Lokales

Grenzen der Grenzwerte

Ein "lärmarmes Denkendorf" verlangten Transparente vor der Denkendorfer Festhalle. Bei der Erörterung zur ICE-Trasse über die Filder hielten sich die Teilnehmer daran. Obwohl es um ein heißes Eisen ging, wurden Fachleute und Bürger nie laut, wie man es von Verhandlungen zur Fildermesse kannte.

ROLAND KURZ

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DENKENDORF 26 Aktenordner waren aufgereiht, etwa 20 Bahn-Fachleute hatten sich positioniert, ebenso viele Vertreter von Gemeinden und Bürgerinitiativen waren präsent. Dazwischen saßen etwa 70 Bürger, die stundenlang den Vorträgen folgten.

Von einer "zukunftsorientierten Verbindung", bei der die Bahn schon bei der Planung "hochaktiven Lärmschutz" betrieben habe, sprach Peter Marquart, Gesamtprojektleiter für Stuttgart 21 und die Schnellbahn-trasse bis Ulm. Bei Denkendorf sind drei Bauwerke geplant: ein 768 Meter langer Tunnel sowie die Brücken über Körsch und Sulzbach. 176 Züge sollen täglich über diese Brücken fahren.

Dass die Bahn die Zahl der Züge reduziert hatte, sorgte bei der Bürgerinitiative gegen Lärm eher für Argwohn als für Beruhigung. Schließlich wurde die Strecke kürzlich als Teil der Magistrale Paris Budapest ausgewiesen.

Ob die Deutsche Bahn AG die Strecke überhaupt baut, wird man vielleicht noch dieses Jahr erfahren. Alles hängt am Geld. Weil die Finanzierung nicht gesichert sei, fehle der Planfeststellung jegliche Grundlage, zog Hans-Peter Kleemann als Vertreter der Bürgerinitiative das ganze Verfahren in Zweifel. Aber der Diskussionszug hielt nicht an, sondern fuhr nachmittags mit der Debatte um die Lärmbelastung fort. "Die Lärmbelastung ist auch mir bekannt. Ich kann Ihre Sorgen und Nöte verstehen", sagte Frank Obermüller, Projektgruppenleiter im Regierungspräsidium. Er leitete die Verhandlung ruhig, ließ aber gelegentlich seine Position erkennen.

"Wir fühlen uns in unseren Rechten verletzt, die Lärmminderungspotenziale werden konterkariert", wies Bürgermeister Peter Jahn auf die Bemühungen der Fildergemeinden hin, den Lärmschutz zu verbessern. Unterstützt wurde er von Professor Hansjörg Birk. Mit ihrem Lärmminderungskonzept, so der Jurist, folge die Gemeinde einer gesetzlichen Vorschrift. Dies müsse für das Regierungspräsidium ein Ansatzpunkt bei der Abwägung sein. Wenn es technisch möglich sei, müsse die Bundesimmissionschutz-Verordnung auch unterschritten werden. Drei Anträge brachte Birk deshalb ein: Verlängerung des Tunnels, höhere Wälle zwischen Tunnel und Brücke sowie höhere Lärmschutzwände auf den Brücken.

"Der Lärmbeitrag der Bahn ist marginal", hielt Peter Schütz, Anwalt der Bahn AG, dagegen. Die Zusatzbelastung sei nicht wahrnehmbar und erhöhe die Gesundheitsgefahr nicht. Die Fildergemeinden könnten ihr Lärmschutzkonzept fortführen, es werde von der Trasse nicht beeinträchtigt. Auf die Dezibel-Werte der Bahn gab Reinhard Hund von der Bürgerinitiative nicht viel: Sie lägen immer gerade unter dem kritischen Punkt. Köngens Bürgermeister Hans Weil sah seine Gemeinde im Fadenkreuz des Lärms. Ihm machen die Güterzüge Sorge, die bei Wendlingen auf die Neubaustrecke wechseln.