Lokales

Grenzbereich von Literatur und Musik

ESSLINGEN Zum zehnten Mal jährt sich die Esslinger Reihe "Klang-Seiten", bei der spartenübergreifende Projekte vorgestellt werden. Literatur und Musik stehen im Mittelpunkt. Vier Duos wurden eingeladen, die in sehr unterschiedlicher Weise den Grenzbereich zwischen den beiden Künsten ausloten.

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Eröffnet werden die "Klang-Seiten" am heutigen Dienstag, 18. April, im Kulturzentrum Dieselstraße mit dem Duo Anne Bennent und Otto Lechner. Die Schauspielerin Anne Bennent hat sich intensiv mit Texten von Robert Walser auseinandergesetzt und anlässlich seines 50. Todestags "aus dem Bleistiftgebiet" den posthum entdeckten und mühevoll entzifferten Manuskripten des Autors sowie aus weiteren Gedichten und Texten ein Programm zusammengestellt, das Walsers Ideenkosmos spiegelt. Begleitet wird sie von Otto Lechner am Akkordeon, "der immer wieder mit dem ungewöhnlichen Einsatz seines Instruments überrascht".

Albert Ostermaier gehört zu den meistbeachteten Theaterautoren und Lyrikern in Deutschland. Seine Gedichte zielen ins Innerste, ihr Rhythmus folgt dem Druckreflex, der Beschleunigung des Herzens, der Atemnot, wenn das Blut sich in den Gefäßen staut. Der Ort dieser Gedichte sind die Peripherien, die Wüsten am Rand der Städte. Bei den Esslinger Klang-Seiten tritt Albert Ostermaier am Mittwoch, 26. April, im Kutschersaal der Stadtbücherei gemeinsam mit dem Komponisten und Gitarristen Bert Wrede auf, mit dem ihn eine langjährige Zusammenarbeit verbindet.

Ein unvergleichliches Duo präsentiert sich am Donnerstag, 27. April, in der Stadtbücherei Esslingen mit der Autorin Yoko Tawada und der Pianistin Aki Takase: Yoko Tawadas poetische Grenzüberschreitungen und pointierte Beobachtungen treffen auf die intensive Musik Aki Takases, einer der kraftvollsten und farbenreichsten Klavierstimmen der internationalen Jazzszene. Yoko Tawada, die mit der Konsequenz kindlicher Logik den Wortbildern und damit der Schönheit des Deutschen auf den Grund geht, hat in Aki Takase eine verwandte Seele gefunden.

Mit Okkyung Lee präsentieren die Esslinger "Klang-Seiten" eine Entdeckung aus der jungen New Yorker Avantgarde-Szene. Die gefragte Cellistin mit klassischer Musikausbildung verbindet Jazzklänge mit der traditionellen koreanischen Musik. In der Esslinger Stadtbücherei trifft sie am Samstag, 29. April, musikalisch auf Saadet Türköz, die bereits vor vier Jahren mit Elliott Sharp bei den "Klang-Seiten" mit großem Erfolg aufgetreten ist. Ihre kasachischen Eltern flohen vor den chinesischen Aggressoren aus Ost-Turkestan nach Istanbul, wo Saadet geboren wurde und aufwuchs. Die Musik der in Zürich heimisch gewordenen Vokalistin, Komponistin, und Lyrikerin ist geprägt von der Herkunft ihrer Vorfahren, die sie jedoch auf ergreifende Weise mit zeitgenössischen Einflüssen verbindet.

pm