Lokales

Großer Schritt auf Weg zum Biosphärengebiet

Ein weiterer entscheidender Schritt auf dem Weg zur Ausweisung des ersten Biosphärengebiets in Baden-Württemberg am Albtrauf und auf der Kuppenalb ist getan, erklärte Regierungspräsident Hubert Wicker bei einer Pressekonferenz in Tübingen.

TÜBINGEN Nach dem Vorschlag der beim Regierungspräsidium gebildeten Arbeitsgruppe soll das künftige Biosphärengebiet eine Fläche von insgesamt rund 45 000 Hektar umfassen. Rund 36 000 Hektar liegen im Landkreis Reutlingen. Im Kreis Esslingen sollen Flächen in einer Größenordnung von nahezu 6000 Hektar auf der Schopflocher und Neuffener Alb einbezogen werden.

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Auch Flächen des Alb-Donau-Kreises, etwa bei Westerheim, sind neu hinzugekommen. "Ich freue mich, dass es innerhalb weniger Monate gelungen ist, eine so breite Zustimmung für dieses Vorhaben zu finden, das seinen Anfang mit dem ehemaligen Truppenübungsplatz Münsingen nahm und nun weit darüber hinausgeht", erklärte der Tübinger Regierungspräsident. Auf diese Weise sei auch die von der UNESCO für die Anerkennung eines Biosphärengebiets verlangte Fläche von mindestens 30 000 Hektar mehr als erreicht worden.

Mit dem jetzigen Vorschlag könne nicht nur der Landschaftstyp der Kuppenalb, der sich auf dem Münsinger Truppenübungsplatz ausgeprägt zeige, sondern auch der herausragende Naturraum des Albtraufs mit seinen ausgeprägten Hangwäldern geschützt werden.

Die UNESCO verlangt für die Anerkennung eines neuen Biosphärengebiets Naturräume, die bislang in anderen Biosphärengebieten eines Landes noch nicht repräsentativ vorhanden sind. Einen solchen Naturraum bieten vor allem die Hang- und Schluchtwälder im Bereich des Albtraufs und im oberen Ermstal, die teilweise die Kernzonen werden sollen.

Die Flächen auf dem Gebiet des Landkreises Reutlingen sind zwischenzeitlich entsprechend den UNESCO-Vorgaben bereits in Kern- und Pflegezonen sowie Entwicklungszonen gegliedert worden. Die Kern- und Pflegezonen liegen weitgehend auf Flächen, die bereits heute einen Schutzstatus als Naturschutzgebiete, FFH- oder Vogelschutzgebiete beziehungsweise Biotopschutzflächen genießen. Die kommunalen Verwaltungen wurden gebeten, bis zum 13. Dezember etwaige Änderungs- und Ergänzungsvorschläge mitzuteilen. Bis dahin sollen auch die Flächen des Landkreises Esslingen und des Alb-Donau-Kreises entsprechend strukturiert sein, kündigte Wicker an. Am 21. Dezember könne dann der beim Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum angesiedelte Lenkungsausschuss unter Vorsitz von Landwirtschaftsminister Peter Hauk über das vorgelegte Konzept entscheiden.

Die geplanten Kernzonen im Biosphärengebiet, etwa vier Prozent der Gesamtfläche, sind in der Regel fast ausschließlich Wald und von Nutzungen ausgeschlossen, sagte Wicker. Hier sollen nach Aussage des Regierungspräsidenten Bannwälder entstehen. In den angrenzenden Pflegezonen sei eine schonende, naturnahe Landnutzung im bisherigen Umfang erlaubt.Vor allem der ehemalige Truppenübungsplatz Münsingen stelle eine große Pflegezone dar, erläuterte Wicker. In den restlichen Bereichen des Biosphärengebiets, den so genannten Entwicklungszonen, sind keine rechtlichen Beschränkungen vorgesehen, allerdings werde eine nachhaltige Wirtschaftsweise gefördert.

Wicker geht davon aus, dass das Biosphärengebiet aufgrund des neuen Naturschutzgesetzes des Landes durch eine Rechtsverordnung in seinen Grenzen und Zonen festgesetzt wird. Das Regierungspräsidium werde der Landesregierung vorschlagen, Details anschließend etwa durch Pflege- und Entwicklungspläne oder die Festsetzung von Naturschutzgebieten innerhalb des Biosphärengebiets im Einvernehmen mit den Betroffenen zu regeln.

Die Beratung in den kommunalen Gremien soll nach Möglichkeit bis Anfang Februar abgeschlossen sein. Am 21. Januar wird der Regierungspräsident in einer Veranstaltung vor Ort Gespräche mit allen betroffenen Kommunalvertretern führen. Es gehe ihm darum, für das Biosphärengebiet zu werben und Detailänderungen zu diskutieren. "Die Ausweisung des Biosphärengebiets auf der Schwäbischen Alb ist eine große Chance für die Entwicklung der gesamten Region", sagte Wicker. Die bundesweit einzigartige Landschaft biete dem Tourismus und der Vermarktung einheimischer landwirtschaftlicher Produkte eine hervorragende Plattform.

Die UNESCO anerkennt weltweit Biosphärenreservate im Rahmen des Programms Mensch und Biosphäre zum Schutz typischer und einmaliger Kulturlandschaften. Ziel ist unter anderem der Schutz von Landschaften, Ökosystemen und Arten.

nz