Ob jemand gewählt werde oder nicht, sei in diesem Fall eher eine Frage der Bekanntheit und nicht unbedingt eine Frage der Kompetenz, sagte der Bürgermeister als Trost für diejenigen, die den Einzug ins Gemeindeparlament nicht geschafft haben.



Die Wiederwahl nur knapp verpasst hatten die Gemeinderätinnen Sabine Hummel und Erna Ulrich. Beiden bescheinigte Rainer Haußmann Kompetenz und eine gewissenhafte Sitzungsvorbereitung. Sabine Hummel, die fünf Jahre lang für die FWG im Dettinger Ratsgremium saß, habe durch gut durchdachte und strukturierte Beiträge auf sich aufmerksam gemacht und sei sich auch bei "unangenehmen Themen" treu geblieben. Mit der SPD-Frau Erna Ulrich, die dem Dettinger Rat für insgesamt 13 Jahre angehörte, scheidet Haußmann zufolge eine Gemeinderätin aus dem Amt, deren Buch- und Aktenführung "nicht zu toppen ist" und die sich nicht nur beim Haushaltsplan als Spezialistin erwiesen habe.



Kompetenz aus der freien Wirtschaft habe Mathias Blankenhorn von der CDU/FWV-Fraktion mitgebracht. Der Bürgermeister dankte ihm für "wertvolle Tipps zum Thema Öffentlichkeitsarbeit im Kindergarten" und bedauerte seinen Entschluss, nach fünf Jahren im Gemeinderat nicht mehr für eine weitere Amtszeit zu kandidieren: "Vom Alter her wäre das noch gar nicht zulässig", scherzte er. Letztlich gelte es aber, die persönliche Entscheidung zu akzeptieren.



Dass der Vorsitzende der CDU/FWV-Fraktion im Dettinger Gemeinderat, Norbert Häuser, im Vorfeld der Kommunalwahlen dieselbe Entscheidung getroffen hatte, war für Rainer Haußmann überraschend. Deshalb spekulierte der Dettinger Schultes über die wahren Gründe für das Ausscheiden seines zweiten Stellvertreters: "Die Sitzungen wären vielleicht noch gegangen, aber nicht mehr die Nachsitzungen."



Themenschwerpunkte seien bei Norbert Häuser kaum auszumachen, im Gemeinderat habe er sich vielmehr als "Allrounder mit großem Weitblick" erwiesen. An rund 300 Sitzungen habe Häuser in fast 20 Jahren Gemeinderatstätigkeit teilgenommen, was umgerechnet in etwa einem vollen Arbeitsjahr entspreche. Den Dank dafür, diese Zahlen auch mit Inhalten gefüllt zu haben, verband Haußmann mit der Verleihung der silbernen Ehrennadel des baden-württembergischen Gemeindetags an Norbert Häsuer.



Der Geehrte selbst blickte zurück auf seine vier Amtszeiten als Dettinger Ratsmitglied. Den Umgang mit Themen, die ihn außerhalb des Gemeinderats wahrscheinlich kaum beschäftigt hätten, bezeichnete der Rektor der Kirchheimer Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule als eine "großartige Chance zu lernen". Die Arbeit im Gemeinderat bringe sowohl Freude und innere Befriedigung als auch Enttäuschung, Ernüchterung oder Missstimmungen mit sich.



So habe etwa die offene Jugendarbeit "nicht so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt hatten". Andererseits empfinde er große Freude über gelungene Projekte wie die Schlossberghalle, den Rathausvorplatz oder den Kelterplatz. Eine besondere Ehre sei es für ihn als gebürtigen Sudetendeutschen gewesen, in seiner neuen Heimat Dettingen zehn Jahre als zweiter stellvertretender Bürgermeister fungieren zu dürfen, "auch ohne die Gnade der Dettinger Geburt".

Dettingens Bürgermeister Rainer Haußmann verabschiedete die Gemeinderatsmitglieder Erna Ulrich, Norbert Häuser, Sabine Hummel und Mathias Blankenhorn (von links nach rechts) aus ihrem Amt.

Foto: Jean-Luc Jacques