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Großartigen Erfolgen stehen noch immer viele ernste ...

GUAYAQUIL Schon seit 20 Jahren setzt sich der Kirchheimer Verein "Hilfe für Guasmo" mit aktiver und direkter persönlicher Hilfe für Kinder und Jugendliche aus ärmsten Verhältnissen in Ecuador ein. Auch

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W.-D. TRUPPAT / I. SNAY

wenn das Ziel der von Kirchheim aus organisierten Hilfe weit entfernt ist, bestehen enge Kontakte zu Vertrauensleuten vor Ort. Immer wieder finden auch persönliche Begegnungen mit den unterstützten Einrichtungen im fernen Ecuador statt.

Ursula Hauser, die für ihr Engagement im Jahr 2001 mit dem Bundesverdienstkreuz und 2003 mit dem Verdienstkreuz des Staates Ecuador ausgezeichnet wurde, war in ihrer Funktion als Vorsitzende des als gemeinnützig anerkannten Vereins "Hilfe für Guasmo" einmal mehr auf eigene Kosten in Ecuador, um sich vor Ort einen ungefilterten Eindruck vom Fortschritt der verschiedenen Projekte zu verschaffen.

Auch bei ihrem jüngsten Besuch wurde Ursula Hauser auf Schritt und Tritt mit der ihr längst vertrauten Armut und scheinbaren Ausweglosigkeit konfrontiert, in der sich die meisten Menschen dort befinden. Bei der aktuellen Visite in Puerto Napo in der Urwaldregion "Oriente" oder aber beim Besuch des dem Kirchheimer Verein seinen Namen gebenden Elendsviertel "Guasmo" in Guayaquil, zeigte sich, dass die mit Spendengeldern finanzierten Hilfeeinrichtungen zweifellos sehr gut arbeiten.

Genauso deutlich wurde aber auch, dass die dank vielfältiger Unterstützung möglich gewordenen Erfolge nicht als Legitimation dafür dienen dürfen, sich zurückzuziehen. Bei ihrem jüngsten Besuch der ecuadorianischen Schulzentren, die zum Teil nun schon seit 20 Jahren von Kirchheim aus engagiert unterstützt werden, konnte Ursula Hause zufrieden bilanzieren, dass dort inzwischen längst "Hoffnung keimt für die vielen jungen Menschen, die hier die Chance einer Ausbildung bekommen".

Ein Grund, sich nach zwei Jahrzehnten zufrieden zurückzulehnen kann es freilich nicht geben. In vielen konstruktiven Gesprächen mit Verantwortlichen, mit Lehrern, Ordensschwestern und Sozialarbeiterinnen wurde vielmehr intensiv nach weiteren Verbesserungen der gemeinsamen Arbeit und nach Lösungen erkannter Probleme gesucht.

"Viel Hilfe wird von unserem Verein erwartet," musste Ursula Hauser einmal mehr feststellen. Sie macht daher auch unmissverständlich deutlich, weshalb für sie die Eindrücke vor Ort für weitreichende Entscheidungen ungemein wichtig sind und betont: "Oft muss ich auch ein klares Nein sagen". Angesichts der herrschenden Not, mit der sie auch bei ihrem gerade abgeschlossenen Aufenthalt ständig konfrontiert wurde, ist ihr wichtig, gemeinsam Wege zu suchen und zu finden, die vor Ort ohne fremde Unterstützung eingeschlagen und auch erfolgreich fortgeführt werden können. Obwohl die vielzitierte "Hilfe zur Selbsthilfe" schon seit immerhin genau zwei Jahrzehnten höchst erfolgreich praktiziert wird, bleibe noch immer genug übrig, "was von unserer Seite zu tun ist", stellt die Vereinsvorsitzende fest.

"Fast in allen Familien unserer Stipendiaten sind Krankheiten an der Tagesordnung. Versicherungen gibt es für sie nicht und Arztkosten und Medikamente sind kaum bezahlbar. Dennoch leben in diesem Elend junge Menschen, die erkennen, dass sie sich nur über eine Ausbildung daraus befreien können". Am Beispiel des Schicksals eines der vielen von Kirchheim aus unterstützten Patenkinder versucht die Vereinsvorsitzende aufzuzeigen, wie Krankheit, Armut und unerschütterlicher Durchhaltewille den Lebensweg der vom Verein "Hilfe für Guasmo" unterstützten Menschen begleiten.

Die inzwischen zwölfjährige Scarlet kam mit verkrüppelten Füßen zur Welt hineingeboren in einen bitterarmen und von vielen Problemen belasteten "Familienverbund". Der Vater machte sich aus dem Staub und ließ seine engsten Angehörigen einfach mit ihren vielfältigen Problemen hilflos zurück.

In den zurückliegenden Jahren wurde Scarlet schon dreimal operiert. Eine weitere wichtige Operation steht noch aus. Die Kosten der erforderlichen medizinischen Eingriffe wurden von den "Madres Doroteas" durch Sammlungen finanziert. Auch der Kirchheimer Verein "Hilfe für Guasmo" beteiligte sich an den Kosten der Operationen.

Scarlet lernt eisern, absolvierte als beste Schülerin die Grundschule und kann nun ins "Colegio" wechseln. Um zu erfahren, in welchen Verhältnissen dieses von den "Madres Doroteas" und von Kirchheim aus finanziell unterstützte fleißige Mädchen lebt, besuchte die Vereinsvorsitzende Ursula Hauser während ihres Aufenthalts in Ecuador Scarlet in ihrer armseligen Behausung.

