Lokales

„Großer Wurf“ mit Chancen und Risiken

Kirchheimer Stadion soll zu einem modernen Sportpark mit Vereinszentrum weiterentwickelt werden

Der Sport wird in Kirchheim ein neues Gesicht erhalten. Die „Kooperative Sportentwicklungsplanung“ ist über Schreibtische und Diskussionsrunden hinausgewachsen. Jetzt nehmen ihre Inhalte und Ziele konkrete Formen an. Wichtigster Punkt ist dabei derzeit die Weiterentwicklung des Kirchheimer Stadions zum Sportpark mit integriertem Vereinszentrum.

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irene strifler

Kirchheim. Als „großen Wurf“ bezeichnete Angelika Matt-Heidecker in der jüngsten Ratssitzung die Sportentwicklungsplanung. Bei aller Euphorie schwang aber auch eine Spur von Skepsis mit: Dieser Wurf könne nur gelingen, wenn alle mitzögen, ergänzte die Stadtchefin. Das Vorhaben biete Chancen für Sportvereine, die um Mitglieder bangen, ebenso wie für die Stadt, erhöhe sich doch der Wohnwert.

Nach der repräsentativen Bevölkerungsbefragung scheint klar: Das Sportangebot in Kirchheim muss freizeitorientierter ausgerichtet werden. Einzelne Elemente, denen bei einer Tagung an der Kanzelwand Vorrang eingeräumt wurde, befinden sich bereits in der Umsetzung, etwa „bewegungsfreundliche Pausenhöfe“. Das wichtigste Thema ist jetzt allerdings die Einrichtung eines Sportparks mit Freizeitzentrum im Stadionbereich.

Die rund ums Kirchheimer Stadion vertretenen Sportarten Fußball und Leichtathletik sollen ergänzt werden. „Der Fokus wird auf Freizeitsport und gesundheitliche Aspekte gerichtet“, erläuterte Bettina Wilhelm, Leiterin des Geschäftskreises Bildung und Kultur. Ziel ist also eine multifunktionale Freizeit- und Vereinssportanlage. Hintergrund ist zum einen der Wunsch der Bevölkerung nach Öffnung der Sportanlagen. Zum anderen führt der demografische Wandel dazu, dass Großspielfelder, die vor allem Jüngere im Vereins- und Wettkampfsport nutzen, immer weniger gefragt sind. Bedarf bestünde dagegen an zwei Kunstrasenspielfeldern mit Flutlicht. Um finanziell liquide zu sein, wurde in Übereinstimmung mit dem VfL vorgeschlagen, den sogenannten „Ott‘schen Platz“ zu verkaufen und einen Sportstättenpool zu schaffen. Der Platz liegt etwas abseits des Geländes südlich der Jesinger Straße.

Ein Sportvereinszentrum könnte den neu gestalteten, modernen Sport- und Bewegungspark ergänzen. Angedacht sind Außenflächen wie eine Finnenlaufbahn, aber auch Geräte im Inneren wie zum Beispiel Spinning-Räder. Die Nähe zum neuen Kombibad scheint vorteilhaft. Mitglieder des Gemeinderates, der Stadtverwaltung und des Stadtverbandes für Leibesübungen haben sich bereits in einer ähnlichen Einrichtung in Rottenburg kundig gemacht. Die Grundidee besteht darin, dass ein solcher Sportpark mit integriertem Vereinszentrum alle Altersschichten erreicht und zum gemeinsamen oder individuellen Sporttreiben animiert. Im Gespräch ist die Realisierung eines solchen Zentrums als Gemeinschaftsprojekt der Kirchheimer Sportvereine. Deren Mitglieder würden dann durch die Nutzung einen festen Finanzierungsanteil beisteuern. Der Württembergische Landessportbund (WLSB) fördert derartige Zentren.

In der Diskussion der Stadträte ging es nicht nur darum, die Weiterentwicklung des Stadions zum Sportpark ebenso wie den Verkauf des Ott‘schen Platzes abzusegnen, sondern auch knapp 33 000 Euro für die planerische und operative Weiterführung des Projekts bereitzustellen. Die volle Unterstützung der SPD versprach Dr. Klaus-Peter Herzberg. Die Zukunft mache zahlreiche Neuausrichtungen nötig, das gelte auch für den Sport.

Thilo Rose signalisierte für die CDU Zustimmung, sprach aber eine Reihe von offenen Fragen an. So ging es um die Rolle der Vereine in den Teilorten ebenso wie um den erwarteten Verkaufserlös für den Sportplatz und das Finanzierungsmodell. Zudem sah Rose die Gefahr gegeben, im Sportzentrum künftig Angebote zu schaffen, die bisher in den Händen privater Sportstudios lägen. Diese Konkurrenz solle die Stadt vermeiden. Albert Kahle (FDP/Kibü) der grundsätzlich Zustimmung signalisierte, sah ebenfalls Gefahr für die Fitness-Studios in Kirchheim. „Wir schwächen mit Steuermitteln private Unternehmer“, kritisierte er, dies sei wirtschaftsfeindlich. Er schlug vor, Doppelangebote außen vor zu lassen. Weitere Bedenken führte CDU-Mann Siegfried Pöschl ins Feld. Er thematisierte vor allem die Gefahr für Sportvereine in Teilorten. Außerdem müsse die Stadt wohl finanziell in die Bresche springen, denn das Projekt könnten die Vereine kaum schultern. Ortsvorsteher Hermann Kik aus Ötlingen ergänzte, dass der Ötlinger Ortschaftsrat sowie die Vereine genau dieselben Befürchtungen hätten.

Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker erinnerte daran, dass es sich um eine kooperative Planung handle: „Wir machen‘s miteinander.“ Klar sei, dass sich die Sportvereine mittelfristig neu aufstellen müssten. Zum Thema Konkurrenz teilte sie mit, dass in Rottenburg kein einziges privates Studio nach Entstehen des Sportparks zumachen musste. Franz Ochs (Freie Wähler) spann den Faden weiter: Schließlich leisteten die Vereine gute Jugend- und Sozialarbeit, da müssten sie auch das Recht haben, zugkräftige Angebote aus Studios aufzunehmen. Im Übrigen seien auch Kooperationen zwischen Studios und Vereinen denkbar.

Andreas Schwarz, Fraktionsvorsitzender der Grünen Alternativen, sah die Vorteile vor allem in den positiven Folgen für die gesamte Stadtplanung und unterstrich die angestrebte Einbindung in das Grünprojekt. „Wir freuen uns, dass es vom Planen nun ans Handeln geht“, gab Dr. Silvia Oberhauser die Meinung der Frauenliste kund. Es sei toll, dass die Vereine auf den Zug aufstiegen und Lust an Innovation bewiesen. Um zügiges Vorgehen bat CIK-Vertreter Wolfgang Schuler, der das geplante Modell als gut bezeichnete.

Mit 24 Pro-Stimmen, aber zehn Enthaltungen, wurde dem Antrag der Verwaltung zugestimmt. Jetzt wird eine Lenkungsgruppe die Vision „vereinsübergreifendes Sportzentrum“ weiterdiskutieren und ein Raumkonzept erstellen.

„Man muss schon viel falsch machen, damit sich ein Vereinszentrum nicht trägt!“ Zitat von Rottenburgs Sportvereinszentrums-Geschäftsführer Vollmer, wiedergegeben in der Verwaltungsvorlage.