Lokales

Großes Herz für kleine Vögel

Konrad Sill aus Kirchheim erhielt die goldene Ehrennadel des NABU während der gemeinsamen Veranstaltung der Orstgruppe Kirchheim-Lenninger Tal und der Volkshochschule.

KIRCHHEIM Weit über 30 Jahre lang hat Konrad Sill aus Kirchheim die Geschicke der Ortsgruppe des NABU wesentlich beeinflusst. Unter drei Vorsitzenden führte er die Geschäfte der Ortsgruppe Kirchheim und Lenninger Tal, die unter seiner Ägide von 300 auf über 800 Mitglieder anwuchs.

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"Ohne Konrad Sill wäre dies nicht möglich gewesen. Alle Fäden liefen bei ihm zusammen. Obwohl es seine Art war, bescheiden im Hintergrund zu wirken, hatte er alles im Griff und hielt alles am Laufen," erklärte Dr. Wulf Gatter in seiner Laudatio. Jahresprogramm, Naturschutzaktivitäten und Pflegeeinsätze, alles sei von ihm bestens organisiert worden. Mit einem Team von engagierten Mitarbeitern baute er über Jahrzehnte Schwalbenkolonien mit selbst gefertigten Kunstnestern auf und wirkte so der ökologischen Verödung der asphaltierten Städte entgegen.

Als einer der ersten hat er die Bedrohung der großen Höhlenbrüter in der offenen Landschaft, speziell der Steinkäuze, erkannt und sich jahrzehntelang und erfolgreich um die Population seiner "Athene noctua" gekümmert, die in den alten hohlen Obstbäumen lebten. Über dreihundert Steinkäuze in der Region wurden von ihm in den selbst entworfenen Niströhren beringt, um ihren weiteren Lebensweg erforschen zu können. Erst vor kurzem erschien seine jüngste wissenschaftliche Publikation aus seinen 25 Jahre dauernden Steinkauzuntersuchungen.

Ein von ihm im Jahre 1977 bei Nürtingen beringtes Weibchen erschien 1979 bei Nabern und legte in seinem weiteren Leben, dem schließlich ein Marder ein Ende bereitete, ortstreu bleibend, 49 Eier und von den ausgeschlüpften Jungvögeln erreichten 36 das Beringungsalter. Doch auch solche Einzelerfolge konnten die Art nicht retten. Zunehmender Erholungsverkehr aus den nahen Neubaugebieten, der Ausbau der Autobahn, Obstbaumrodungen und die Zunahme der Marder führten schon 2000 zum Erlöschen der Population.

Wie so oft steckt hinter einem solchen Engagement natürlich auch eine Frau. Bei all der Vielfalt seiner Vereins- und Naturschutzaktivitäten unterstützte sie ihn nicht nur verständnisvoll, sondern nahm ihm bei seiner aufwendigen Vereinsarbeit auch unendlich viel Arbeit ab und war selbst in vielfältiger Weise naturschützerisch tätig. Jedes Frühjahr verwandelte sich das Haus der Familie Sill in ein Waisenhaus für elternlose Vögel als Anlaufstelle für all die aus dem Nest gefallenen Jungvögel, die von Elisabeth Sill liebevoll gepflegt wurden, bis sie wieder in die Freiheit entlassen werden konnten. Elisabeth Sill entwickelte sich dabei zur weithin bekannten Spezialistin für die Aufzucht junger Mauersegler, die normalerweise bis zum Abzug nach Afrika im Nest bleiben, um dann im Juli oder August, voll auf sich allein gestellt, mit angeborener Zugrichtung den Weg ins ferne Südafrika anzutreten.

In den Jahren 1981 bis 1984 vertrat Konrad Sill den Leiter der Forschungsstation Randecker Maar und sorgte dafür, dass die Kontinuität der dort geleisteten Langzeituntersuchungen Vogelzug nicht abriss. Die beiden Vorsitzenden des NABU Kirchheim, Karl-Heinz Fiegert und Wulf Gatter, bedankten sich für die jahrzehntelange Verbundenheit und steckten ihm die wohl verdiente goldene Ehrennadel an, die der Bundesverband verliehen hat.

wg