Lokales

Großer Wurf oder "rausgeschmissenes Geld"?

Erneut stand die Sanierung der Hauptstraße und des Rathausplatzes auf der Tagesordnung des Schlierbacher Gemeinderates. War der Tagesordnungspunkt ursprünglich dazu gedacht, Eckpunkte für die weitere Planung zu setzen, stand unvermittelt der Bauabschnitt Rathausplatz wieder grundsätzlich zur Diskussion.

VOLKMAR SCHREIER

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SCHLIERBACH Bereits im Sommer hatte der Gemeinderat grundsätzlich über die Sanierungsmaßnahmen in diesem Bereich diskutiert. Damals hatte sich das Gremium für eine Fortführung der Planungen zur Aufwertung des Ortskerns ausgesprochen. Insbesondere die Idee, den Rathausplatz zu einem einladenden Ortsmittelpunkt mit richtigem Platzcharakter umzugestalten, hatte es Gemeinderat und Verwaltung angetan. Das Gesamtkonzept besteht im Wesentlichen aus zwei Maßnahmen: Die Sanierung der Hauptstraße, beginnend an der Einmündung Haldenweg bis zur Kreuzung am Rathaus, und dem Rathausplatz selbst.

Schnelle Einigung erzielte das Gremium über die weitere Planung des Abschnittes Hauptstraße. Der von Stadtplaner Manfred Mezger vom Büro mquadrat vorgestellte Planungsentwurf fand nach kurzer Diskussion große Zustimmung. Die bereits jetzt in der Hauptstraße ausgewiesenen Parkplätze sollen erhalten bleiben und durch bauliche Maßnahmen von der Fahrbahn abgegrenzt werden. Dazu sollen die Stellflächen gepflastert und durch sogenannte Baumtore eingerahmt werden. Planer Mezger dazu: "So können wir auch in der dritten Dimension eine Beruhigung erzielen." Zur weiteren Verkehrsberuhigung regt Mezger auch die Einrichtung einer Tempo-30 Zone an. Hier kann nun mit der weiteren Feinplanung begonnen werden.

Schwer taten sich die Gemeinderäte hingegen mit dem zweiten Sanierungsabschnitt Rathausplatz. Planer Mezger stellte nochmals verschiedene Varianten vor. Gemeinsam ist allen, dass die Verkehrsinsel zwischen Rathaus und Kirche wegfallen soll. Die Fahrbahnen werden entsprechend verengt, um mehr Raum für Fußgänger zu schaffen. Der Platzcharakter soll durch Baumportale mit Fußgängerüberwegen an den Platzeingängen sowie durch eine passende Belagsgestaltung geschaffen werden.

Die von Mezger vorgestellten Vorplanungsvarianten unterscheiden sich dabei hauptsächlich in der Wahl des Fahrbahnbelags. Eine Variante sieht die durchgängige Pflasterung von Fahrbahn und Gehwegen vor, während die übrigen Varianten eine Pflasterung der Gehwege und Asphalt als Fahrbahnbelag vorsehen. Mezger wies nochmals darauf hin, dass eine durchgehende Pflasterung nicht nur teurer in Anschaffung und Unterhalt wäre, sondern auch mehr Verkehrslärm bedeute.

In der darauf folgenden Diskussion der verschiedenen Varianten zeigte sich schnell, dass für die Gemeinderäte einige Kernaspekte noch nicht geklärt sind. So steht zum Beispiel Karl Weiler von der CDU dem Konzept für den Rathausplatz aus Kostengründen sehr kritisch gegenüber. Kurt Moll, ebenfalls CDU, sieht das hohe Verkehrsaufkommen als Problem. Ohne eine deutliche Reduzierung des Verkehrs sei eine aufwendige Gestaltung quasi "rausgeschmissenes Geld". Auch vermisst er eine durchgehende Gesamtkonzeption für den Ortskern über den Rathausplatz hinaus.

Strittig war auch die zeitliche Umsetzung der Bauabschnitte Hauptstraße und Rathausplatz. Während August Leins von den Freien Wählern dafür plädierte, beide Abschnitte an einem Stück zu realisieren, sprach sich Marco Emmert (CDU) dafür aus, aus Rücksicht auf Anwohner und Einzelhandel zuerst den Abschnitt Hauptstraße umzusetzen und den Rathausplatz erst später anzugehen. Für Bürgermeister Paul Schmid war an diesem Punkt der Diskussion das gesamte Projekt Rathausplatz in Frage gestellt. "Nach Ihren Äußerungen stehen wir nun, den Rathausplatz betreffend, vor einem Scherbenhaufen", so der Rathauschef, und brachte den Stand der Diskussion auf den Punkt: "Was Sie nun als erstes beschließen müssen ist: Begraben wir das Ganze?"

Nachdrücklich warb Schmid nochmals dafür, das Projekt weiter zu planen und auch zeitlich nicht weiter nach hinten zu schieben. Auch eine Kreditaufnahme für die Baumaßnahme konnte er ausschließen. Des Weiteren gab er zu bedenken, dass auch die Fördermittel für die Ortskernsanierung nicht mehr allzu lange abgerufen werden könnten und bat den Gemeinderat darum, grünes Licht für die weiteren Vorplanungen unter genauen Vorgaben zu geben. Am Ende einigte sich das Gremium dann darauf, den Bereich Rathausplatz zunächst einmal weiterzuplanen.