Lokales

Große Verdienste um das Notariatswesen

50 Jahre Tätigkeit im öffentlichen Dienst das macht Dieter Straub so schnell wohl keiner nach. Der langjährige Chef des Kirchheimer Notariats konnte am Mittwoch in einer Feierstunde eine Urkunde zu dem äußerst seltenen Jubiläum entgegennehmen. Gleichzeitig wurde Dieter Straub in den Ruhestand verabschiedet.

ANKE KIRSAMMER

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KIRCHHEIM "Sie haben sich große Verdienste um das Notariatswesen erworben", betonte Dr. Franz Steinle, Präsident des Stuttgarter Landgerichts. Seit 1992 bekleidete Straub in Kirchheim das Amt des dienstaufsichtsführenden Notars und hinterließ in dieser Funktion in der Stadt deutliche Spuren.

Dass die Geschäftsbeziehungen mit Dieter Straub von besonderer Qualität waren, ließ zum Auftakt der Feierstunde im Gewölbekeller der Volksbank Kirchheim-Nürtingen in Kirchheim der Vorstandsvorsitzende Ulrich Weiß als Hausherr anklingen. "Auch wenn Verträge eigentlich schon gestern erledigt sein mussten Sie haben meistens eine Lösung gefunden und waren für uns da, wenn wir Sie gebraucht haben." Im Laufe der Jahre sei eine freundschaftliche Verbundenheit entstanden. Neben der fachlichen Kompetenz bescheinigte Weiß dem "Notar mit Leib und Seele" vor allem Humor und Herzlichkeit.

1942 in Stuttgart geboren und in Plochingen aufgewachsen, begann Straub seine berufliche Laufbahn mit 15 Jahren als Notariatskandidat in Bad Cannstatt. Weitere Stationen seiner Ausbildung waren Ebersbach/Fils und Nürtingen. Nach erfolgreicher Abschlussprüfung wurde er 1964 zum Justizinspektor zur Anstellung ernannt und dem Bezirksnotariat in Göppingen zugewiesen. Als "Jungspund", wie Straub sich in einem Vorgespräch selbst bezeichnete, trat er 1975 im Alter von 32 Jahren die Stelle eines Bezirksnotars in Nürtingen an. Auf eigenen Wunsch wurde er 1990 nach Kirchheim versetzt und dort am 1. Oktober 1992 zum dienstaufsichtsführenden Notar berufen. Vergleichbar ist dieser Posten mit dem eines Amtsleiters. Eine gute Woche nach seinem 65. Geburtstag und pünktlich am letzten Arbeitstag wurde Straub nun offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Gleichzeitig würdigte Dr. Franz Steinle die 50-jährige Tätigkeit des Notars im öffentlichen Dienst: "Ich glaube nicht nur für mich ist das ein absolutes Novum. Ich habe bisher nicht die Ehre und Freude gehabt, eine solche Urkunde überreichen zu dürfen." Der Präsident des Landgerichts Stuttgart nannte Straub einen "Notar alter Schule", der in allen Bereichen überaus versiert die große Bandbreite aller notariellen Tätigkeiten abgedeckt habe. "Nicht nur das macht Ihren sehr guten Ruf bei der rechtsuchenden Bevölkerung aus, sondern gerade auch Ihre Genauigkeit und Ihre gleichbleibende Freundlichkeit, die Sie den Kunden entgegenbringen." Unter Kollegen sei Straub ein sehr gefragter Ansprechpartner gewesen "nicht nur als Kostenexperte." Der künftige Pensionär verfüge über eine große Kompetenz und habe sich für die Belange und Interessen des Notariats in sachlicher und personeller Hinsicht nachhaltig eingesetzt. Demnach hatte Straub seit seinem Amtsantritt in Kirchheim für eine bessere Unterbringung des Notariats gekämpft. Im Juli dieses Jahres ist die Behörde nun von der Teck- in die Turmstraße umgezogen und unter anderem mit neuen PCs ausgestattet worden. Damit wird die Einführung des Elektronischen Grundbuchs auch in Kirchheim möglich.

Grußworte richteten die Notarvertreterin Heike Sauer sowie Straubs Kollege Robert Beck an den künftigen Pensionär. Beck lobte unter anderem das sehr angenehme Betriebsklima und erinnerte an zahlreiche Gespräche mit Straub, von denen sämtliche Kollegen profitiert hätten.

Der Direktor des Kirchheimer Amtsgerichts, Dr. Walter Sigel, griff aus Straubs Tätigkeiten die rechtliche Betreuung der Menschen heraus, die ihre Angelegenheiten nicht mehr selbst regeln können. "Hier gilt es, fürsorgliche Rechtspflege zu gewährleisten, auf die Verlass ist und an die sich die Angehörigen vertrauensvoll wenden können. Als Stichworte nannte Dr. Sigel Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen. "Der Notar und der Amtsrichter stehen sozusagen Schulter an Schulter zusammen, um dem Bürger rechtlich einwandfreie Lösungen anzubieten.

Straubs Nachfolger im Amt des dienstaufsichtsführenden Notars, Claus Denk, nutzte das Forum, um sich vorzustellen. Er ist derzeit in Faurndau tätig. Wegmarken seiner bisherigen Laufbahn waren unter anderem Dresden und Weilheim. Von 1993 bis 1996 war er schon einmal im Kirchheimer Referat tätig. "Wann ich hierher versetzt werde, ist derzeit allerdings noch unklar. Persönlich rechne ich damit zum Jahreswechsel." 2008 beginne das letzte Jahrzehnt vor der Schließung der Amtsnotariate, die 2018 vorgesehen ist. Die anstehende Einführung des Elektronischen Grundbuchs ist Denk zufolge eine "Mammutaufgabe", die viele Probleme mit sich bringen werde." Kein Geheimnis sei zudem die Absicht des Justizministeriums, die Grundbuchämter lange vor 2018 in größeren Einheiten zusammenzufassen. Gedacht sei landesweit an zwölf Standorte. Zudem stünden vor der Schließung intern Aufgliederungen an. "Wir haben ein spannendes Jahrzehnt vor uns. Ich hoffe, dass wir die Chance erhalten, tatkräftig an den Änderungen mitzuwirken."

Diese Veränderungen wird Dieter Straub indes eher aus der Ferne mitbekommen. Denn wenn nicht gerade Haushalt, Garten oder die Enkel rufen, wird ihn und seine Ehefrau Ursula nach eigenem Bekunden wohl des Öfteren die Reiselust packen.

Für die musikalische Umrahmung der Feierstunde sorgten eine Tochter und zwei Enkelkinder Dieter Straubs. Seiner Vorliebe für Jazz gemäß schlugen Vera, Lea und Jonas Reinold moderne Töne an. Am Klavier wurden sie begleitet von Musiklehrerin Hildegund Ljoschaj.