Ihre aus Onkel, Tanten, Cousins, Cousinen und insgesamt zehn Kindern zusammengewürfelte Familie lebt in nur zweieinhalb Räumen. Zwei Tanten sind alleinstehende Mütter. Ein Onkel, der für die Familie sorgen wollte, starb durch einen Unfall. Ein anderer Onkel ist drogenabhängig, weshalb die Polizei schon einmal alle Erwachsenen im familiären Umfeld von Scarlet inhaftierte. Die Großmutter fand damals bei ihrer Rückkehr alle Kinder sich selbst überlassen und völlig ausgehungert in der Hütte vor.

Hunger ist auch heute noch der tägliche Begleiter dieser Familie. Dennoch zeigt Scarlet der an ihrem Schicksal interessierten Besucherin aus Kirchheim voller Stolz ihre Auszeichnungen für gute Schulleistungen. Trotz der sie prägenden Lebensumstände und ihres zerbrechlichen Aussehens versichert Scarlet Ursula Hauser mit eindrucksvoller Bestimmtheit und voll Zuversicht und enormer Energie, dass sie auch weiterhin im "Colegio" die Beste sein wird.

Um erfolgreich dafür sorgen zu können, dass die Menschen aus ihrem Elend herauskommen, müsse man auf sie zugehen und dürfe auch keine Berührungsängste haben, wenn man sie in ihrer tristen Umgebung besucht, lautet die Erfahrung, die Ursula Hauser bei ihren vielen Besuchen in Ecuador immer wieder bestätigt sehen konnte. Trotz dieser klar definierten Grundeinstellung waren auch während des jüngsten Aufenthalts der Vereinsvorsitzenden in Ecuador nur einige wenige, dafür aber umso engere persönliche Begegnungen möglich. Viele der von Deutschland aus unterstützten Kinder leben in Vierteln, die für eine "Gringa" eine Fremde aus Europa einfach viel zu gefährlich sind. Selbst die einheimischen Lehrer Gonzalo und Jonny meiden diese gefährlichen "Barios", in denen Drogenkonsum und Alkohol die Kriminalität noch fördern.

Unter solch unsäglichen Lebensverhältnissen strahle das durch die Unterstützung zahlloser Spender aus Deutschland erst möglich gewordene "Centro ISE" und das "Colegio Hermann Hesse" wie ein Stern im Dunkeln, wird der Vereinsvorsitzenden von den engagierten Helfern vor Ort immer wieder bestätigt. Den größten Erfolg hat augenblicklich das "Colegio Hermann Hesse".

Engagierte Lehrer geben dort "Unterricht auf hohem Niveau". 80 Prozent der dafür anfallenden Kosten trägt der Verein "Hilfe für Guasmo". Die Begeisterung und der Lerneifer der Schülerinnen und Schüler sind enorm, denn ohne "Titulo" läuft in Ecuador bei der Suche nach einer Arbeit überhaupt nichts.

Eines der vielen Probleme ist die drangvolle Enge in den wenigen zur Verfügung stehenden Unterrichtsräumen. Darüber hinaus fehlen auch häufig die wichtigsten für einen sinnvollen Biologie- und Chemieunterricht erforderlichen Einrichtungen. In jedem Jahrgang befinden sich zudem junge Menschen, die entweder im Rollstuhl sitzen oder schwer gehbehindert sind. Niemals hätten sie eine Chance, sich weiterzubilden aber mit dem von Kirchheim aus mit Spendengeldern unterstützten "Centro ISE" und dem "Colegio" vor ihrer Haustür geht es doch.

Dass es auf dem so erfolgreich eingeschlagenen Weg weitergehen kann, ist auch und erst recht nach dem, was in zwanzig Jahren erreicht und initiiert werden konnte, ungemein wichtig. Viele Paten und freiwillige Spender tragen schon seit Gründung des Vereins dazu bei. Wie in jedem Verein, sind auch bei "Hilfe für Guasmo" engagierte Helfer und Förderer willkommen.

Am heutigen Dienstag wird die Landesschau Baden-Württemberg zwischen 19 und 19.45 Uhr das Projekt "Hilfe für Guasmo" im Gespräch mit Ursula Hauser vorstellen und zwei kurze Einspielfilme zeigen. Die Termine der Feierlichkeiten zum zwanzigjährigen Bestehen der Einrichtung sind auch schon festgelegt. Den Auftakt bildet am Donnerstag, 19. April, um 20 Uhr ein gemeinsam vom Verein "Hilfe für Guasmo", der Kreissparkasse Esslingen - Nürtingen und des club bastion veranstaltetes Benefiz-Konzert mit latainamerikanischer Musik der "Grupo Sal" im Manfred-Henninger-Saal der Kreissparkasse in Kirchheim.

Ein offizieller Festabend zum zwanzigjährigen Bestehen des von Johannes Graupner und Ursula Hauser gemeinsam im Elendsviertel Guasmo in Guayaquil initiierten Projekts und des daraus entstandenen Kirchheimer Vereins "Hilfe für Guasmo" wird am Samstag, 7. Juli, in der Kirchheimer Stadthalle über die Bühne gehen. Schirmherr dieser öffentlichen Veranstaltung, zu der auch der ecuadorianische Botschafter in Berlin schon seine Teilnahme zugesagt hat, ist der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident Lothar Späth.

INFOInformationen über das Projekt "Hilfe für Guasmo" können bei Ursula Hauser, Laubersberg 48 in Kirchheim, Telefon 0 70 21 / 4 43 09 und bei Arnold E. Piesiur unter der Rufnummer 0 70 21 / 7 17 97 sowie im Internet unter www.hilfe-fuer-guasmo.de abgerufen werden. Ein Spendenkonto ist eingerichtet bei der BW Bank Kirchheim unter der Nummer 8 648 646, Bankleitzahl 600 501 01.