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Grenzenloser Jubel nach technischer Besserung

KIRCHHEIM Zum Finale der diesjährigen Sommerreihe Kunst und Kultur am Schloss sollte eine in ganz Europa Aufsehen erregende

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RENATE SCHATTEL

Musical-Performance im sommerlich-historischen Ambiente des Marstallgartens den Zuschauern euphorische Schauer über den Rücken jagen. Schauer gab es aber zunächst nur kübelweise vom Himmel, sodass die Veranstaltung "Over the Rainbow" in die Stadthalle verlegt werden musste.

Das bedeutete vor allem für die Tontechniker Flexibilität und Gespür für einen geschlossenen Raum mit speziellen akustischen Gegebenheiten. Nein, die Stadthalle ist keine Freilichtarena, bei der man die Hebel am Mischpult auf Anschlag fahren kann. Das hatten die Herren der Soundanlagen selbst dann noch nicht ganz begriffen, als in der Pause vom geradezu ohrenbetäubenden "Lärm" gepeinigte Zuhörer darum baten, doch die Lautstärke zu reduzieren und die rein auf Obertöne ausgerichtete Mischung in der Tiefe abzurunden.

Nach der Pause gab es dann doch eine Besserung der Beschallungsverhältnisse leider waren da aber schon einige Besucher entnevt nach Hause gegangen und die als so umjubelt angekündigte Darstellung konnte endlich entspannt und mit Begeisterung richtig wahrgenommen werden.

Die Performance "Over the Rainbow" bestach durch vier Musical-Darsteller von europäischem Ruf, eine taffe Band und eine ästhetische Lichtshow. Schlag auf Schlag sangen, tanzten und spielten die Künstler "The Best of Musical". Und von Ohrwurm zu Ohrwurm begeisterte sich das Publikum mehr, rief enthusiastisch Bravo und klatschte rhythmisch mit.

Zu guter Letzt nahmen alle doch noch die euphorische Stimmung, die zunächst durch Regenschauer und Ohrenschmerzen eingetrübt war, mit in den Urlaub. Das lag in erster Linie an den stimmlich und schauspielerisch ihr Äußerstes gebenden Sängerinnen und Sängern. Am Auffälligsten war Marc Polak mit seiner fülligen Rock-'n'-Roll-Stimme. Er hatte schon die Hauptrolle im Musical "Elvis" gesungen und gab am Kirchheimer Abend Kostproben daraus. Seine sängerische Darstellung des Judas aus "Jesus Christ Superstar" und Claude aus "Hair" waren sehr bewegend. Erheiternd seine Rolle als Dean Martin.

In nichts nach stand ihm Kristin Hölck, die unter anderem in Stuttgart die Christine im "Phantom of the Oper" und die "Elisabeth" in Essen dargestellt hatte. Mit "Ich gehör nur mir" oder "Memories" aus "Cats" interpretierte die bekannte deutsche Musical-Interpretin die tragenden Balladen der Erfolgsstücke feinfühlig mit ausdrucksstarker Stimme.

Jem Brent und Maria Jane Hyde standen bis 2004 als Rusty und Pearl im Musical "Starlight-Express" in Bochum auf der Bühne und sangen die schönsten Titel, wie "Du allein gibst mir die Kraft zum Leben" für die Kirchheimer vor. Jem Brent entzückte das Publikum mit einer herrlich-anzüglichen Travestie-Show und überraschte beim Song "I'm singing in the Rain" mit einer spektakulären Stepp-Einlage. Maria Jane Hyde glänzte solistisch mit "Cabaret" und bewies eine ungemein starke, von der Klangfarbe eher gewöhnungsbedürftige Stimme. Ihre Balladen "I am what I am" und "Don't cry for me, Argentina" gelangen ihr sehr ausdrucksstark und facettenreich.

Gemeinsam mit absoluter Performance-Perfektion gestalteten die vier Stars die besten Hits aus "Grease", "Abba" und vielen weiteren bekannten Musicals. Auch neue und bisher unbekannte Stücke flochten die Profis in die Veranstaltung ein. Songs aus "Saturday Night Fever" und "Dirty Dancing" lösten Jubelrufe beim Publikum aus. Begleitet wurden sie von der Rainbow Band mit Markus Bender am Bass, Wilhelm Beuys am Keyboard, Andreas Wölke am Schlagzeug und Peter Wölke, Keyboard und Blasinstrumente. Peter Wölke, Musicaldirektor, moderierte unaufdringlich und informativ die Sequenzen an. Bassist Markus Bender brillierte in seinem Solo in "I am what I am", Schlagzeuger Andreas Wölke nahm gekonnt die Stepptanz-Rhythmik von Jem Brent auf und ließ sein Instrument auf Hochtouren laufen. Verdient jubelten die Zuhörer der Musical-Truppe immer wieder und lange Bravo-Rufe zu.