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Gründung der Teck

Beim Neujahrsstammtisch des Alt-Owen-Förderkreises referierte Christoph Bizer in der Bernhardskapelle über seine archäologischen Funde auf der Teck und der Diepoldsburg. Dabei ging es vor allem um neue Aspekte zur Datierung der Teck.

REGINE BENKER

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OWEN Die Burg Teck, gegründet bereits im ausgehenden 11. Jahrhundert von Graf Burkhard von Nellenburg (gestorben 1101/02), als Ersatz "an besser geeignetem Platz und an repräsentativerer Stelle" für die im Investiturstreit 1077/78 zerstörte Thietpoldispurch (heute die Diepoldsburg bei Lenningen) diese spannende These des Burgenforschers Christoph Bizer wirft ein völlig neues Licht auf den Owener Hausberg und die bis heute im Dunkel der Geschichte liegende Erbauung der Teck. In einem sehr kurzweiligen Vortrag, den er noch mit Lichtbildern anreicherte, trug Christoph Bizer seine auf archäologischen Oberflächenfunden basierenden und vergangenen Herbst in Buchform erschienenen Forschungsergebnisse beim Neujahrsstammtisch des Alt-Owen-Förderkreises vor.

Eberhard von Nellenburg, Graf im Neckargau, war 1059 von König Heinrich IV. das Münzrecht in Kirchheim übertragen worden. Zum Nellenburger Besitz gehörte neben Kirchheim auch der Teckberg samt dem umliegenden Gebiet, also auch die Thietpoldispurch. Auf dem Rückweg von Canossa rückte Heinrich 1077/78 mit Heeresmacht gegen die mit dem Papst verbündeten aufständischen Herzöge und Grafen in der Gegend vor. Die kaiserlichen Truppen brannten dabei nicht nur Weilheim mitsamt seiner Klosteranlage nieder. Sie verwüsteten auch eine ganze Reihe früherer Burgen in der Umgebung, unter anderem die Thietpoldispurch.

Die Nellenburger könnten die Teck als Ersatz für ihre zerstörte Burg gegründet haben. Das Fundgut der Teck jedenfalls deutet auf eine mögliche Entstehung der Burg bereits vor 1100 hin. Burkhard von Nellenburg, der Sohn Graf Eberhards von Nellenburg, starb kinderlos 1101/02. Das Erbe fiel an die Zähringer und bestand im Wesentlichen aus dem Kerngebiet der späteren Herrschaft Teck. Die Tecker, eine Seitenlinie der Zähringer, ließen sich erst in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts auf der seit dem Aussterben der Nellenburger wahrscheinlich nicht herrschaftlich bewohnten Teck nieder. 1187 nannte sich Adalbert I. als erster nach der neuen Residenz des Geschlechtes "Herzog von Teck".

Die zweite, ebenso bahnbrechende These, die Bizer an diesem Abend vorstellte, betrifft die Diepoldsburg bei Unterlenningen. Als "Thietpoldispurch" existierte sie bereits Anfang des 10. Jahrhunderts und war Schauplatz reichspolitischer Auseinandersetzungen im Jahr 914. Der Franke Konrad regierte nach dem Aussterben der Karolinger als König und musste sich im Inneren zur Festigung seiner Macht gegen mächtige Adlige zur Wehr setzen. Diese versuchten, die von den Karolingern beseitigten Stammesherzogtümer wieder zu errichten.

Im Jahr 914 spitzte sich der Konflikt zu: Der schwäbische Adlige Graf Erchanger nahm den Kanzler König Konrads, Bischof Salomo von Konstanz, gefangen und hielt ihn mehrere Tage auf einer "Thietpoldispurch" fest. Die Lage dieser Burg konnte bis heute nicht überzeugend geklärt werden. Christoph Bizer identifiziert sie nun mit der Vorgängerburg der Diepoldsburg bei Unterlenningen, die seinen Forschungen nach um 900 als "Thietpoldispurch" erbaut wurde. Burgruinen, Geländespuren und archäologische Funde rund um Owen und die Teck erinnern an die Frühzeit des deutschen Reiches. Abendländische Geschichte fand gerade auch in dieser Gegend statt.