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Großauftrag fällt weg

Die Hiobsbotschaften aus dem Industriegebiet Neckarwiesen in Oberesslingen reißen nicht ab. Nachdem die Firma Storopack einen Großauftrag verloren hat, denkt man darüber nach, das Logistikcenter zum Jahresende zu schließen. Betroffen wäre auch das Lager in Deizisau. Etwa 30 Mitarbeitern droht die Kündigung.

KORNELIUS FRITZ

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ESSLINGEN Das Logistikzentrum von Storopack liegt nur einen Steinwurf vom stillgelegten Panasonic-Werk entfernt. Von der Größenordnung sind die Firmen zwar nicht vergleichbar, doch der drohende Verlust von Jobs macht Gottwald Schäfter Sorge: "Auch 30 Arbeitsplätze tun uns weh", sagt der Wirtschaftsförderer.

Vor fünf Jahren hat das Metzinger Unternehmen das Gelände in der Fritz-Müller-Straße von der Firma Delmag übernommen und zu einem Logistikzentrum mit Hochregallager ausgebaut. Nach Angaben von Oliver Donth, Spartenleiter Logistik, wurden rund acht Millionen Euro investiert. Die Niederlassung bedient in erster Linie einen Kunden. Im Auftrag der ehemaligen DaimlerChrysler-Tochter Star Distribution aus Böblingen werden in Esslingen Druckerzeugnisse für Mercedes-Fahrzeuge gelagert, kommissioniert und weltweit an Werke und Vertragshändler verschickt.

Doch nun hat Storopack den Großauftrag verloren. Bereits seit Mitte vergangenen Jahres hatte sich nach Angaben von Donth die Art des Auftrags so geändert, "dass wir bei gleichem Aufwand 30 Prozent weniger abrechnen konnten." Da man sich nicht auf neue Konditionen einigen konnte, habe Star Distribution die Zusammenarbeit zum Jahresende gekündigt und sei auf der Suche nach einem neuen Partner. Für Storopack ist der Verlust ein herber Schlag, denn es dürfte schwierig werden, in der Kürze der Zeit einen neuen Auftrag in gleicher Größenordnung an Land zu ziehen. Die Zukunft des Esslinger Logistikcenters, in dem neben 30 festen Mitarbeitern auch etwa 40 Aushilfen tätig sind, ist deshalb ungewiss.

Das Unternehmen prüft nach Angaben von Oliver Donth nun drei Möglichkeiten: Zuerst soll versucht werden, ob es nicht doch möglich ist, durch neue Aufträge den Bestand des Logistikcenters zu sichern. Falls dies nicht gelingt, wäre auch eine Nutzung als Produktionsstätte von Storopack denkbar. Schließlich denkt das Unternehmen darüber nach, sich ganz aus Esslingen zurückzuziehen und die Immobilie zu vermieten. Eine Entscheidung soll bis Mitte September fallen. Die Gefahr, dass das Firmengelände mit einer Fläche von 15 000 Quadratmetern längerfristig zu einer Brache werden könnte, sieht Donth nicht. Das Logistikzentrum sei vielseitig verwendbar und technisch auf dem neuesten Stand. Auch für die Mitarbeiter sieht der Chef nicht schwarz, falls sich Storopack tatsächlich zurückziehen sollte. So könne möglicherweise ein Teil in der Metzinger Zentrale weiter beschäftigt werden. Im Übrigen wolle man versuchen, Mitarbeiter bei der Firma unterzubringen, die künftig den Auftrag der Star Distribution erhält.

Die Storopack Hans Reichenecker GmbH wurde 1959 gegründet. Das Familienunternehmen ist Spezialist für Verpackungslösungen: Storopack produziert unter anderem Formteile aus Styropor, wie sie beim Verpacken von Fernsehern zum Einsatz kommen. Jüngste Sparte ist der Bereich Logistik: Storopack übernimmt als Dienstleister den für den Kunden kompletten Versand der Produkte. Weltweit beschäftigt Storopack etwa 2600 Mitarbeiter, davon 580 in Deutschland. 2005 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 308,16 Millionen Euro.