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Große Musizierlust der Preisträger

KIRCHHEIM Seit nunmehr zehn Jahren existiert der Kirchheimer Musikpreis, und dieses Jahr wurde er zum sechsten Mal ausgelobt. Dank des engagierten und kontinuierlichen Sponsorship der Volksbank

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PATRICK TRÖSTER

Kirchheim-Nürtingen setzt er im Kirchheimer Musikleben für junge heranwachsende Begabungen einen entscheidenden Akzent. Doch bevor die fünfzehn Solisten ihre Preise im Kirchheimer Bohnauhaus unter viel Beifall in Empfang nehmen konnten, erklangen mit großer Musizierlust nochmals Ausschnitte aus dem einstudierten Wettbewerbsprogramm.

Mit sicherem Bogenstrich und einem schönen Ton beeindruckte der Jüngste unter den Preisträgern, Manuel Johannes Müller, die lauschende Zuhörerschaft mit einem "Indian Concertino" für Violine und Klavier von Georg Perlman. Im zweiten Concertino von Julian Porret frohlockte der Trompeter Benjamin Müller virtuos mit einem strahlenden Ton, gefolgt von Sophia Paramalingam, die charmant und frech einen flockigen Tanz von Dimitrij Schostakovitsch auf dem Flügel spielte.

Seelenruhig, mit viel Formsinn und einem runden Ton zelebrierte der junge Gitarrist Valentin Gabler eine Milonga und "Killing me softly" von Charles Fox. Und bei Anita Vargas fünf kleinen Violinwalzern von Franz Schubert schimmerte unter dem intonationssicheren Ton und rhythmischer Exaktheit sanfter Wiener Schmelz durch.

Mit Katharina Henßler wurde der Reigen der Kleinen Altersgruppe I und II beendet. Sie ließ relaxed und mit keimender Leidenschaft einen Blues von James Rae auf der Querflöte erklingen. Satte, wohlabgestimmte Blechbläserakkorde, gepaart mit differenzierter Dynamik und ausgearbeiteter Artikulation zeichneten das Blechbläserquintett aus. Benjamin Sigel, Tobias Plesch, Christoph Stortz, Jonas Beck und Karl Hammerstein demonstrierten mit drei kurzen Stücken aus Händels Feuerwerkmusik, einem Traditional und einem Gospel, Vielfalt. Jonathan Müller ließ die Zuhörerschaft bei seinem virtuosen Trompetenspiel aufhorchen. Mit dem 1907 komponierten kavallesken "Morceau de Concert" von Jean-G. Pennequin zog er alle Register und glänzte mit flinker Zunge, vollendetem Ton, weitem Spektrum an Tonfarben und sicherem Gespür für Höhepunkte.

Einen Teil der berühmten Gambenvariationen Marin Marais' über den Sarabandenbass der "Folies d'Espagne" übertrug Michaela Cummerow auf die Blockflöte. Kurzweilig verband sie die Kunst, einerseits die feinen unterschiedlichen Variationscharaktere herauszustellen und andererseits den großen Bogen innerhalb der sich steigernden Diminutionen zu spannen. Mit dem Kopfsatz der "Pathétique" griff Vanessa Haug mit klassischer Strenge in die tragische Welt Beethovens und verband ausdrucksstark und ganz in das Werk versunken trotziges Auflehnen mit schicksalsbewehrter Fügung, düstere Aufheiterungen mit lichtem Gram.

Der Posaunist Sebastian Müller beschloss mit zwei Sätzen aus der Sonatine op. 59 von Berthold Hummel das Preisträgerkonzert. Mit farbenreichem, singendem Ton und einem Gefühl für feine Stimmungsunterschiede gestaltete er das Andante sostenuto und mit entschlossenem Verve verfolgte er das Ziel des Finale vivace: den laut absteigenden Höhepunkt am Schluss.